
In der Wohnung unter mir lebte eine alte Dame aus dem Iran, sie ist vorige Woche ausgezogen und hat mir zur Erinnerung diesen kupfernen Kerzenhalter geschenkt. Bald nach Khomeinis Rückkehr war ihr Mann, ein Richter, ins Gefängnis gekommen und dort gestorben. Sie selbst ist Naturwissenschaftlerin und floh mit den drei Töchtern.
Da sie nicht mehr ganz jung war und bei uns nicht die erforderlichen 15 Arbeitsjahre zusammenbekam war ihre Pension sehr klein. Sie war vor über 20 Jahren hierhergezogen, ihr war nicht klar und vom Hausbesitzer natürlich auch nicht klargemacht worden, was für eine triste Gegend das ist und daß das schäbige Haus nie renoviert werden sondern immer schäbig bleiben würde. Die Wohnung selbst war von den Vormietern, Inländern, renoviert und mit einer gemauerten Dusche in der Küche und neuen Fenstern versehen worden. Der Hausbesitzer formulierte den Ablösevertrag, sie zahlte ca. 20 000,- € , viel zu viel, und dann eine Miete von 265,- €. Uninformiert und von anderen Sorgen belastet versäumte sie die Frist um die Ablöse auf einen realistischen Betrag herunterzuklagen. Da sie ihre Wohnung penibel pflegte, wird die jetzt als frisch renoviert vermietet und vermutlich 460,- € kosten. Der Hausbesitzer hat also von zwei Mietsteigerungen profitiert, ohne selbst einen Cent investieren zu müssen, denn die alten Erstmieter haben natürlich eine geringere Miete gezahlt.
Die Frau Professor, wie ich sie nannte, eine fesche und sportliche Person,auch mit fast 80 Jahren, mochte keine Hunde und war auch empört als ich ihr sagte sie könne in diesem Haus nicht bleiben. Sie wußte es natürlich selbst. Einmal, noch bevor ich hier wohnte, hatte sie eine Prostituierte als Nachbarin gehabt, die die Wohnung als Arbeitsort nutzte, ständig lungerten rauchende und pöbelnde Freier vor der Türe. Das Gefühl ihre gesamten Ersparnisse in diese Wohnung gesteckt und nun einfach nicht genug Geld für eine andere zu haben, die soziale Isolation in diesem Viertel machten sie sehr deprimiert. Nun haben ihr Tochter und Schwiegersohn geholfen und sie hat eine Wohnung gegenüber von den beiden am Stadtrand bekommen. Ich freue mich sehr für sie.