Samstag, 31. Juli 2010


Haider (der wenigstens einen Jagdhund von einem Pitbull unterscheiden konnte, war persönlich sehr gewinnend, er wohnte in Wien hinterm Sacher und ich traf ihn manchmal beim Gassigehen, er streichelte den Hund jedes Mal und ich hab ihn auch nicht daran gehindert,sondern versucht einen Eindruck von der Person zu bekommen) soll alles verbrochen haben, ganz allein, naja.

Besuch in Hietzing, in einem (Kräuter)garten, der einer Arzt-Apothekersippe gehört, ich habe nicht gewußt, daß es noch so große Parkgrundstücke in der Stadt gibt,die gegen Verbauung und Zugriff vom Immomardern gehalten werden. In Wien gibt es die Tradition des kultivierten Arztes, viele Ärzte waren auch Hobby-Kammermusiker, und viele der zugewanderten persischen, palästinensischen und kurdischen Ärzte haben sich gut dazugefunden, leider sind einige von ihnen bereits in Pension, aber die Töchter einer Freundin ordinieren bereits wieder und so kann man immer wieder zu Ärzten gehen die man auch privat kennt.

die Familie, liebe Barbara2, ist der stabilste soziale Bezug; weil die Eltern ja nicht aufhören sich Sorgen zu machen und sich zu kümmern, gehen sie uns in der Jugend ja so sehr auf die Nerven, bis man draufkommt daß sich außerhalb der Familie niemand um unser Wohl und Wehe bekümmert. Später ist man Dienstgeber oder Dienstnehmer, Kunde, Mieter, Patient (und Ehefrau) und nicht ohne gute Gründe sind alle diese Bezüge penibel rechtlich geregelt,weil in allen diesen Bezügen versucht wird den anderen zu instrumentalisieren, zu betrügen und übers Ohr zu hauen. Auch Freundschaften gedeihen am besten wenn man karriererelevant ist und weniger gut wenn man einen Job sucht. Tragend sind die familiären Primärbezüge, in weniger entwickelten und differenzierten Gesellschaften als unseren ist das ganz klar. Durch moderne gesellschaftliche Solidarkonstruktionen (Sozial-und Krankenversicherungen) wird die Familie entlastet und teilweise ersetzt, in Finnland etwa hat jeder ein recht auf Ausbildungsgeld und eine Wohnung, was von der Unterstützung der Eltern unabhängig macht. Aber bei uns, mit dem akademischen Prekariat? Weil Du sozioökonomisch gut abgesichert und dadurch selbständig bist kannst Du eine Familie nach Neigungen zusammenstellen, so hat meine Generation auch gedacht, hat dennoch eifrig geerbt und nach dem Studium alle elterlichen Beziehungen genutzt wenn es welche gab und der Rest mußte sich eine politische Ersatzfamilie für den Aufstieg suchen. Mein Hauptargument für die Familie ist, daß ich vielleicht nicht in allem mit ihnen übereinstimme, was für mich als erwachsene Person aber auch nicht mehr so nötig ist wie für einen Jugendlichen, daß sie ordentliche Manieren haben, von denen sie auch gegenüber Ärmeren und Fremden Gebrauch machen, Hunde lieben und ihren Lebensunterhalt nicht mit Gaunereien verdienen, auch jene nicht, die sehr erfolgreich sind, aber Letzterers hängt eben auch mit Geschichte und Saturierung zusammen.
liebe Maurulam,
ich weiß nicht wie das aktuell bei verschiedenen Orden mit dem Noviziat gehandhabt wird, vielleicht doch je nach orden verschieden? Es gibt auch die Möglichkeit im dritten Orden zu leben, und doch mit dem Ordenscharisma verbunden zu leben
liebe Barbara2,
ich sehe (meine) Familie nicht so sehr als Blutsbande sondern als kulturelle Bande.
Mit ihnen verbinden mich Haltungen und Werte, ich kann darauf vertrauen daß sie nach ähnlichen Prinzipien handeln wie ich selbst, das kann ich bei anderen Leuten kaum. Und in Krisensituation fallen eigentlich alle auf die Verhaltendweisen der eigene Famile zurück...

Freitag, 30. Juli 2010


Obwohl die Kollegen sehr nett sind und das Arbeitsklima sehr gut ist, bin ich immer froh über den Kontakt mit alten Freunden und Teilen der Familie, der A. und ich uns wieder angenähert haben. Wenn As Lieblingsbruder der Tante nicht erzählt hätte, daß wir mit dem Erbe am meisten anfangen können, hätte sie uns nicht bedacht.
Der Komfort familiärer Solidarität ist schon eine Wohltat.

Korruption ist in Österreich sehr stark angestiegen; die Aufklärung zäh und sehr langsam. Als politischer Akteur ist Grasser schon lange abgeschrieben. --- Zu den allermiesesten Kollektivverträgen gehören jene für Ordinationshilfen, trotzdem werden extra Ausbildungen für den Job angeboten, der kein Überleben sichert. Für die stark von Migranten frequentierten Ordinationen braucht man Hilfen mit den üblichen Einwanderersprachen, Türkisch beim Kinderarzt, alle Balkansprachen und Russisch beim Internisten. Trotzdem ist die Information der Patienten miserabel: Zöliakiepatientinnen wird nicht nachdrücklich gesagt daß sie immer und nicht nur einige Zeit Diät halten müssen, etc... in den Kursen kommen die Leute dann und leeren Säcke mit Medikamenten vor einem aus, schwere Schmerzmittel hat jeder für kleine wehwehs in der Handtasche, fast alle sind erheblich krank, was bei den Asylanten mit schweren Biographien und den älteren Bauarbeitern nicht verwundert, aber viele Krankheiten sind Folge von Informationsdefiziten: schlecht auskurierte Nierenbeckenentzündungen etwa. Bei Lebensproblemen geht man zum Arzt, das ist gratis und sozusagen die wichtigste Teilhabe an westlicher Aufklärung, statt hinzunehmen daß man mit Sorgen halt schlechter einschlafen kann, verlangt und bekommt man starke Schlafmittel und Antidepressiva. Die medizinische Versorgung, die U-Bahn und das handy sind das, was Migranten der Arbeiterschicht am stärksten begeistert. Die ganze mediale Aufklärerei über Patientenselbstverantwortung und etwas Reserve gegenüber Übermedikation geht an diesen Patienten, die immer nur die Fernsehprogramme der Heimat sehen und keine österreichischen Zeitungen außer den Gratiszeitungen in der U-Bahn lesen, völlig vorbei.

liebe Barbara2,
ich löse das Sprachproblem mit der Investition von mehr Zeit; beim Arzt geht alles zackzack, damit genug Krankenscheine zusammenkommen, schließlich arbeiten Ärzte nicht um zu heilen sondern um eichene Vollholztüren fürs Haus zu erwerben, laut Ringsgwandl. Zusätzlich haben wir eine Ernährungsberaterin dazugeholt und reden über gesundes Essen, viele der Migranten haben einen bäuerlichen Hintergrund und die Verbindung zur Natur kann man durchaus wiederbeleben...

Mittwoch, 28. Juli 2010


Sie hielt ihren jüngsten Enkel auf den Knien, gebräunt und erholt sah sie aus wie eine Mutter mit ihrem Nachzügler. Das Baby wendete sich zum Hund und lächelte ihn an, es würde wachsen wie eine Lilienknospe und ebenso vergehen, das sah ich plötzlich in einer Art Zeitraffer. In der Stadt sah ich meine ehemaligen Nachbarn, die beim Meinl am Graben einkaufen waren, mit ihren orangefarbeben, doppelten Meinlsäcken auf den Bänken der Fußgängerzone rasten. Ihre englischen Sakkos und ihre Burberys schlotterten um ihre Schultern, sie waren nicht mehr stattliche ältere Herrschaften, sondern alte Menschen, bald würde es sie nicht mehr geben. R. sah mich aus seinem gealterten Gesicht mit den weitstehenden Augen an, er redete wie eh und je, das heißt er redete aktualisiert und comme il faut, er war nicht stehengeblieben. In den Blicken und in der Intonation aber war seine eigentliche Lebenserfahrung. - Der alte Mann sah mich an und als er mir zuredete wie einem Parteihinterbänkler, belebte sich sein Blick mit Selbstsicherheit und Schläue.

Sonntag, 25. Juli 2010


Nostalgisch und sentimental.

Spindelegger von der ÖVP fordert weitere Zuwanderung aus Osteuropa. London und Paris seien Vorbild.

Samstag, 24. Juli 2010


Marlene Streeruwitz, gescheit und schön (mit 60), ist so ein Beispiel für Leute die aus dem Bürgertum kommen und mit der Kleingewerbe,-Wirten-und Kitschdirndl-ÖVP nix zu tun haben wollen.In Salzburg (wo jetzt die Festspiele beginnen und die gehobenen Wirtinnen herumstehen) hat sie schon sehr provoziert, jetzt geht sie das Festspiel-Zuckerl, die Buhlschaft, analytisch an.

Freitag, 23. Juli 2010


Das Vienna Art Orchester hört auf. Keine Sponsoren, eine Schande! - Mit den Solisten des Orchesters hab ich in einer WG gewohnt, wir haben viel zusammen improvisiert (mit Stimme, Klavier und Kochtöpfen) wenig Geld und zehn Hühner (die viele Eier legten, so daß es oft Palatschinken gab) gehabt, von einem hab ich ein großes Portrait gemalt und rückblickend war ich viel zu selten in den Konzerten. Jetzt hör ich aber gleich den Tango from Obango an!!

Mittwoch, 21. Juli 2010


Die Kärntner Bayernbankgeschichte ist ja auch in der BRD bekannt, aus dem gleichen
Eck kommen die BUWOG-Korruptionalien...

Dienstag, 20. Juli 2010


In der Arbeit eine Gruppe mit lateinamerikanischer Mehrheit, und - obwohl in meinen Gruppen immer viel gelacht wird - so viel Lachbereitschaft erlebt man in Wien selten, jedenfalls nicht unter älteren Erwachsenen. Obwohl ich ja ständig mit kultureller Fremdheit zu tun habe, merke ich, daß mich die latino - Leichtigkeit besonders beschäftigt. Nach dem Pinochet-Putsch 73 kamen viele Chilenen nach Wien, eine ganze Reihe von Freundinnen hatte chilenische Ehemänner, eine einen Argentinier (aber der war eigentlich Ungar)so daß mir diese Gestimmtheit nicht ganz fremd ist. Übrigens sehen diese Südamerikaner alle sehr gut aus und unter Wiener Akademikerinnen ist der aus den Ferien mitgebrachte Kubaner, der hinreißend gut tanzt, alles locker sieht, viele Komplimente macht und so viel lacht sehr beliebt.
Wie strahlende Sonnen kommen mir diese Menschen in meiner Gruppe (es sind auch Frauen darunter) in manchen Augenblicken vor.

Montag, 19. Juli 2010


Die tolle Nachricht des Tages, A. und ich haben geerbt; völlig unerwartet und überraschend. A, die Kinder und Enkel hat und näher verwandt war, mehr und ich weniger. A. ein Haus und ich Bilder und Möbel. Ich habe beschlossen die Möbel zu behalten und freu mich nach den Elendsjahren wieder schöne alte Möbel um mich zu haben.
Mit meiner eigentlichen Erbtante hatte ich es mir als Studentin verscherzt, ich hatte es aber nie bereut, weil ich Besitz eher als Last denn als Schutz gesehen habe. Die Jahre hier waren eine ziemlich harte Lehre.

Abends schnell noch ein Eis mit dem Anwalt. Mit Geschichten übers Lugner-Katzi (hat sie nun im puff nur Fotos für die Webside des puffs von sich machen lassen oder hat sie auch dort gewerkt? der alte Lugner, ca.55 Jahre Altersunterschied zum Katzi Anastasia, ließ durch Anwälte dementieren, der Anwalt vom Club, kein einfaches Straßenpuff mit zwei Frauen, sondern ein Profi-Schuppen mit Anwalt, hat das Dementi gestützt. Wird den Lugner allessamt einiges gekostet haben) hat er mich zum Lachen gebracht und gesagt, Liesel, wie konntest du dort hinziehen, in dieser Straße steig ich nicht einmal aus dem Auto, da fährt man durch wie in der Bronx.

liebe Barbara1,
diese Katzi-Geschichte ist einfach das Elend russischer Frauen, die ja kein politisches Asyl bekommen, sondern sich nur irgendwie über einen Mann hier niederlassen können; den Anwalt hat die Argumentation der Dementis interessiert,
und ich wohne ja wie in "Minsk". Den alten Lugner (ein schamloser Medienclown) braucht man natürlich nicht zu kennen, aber in Wien kann man den news über ihn kaum ausweichen. Und zur Bronx: ganz interessant ist die Beschreibung in "The bonfire of the vanities" von Tom Wolfe.

Sonntag, 18. Juli 2010


Gestern war der 18.Life Ball, Bilder und Geschichten dazu hier.

liebe Barbara 1,
was wohl Keinmeyer zum Life Ball und den Gestalten dort sagen würde...in Wien geht halt nix ohne Ball, ich hab auch geglaubt dieser sei wirklich bereits weltberühmt...

Und die illustre Nachbarschaft, das anheimelnde Geduztwerden, wär doch auch in einem Zuschlag zur Richtwertmiete kapitalisierbar, nicht, in langweiligen besseren Gegenden hat man sowas doch nicht, auch die restlichen Bemühungen der Entourage: durchaus nicht üblich. Gegen wen ist er dann eigentlich unterlegen? Gegen den Neisser, der Neisser wohnt nah beim alten Molden-Haus, also dem Preradovic -Haus, gegenüber sind die Sarnitz. Und wer wohnt dir gegenüber? Ein Perser, Koch, Perser sind alle sehr nett und höflich, auch die einfachen Leute. Meidlinger sind halt keine Bürger, Hernalser auch nicht, aber die bayrische Kandidatin repräsentiert das sehr gut: von der facilitymanagerin zur Vizebürgermeisterin.

liebe Barbara2,
der Hausbesitzer war Clubführer der Konservativen im Parlament und wurde von Neisser der in Döbling (guter Bezirk) wohnt und Professor für Politikwissenschaft ist, in diesem Amt abgelöst. Die Familie Molden ist eine Verlegerfamilie und Paula von Preradovic (lesenswerter Roman "Pave und Pero") die Texterin der österr. Nationalhymne (von den Uribiern wissen wir wie wichtig das national anthem ist) außerdem Kroatin und die Mutter der Molden-Brüder. Das Haus ist ein wunderschönes altes Vorstadthaus und das der Familie Sarnitz auch. Da die Bürgerkinder nicht in die Politik gehen, sondern nur die Aufsteiger, haben die (schwachen) Wiener Christlichsozialen eine bayrische Zuagroaste (eine Alleinerzieherin, politisch völlig unerheblich, eine Parteikarriere halt) für die Wahl im Herbst nominiert. In politischen Funktionen kann man ohne Ausbildung lukrative Ämter ergattern...
und hier im Haus duzen die Hausmeisterdrachen jedermann (was in anständigen Häusern selbstverständlich nicht gebräuchlich ist)

Einladung bei den Freunden, eine andere Welt, die eigene Sprache nicht lediglich als restringierten Code sondern in ihren vielfältigen Möglichkeiten gesprochen zu hören bin ich schon fast nicht mehr gewohnt. "Vermieterpflichten" sagt der Juristenbruder der Hausfrau, und: für leichte Erreichbarkeit von Drogen und sexuellen Dienstleistungen hätten sie sich auch noch einen Lagezuschlag einfallen lassen können,
und dafür, daß man in dem schönen Haus Zivilfahndung und Drogenrazzia kennenlernt, auch noch einen.

Freitag, 16. Juli 2010




Noch einige Landschaften von Martirios Saryan.

Mittwoch, 14. Juli 2010



Martiros Saryan, Armenier, eine Entdeckung die Michel Gastkemper auf seiner Kaukasusreise gemacht hat! Danke!!!!

liebe Maurulam,
Dein Zettelkasten-Bildchen ist schön! Kennst Du das Schweizer Jura und die Romandie?
Bei dieser Hitze brauchen alle Topfpflanzen Wasser, aber es gibt sicher robustere Arten (Kakteen) - und Bewässerungssysteme (googeln)!
Und bei Mirthe heute eine wunderschöne rosa Wickenblüte mit Biene!

Montag, 12. Juli 2010


Die Hitze in der Stadt und unter den gegenwärtigen Wohnverhältnissen ist etwas das man umständlich managen muß, vor dem der Hund geschützt werden muß, und ich muß mir zwischendurch immer wieder bewußt machen welcher Zenith und welches Glück der Sommer doch ist und mich an die wenigen heißen Tage der Kindheits-und Jugendsommer erinnern, an denen ich mich in der größten Hitze (der Stunde des Pan) im Feld auf den Boden gelegt habe. Daß Menschen ihre Heimaterde lieben, kann ich durchaus verstehen. Das Beste an Wien ist auch die helle Weingartenerde, der Löß. Aber in der Stadt wabbern Fleisch und Ozon, es ist laut, stickig, Leute zerren ihre Hunde in der Hitze herum und entblößen erstaunlich große tatoos (während die piercings schon wieder im Abnehmen sind). Die Kopftuchfrauen in der Gruppe kollabieren, Kreislaufprobleme, Eisenmangel, Zöliakie und Diabetes sind bei ihnen endemisch und die ganze - sehr beliebte, denn wozu ist man schließlich hier, wenn nicht um an den Segnungen der Moderne, die in der Heimat so unerreichbar waren, teilzuhaben, und das gratis! - Arztrennerei bringt nur Frequenz in bestimmte Sorten Ordination und ihnen weder Aufklärung noch Besserung.

Sonntag, 11. Juli 2010




liebe Barbara2, danke für den Hinweis mit der Trockenheit bei meinen Lilienzwiebeln!
Heuer habe ich einen großen Tontopf besorgt, weil die großen Lilien zwar auch in kleinen Töpfen wachsen, sie aber gern zum Kippen bringen, und dann hatte ich nicht genug Erde (und nicht genug Zeit zusätzliche zu besorgen)um die Zwiebel zu bedecken,
auch deswegen wohl sind sie zu trocken. Bei einer Freundin, die Lilien im Blumenladen gekauft und nach dem Abblühen den Topf dann in die Rumpelkammer gestellt hatte, war die Lilie im nächsten Jahr, trotz sehr wenig Licht, wieder gewachsen. -
Heuer war die Rosenblüte überall außerordentlich üppig. Hier im Bezirk gibts keine Rosen und schon deswegen bin ich froh wenn wir raus und in schönere Gefilde kommen.
Am Nordfenster gedeiht leider kein Rosenstock, also betrachte ich Syberbergs Rosen-und Schwalbenbilder. - Für diejenigen, die sich für Alma Mahler interessieren, es gibt einen autobiographischen Band, Briefe und mehrere Biographien und eine sehr schön bebilderte Seite im net über sie. - Die Österreichische Gesellschaft für Ganzheitsmedizin ( die sehr anthrofreundlich ist) veranstaltet im Herbst einen Kongreß über "Licht-Farbe-Gesundheit".- Wer bei Mirthe gesehen hat wie sich die Fliege putzt, wird keine klebrigen Fliegenfänger aufhängen und keine mehr gedankenlos erschlagen!

Samstag, 10. Juli 2010


Wenn die Eltern "zivilisiert" und "kultiviert" im Munde führten, hatten wir keine Ahnung welche Erfahrungen des Gegenteils sie durch den Krieg bereits mitgemacht haben mußten, wir klappten die Ohren zu, schließlich lebten wir in zivilisierter und kultivierter Umgebung, wir kannten das Leben städtischer Unterschichten und die Taktiken derjenigen, die von ihnen profitieren nicht.

Früh am Morgen, es waren kaum Leute unterwegs, stieg die Frau in dieses vom Stadtgartenamt frisch arrangierte Beet und pflückte sich einen Riesenstrauß. Der Mann mit dem Einkaufswagerl wartete und maulte ein wenig, weil er warten mußte. Aber beide agierten mit der allergrößten Selbstverständlichkeit, ohne Befangenheit sich am öffentlichen Allgemeingut bedienend. In dieser Gegend hätten sie auch bei mehr Passanten auf der Straße kaum schiefe Blicke oder Einspruch zu erwarten gehabt, das gehört eben zur verwahrlosten Gegend dazu.

Sie war unehelich geboren, eine Kriegsliebe, wahrscheinlich war der Vater gefallen bevor geheiratet werden konnte. Aber die Mutter fand einen Mann, einen Akademiker, der das mitgebrachte Kind anerkannte und bekam weitere Kinder.Sie lebten in einer großen Wohnung, von der Leute in der Umgebung sagten sie sei arisiert worden, vor dem Krieg habe da ein jüdischer Kinderarzt Wohnung und Ordination gehabt; er kam nie zurück. Tatsache ist, daß das Haus einer jüdischen Erbengemeinschaft in den USA gehörte und die Hausverwaltung deswegen unbeeinsprucht schalten und walten konnte. Sie machte irgendeine Matura, war ein Jahr au pair im Ausland und hatte damit das erreicht was so nach dem Krieg als höhere Töchtererziehung gelten konnte, heutzutage muß man dafür schon einen Studienabschluß haben. Sie sah nett aus und heiratete gut, einen bekannten Namen, den ich von alten Jagdeinladungen kannte. Es kamen mehrere Kinder, sie nahm Reitstunden, spielte Tennis und musizierte mit den Kindern. Ihre jüngere Schwester war nicht so selbstbewußt und heiratete nicht so gut. Dieses Muster von der starken erfolgreichen und der schwächeren Schwester gibt es ja sehr oft. Die Ehe indes hielt nicht; sie behielt aber den hübschen Namen und zog mit ihren Kindern in die Wohnung ihrer Eltern zurück. Ein Arzt heiratete sie zwar nicht, aber sie entdeckte die Welt der kindlichen Behinderungen, der verzweifelten Eltern, der verschiedenen Therapieansätze und eine therapeutische Richtung in Ungarn. Sie hatte keinerlei physiotherapeutische oder anderweitige medizinische Ausbildung, aber Unternehmungssinn, fuhr nach Ungarn in die Klinik des alten Professors um seine Methode (im Wesentlichen induzierte Bewegung, die Nervenbahnen reaktivieren kann) zu erlernen. Die Ungarn haben eine große medizinische Tradition,was bei uns nicht bekannt ist. Zu Hause begann sie dann zu behandeln, hatte Erfolge und organisierte geschickt einen Vertrauensarzt und Kontakte zu Subventionsgebern, verzweifelten Müttern behinderter Kinder bot sie eine starke Schulter, verlor aber nie den Nutzen solcher Kontakte für ihr wachsendes Unternehmen aus den Augen. Dem ungarischen Professor engagierte sie die ausgebildeten und erfahrenen Physiotherapeutinnen ab, auch wenn sie viel weniger zahlte als Physiotherapeutinnen bei uns verdienen, zahlte sie doch mehr als die in Ungarn verdienen konnten und vermietete ihnen die elterliche Wohnung zimmerchenweise. Selbst war sie inzwischen aufs Land gezogen, es gab Therapiepferde und ein eigenes Reitpferd für sie selbst, idealistische Praktikantinnen und Leute die dumm genug waren so einen Unsinn wie Pädagogik zu studieren und keine Arbeit fanden bildeten das inländische Personal des wachsenden Unternehmens. Schlüsselstellen, wie die Buchhaltung und Projektleitung wurden mit den eigenen Kindern und nahen Verwandten besetzt. Mit einem Nichts an Ausbildung aber mit Unternehmungssinn hatte sie den Kindern eine Institution zum Vererben geschaffen.

Donnerstag, 8. Juli 2010


Gauck und Syberberg

Nur 51 Jahre hatte Mahler, für so viel Arbeit, Reisen, Konflikte und Werke.

Auf You Tube finden sich zwei sehr schöne Werkbeispiele (in die Suchmaske eingeben):
Gustav Mahler,Sinfonia Nr.5-Adagietto-Claudio Abbado und
Gustav Mahler-Ich bin der Welt abhanden gekommen (Rückert)- Fischer Diskau
Viele Grüße, Barbara 1

Mittwoch, 7. Juli 2010




Mahlers 150. Geburtstag. Alma zeigt ihre Trophäen.

Sie hatte es auch nicht leicht, sie gehört ja noch zu der Generation von Frauen, die trotz offensichtlicher Begabung keine reguläre Schulbildung erhielten und auch ihr eigenes musikalisches Talent durfte sie nicht ausleben: Gustav Mahler verbot seiner Frau das Komponieren. Da wird man dann eben exzentrisch.
Barbara 1

die Lilien lassen sich Zeit

Dienstag, 6. Juli 2010


Wien war in den Zwanzigerjahren die einzige rot verwaltete Großstadt Europas;
hier noch Bilder aus einer Austellung über den sozialen Wohnbau dieser Zeit. Bis jetzt hat Wien eine sozialdemokratische Mehrheit, die Bürgerkinder wählen grün und die schwarzen Kandidaten werden immer unbedeutender.

Montag, 5. Juli 2010


So große Hitze kannte ich früher nur von Reisen in den Süden, die oft nach Italien führten, auch nach Siena, einer wunderschönen mittelalterlichen Stadt, mit einer Piazza wie die Schale einer Jakobsmuschel. Auf dieser piazza findet jedes Jahr im Juli Il Palio, ein Pferderennen statt, bei dem die verschiedenen Teile der Stadt, in denen die verschiedenen Zünfte sich niedergelassen hatten, gegeneinander antreten. Es gibt bunte mittelalterliche Kleider und Fahnen zu sehen und schöne Seidentücher mit den Zunftwappen zu kaufen. Aus den Fenstern der palazzi an der piazza hängen purpurne Brokattücher mit Goldborten, der Dom von Siena ist ganz besonders schön. Das Pferderennen selbst ist sehr gefährlich und eine große Pferdescinderei weil auf das Kopfsteinpflaster der piazza nur eine Lage Sand kommt, die schnell durchgetreten ist, die Rutsch-und Verletzungsgefahr ist enorm. So haben die Menschen mit tierischen Kräften nicht nur ihren Alltag besser bewältigt sondern auch ihr Selbstgefühl gestärkt und gefeiert.

Zum Palio in Siena gibt´s auch eine schöne Wikipedia Seite:
http://de.wikipedia.org/wiki/Palio_di_Siena
und vor allem einen ganz skurilen Krimi von Carlo Fruttero & Franco Lucantini: "Der Palio der toten Reiter"
Bei Amazon zu haben, vielleicht was für den Sommerurlaub?
Barbara 1

Samstag, 3. Juli 2010




"Nennen wir es Kultur, dieses Gewebe, aus dem wir kommen, hineingeboren und schaffend, wehe, wenn das kippt, reisst. Auch, zu wissen, was gut ist und schlecht, was man tut und was nicht." Hans-Jürgen Syberberg

Koks, die Aufsteigerdroge, und Alkohol. Zumeist kanns der Papa ja wieder richten und der Sohn kriegt einen CVer Job, beim ORF oder in einer Vorfeldorganisation.

Freitag, 2. Juli 2010


Fotos aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan hier.

Donnerstag, 1. Juli 2010


Die Geschichte von Arigona, dem 17jährigen Schulmädel,deren Eltern aus dem Kosovo kamen,hofften eingebürgert zu werden, und die nun, trotz Arbeit,Integration und Unterstützung durch die Leute im Ort nach 9 Jahren wieder abgeschoben werden, die Familie (Brüder und Vater mußten zuerst weg,nun Arigona und die Mutter)wurde zerrissen und aufgerieben, - diese Geschichte ist auch in die deutschen Medien gekommen. Heute gibt es eine große Unterstützer-Demo für Arigona und wär es nicht so heiß und ich nicht so müde von sehr viel Arbeit, wär ich auch hingegangen. Quasi Gegnerin Arigonas ist die schwarze Innenministerin, Maria Fekter, genannt Schottermizzi. Fekter kommt aus einem typischen VP-Milieu, eine ländliche Schottergrubenbesitzerfamile, da wird jeder Cent umgedreht und so wenig wie möglich gezahlt. Sie hat zwar studiert, war bei den Englischen Fräulein im katholischen Internat, aber das ist dünner kultureller Firnis, sie hat die Härte derjenigen die noch in der primären Akkumulation stecken. Leitl, der (natürlich auch schwarze) Wirtschaftskammerpräsident, kommt aus dem gleichen Bundesland, schon zwei Generationen weiter in der Akkumulation, Ziegelwerk, geboren und aufgewachsen im Schloß und ich erinnere mich an seine schöne Mutter, sie hatte 7 Kinder, die seidene Prachtdirndl mit erstaunlich großem Ausschnitt trug. Kiesgrubenbesitzer, und Großfleischhauer, die oft Jagdpächter und miserable Jäger sind gehören überhaupt zu den Erzfeinden der Försterliesel und werden gnadenlos abgesnobbt.