Freitag, 30. Dezember 2011


Klimt für Barbara 2 (Barbara Flöge, die Mutter der Schwestern Flöge)

Donnerstag, 29. Dezember 2011


Erhalt der sozialen Kohärenz ist das Allerwichtigste sagt der B und nippt an seinem bitteren Cistrosentee. Jaja sag ich, noch einen Elisenlebkuchen? Und die marginalen Ökonomien, die kriminellen Dienstleistungen? Die kriminelle Dienstleistung garantiert gegen Bezahlung die sichere Durchführung illegaler Geschäfte und Transaktionen, die von den staatlichen Agenturen eben nicht geschützt werden. - Draußen steigen schon die ersten Chrysanthemen in rot und grün hoch, die langen Weihnachtsferien, ohne eigene Feste, ohne Wintersport, ohne die zu Weihnachten bekommenen Bücher mit heißen Ohren zu verschlingen, ohne überhaupt aus dem Grätzl rauszukommen sind für die Jugendlichen hier sehr, sehr fad, Kracher und Feuerwerk daher besonders interessant.

Mittwoch, 28. Dezember 2011


Ein Desiderat, denn die spontanen Gemeinsamkeiten sind leider selten, das Konfliktpotential erheblich und die Gutwilligen und Bemühten leider auch stets eine Minderheit. Und nun hat sich der Bürgermeister nach dem Gemeindebau das klassische Kleinbürgertum (das von sich selber natürlich immer als Mittelschicht spricht und klugerweise auch euphemistisch so adressiert wird) vorgenommen. Das ist vernünftig, denn aus dem Kleinbürgertum kommen stets die Organisatoren und master minds des Mobs, im Politischen wie auch sonst.

Dienstag, 27. Dezember 2011


Ob wohl noch einer der vielen Bewohner des großen Bebel-Hofes Bebels "Die Frau und der Sozialismus" kennt?

Hier war also einmal eine Apotheke, die Schubert- Apotheke. In Meidling wurden sechs Apotheken arisiert, fünf davon hier in der Nähe, lediglich die Maria Lourdes Apotheke liegt näher westlich nahe Schönbrunn. Die Inhaber der nahegelegenen Apotheke am Fuchsenfeld wurden im Vernichtungslager Maly Trostinec umgebracht. Warum eigentlich erinnert keine Tafel an sie?

Montag, 26. Dezember 2011


Als ich einzog und die sagenhaft desolate (von Freunden sofort vorsorglich dokumentierte, danke Ihr vorausblickenden Lieben!) Küche vom Müll freiräumte und zu putzen begann, stellte sich heraus, daß das Backrohr gar nicht mehr funktionierte, nur noch zwei der drei Flammen oben, sodaß ich hier wenigstens kochen und Wasser wärmen kann. "Guat gnua" feixt der B. und hält sich eine weihnachtliche Serviette vors Gesicht. "Sans dankboar, sans dankboar" ergänze ich das Zitat.
Wir essen Sauerkrautsuppe mit Kartoffeln und Bulgur, die kann man auch auf so einem Herd kochen und wir lesen die Taunusgeschichte, den B amusieren die Bewegungsmelder (ab 8 Euro im Baumarkt), was für ein Distinktionsschnäppchen.
Und geht dann wenigstens das Licht an ? fragt der freche Jungjurist. Im Taunus schon, sagt der B.
Später dann sehen wir uns die Geschichte der arisierten Apotheken in der Gegend an,
sogar in der Gierstergasse 5 gab es einmal eine Apotheke, die ebenfalls arisiert und 1948 restituiert wurde.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Freitag, 9. Dezember 2011


Nachdem ich beim Aldi das Unumgängliche gekauft, "Landhauskerzen mit Mehrfachdocht" sofort verworfen und die suspekten echten-Aldi-Bienenwachskerzlein und den blassen Weihnachtsstern nach etwas Beschnüffeln und Überlegen ebenfalls, zieh ich meinen Einkaufswagen heim, vorm Haus pinkelt ein junger Mann auf die Straße, daran muß man sich hier halt gewöhnen, mache meinem Gast, der die EDV checkt, das macht er regelmäßig, es gibt eben Umgebungen da wird nicht bloß öffentlich gepinkelt und Post gestohlen, sondern auch gezielt gespammt, - also ich mach uns Tee und mein Gast meint, das von der Herbergssuche, das mußt noch bloggen. Unbedingt. Na gut.
"Es begab sich" undsoweiter und die beiden machen sich auf zur Minderheitenerhebung, die Straßen sind voll, die Herbergen ebenfalls und die beiden haben kein Geld, denn mit Geld geht immer was. Überall werden sie abgewiesen, obwohl Maria sichtlich vor der Niederkunft steht und bis heute, zweitausend Jahre lang, wird rund um die Welt das Evangelium von den herzlosen Immobilienbesitzern , die Josef und Maria und dem Jesuskind kein Quartier gaben, vorgelesen. Also: das müßte doch nicht sein, diese ewige schlechte Nachrede, hätten die nur etwas mehr Immoverstand gehabt. Denn irgendwas findet sich immer, nicht unbedingt eine menschenwürdige Unterkunft, das muß ja auch nicht sein, nicht wahr. Irgendein verwertbares Loch halt, das findet sich immer. Und dann fragt man scheinheilig: no, was könnens denn zahlen? Und das verlangt man dann, plus 15 Prozent, denn a bissl was mehr geht immer. Aber dazu waren die damals halt noch zu blöd und jetzt habens die schlechte Nachred und Ochs und Esel die gute.

Donnerstag, 1. Dezember 2011


Jetzt ist aber Schluß, sagt der B. Ja, sag ich, jetzt ist hier Schluß.

Du bloggst ja noch immer, sagt der B. Gewohnheit, irgendwie, sag ich. Der Rodin ist wirklich besonders sagt er dann, aber ich weiß du hast das Bild wegen des Holzes genommen, stimmt, sag ich, heute, fuhr ich mit der gläsernen Kabine im U-Bahnhof, nach oben, an den verglasten Kabinenschacht grenzt der ebenfals verglaste Warteraum, er war voller Obdachloser, einer war von der Bank gerutscht und ich konnte im langsamen Aufwärtsfahren sein zyanotisches Gesicht sehen. Als ich auf der Heimfahrt wieder vorbeikam, saßen andere Obdachlose im Warteraum, die Bank unter der er gestorben war, war dicht besetzt. Die seitliche Tür des kleinen Bahnhofsgebäudes, die hatten sie nachts wohl aufgebrochen um in den Warteraum zu können, wurde gerade wieder repariert. Dabei ist es noch gar nicht wirklich kalt.

Wir trinken Tee, essen Butterbrot mit Honig und lesen. Naja, das hat der Guru auch schon gesagt, eine Intrige, DSK wurde hereingelegt, es geht um den Euro, Amerika macht mit. Wir haben den Guru nicht konsultiert, wir machen das nie, was mitunter auch zu leichten Verstimmungen mit unserer Freundin führt, die uns dringend nahelegt, ihn doch zu konsultieren. Wir aber, durchaus geneigt zu glauben daß der Guru über extensivere Wahrnehmungsmöglichkeiten als wir selbst verfügt und gar nicht ablehnend gegen traditionelle Divinationsmethoden, also wir konsultieren ihn nicht. Denn wir halten gar nix von transkulturellem methodenintegrativem Beraten, wir halten das für esoterischen Kitsch. Wir halten auch sonst so manches für esoterischen Kitsch und einiges davon für schlichten Betrug an Kranken, Verzeifelten und Ratsuchenden. Aber immerhin: das hat der Guru auch schon gesagt. Das Sparbuch, das verlegte Frankensparbuch, nach dem er eigentlich gefragt wurde, nicht von uns und es ist auch nicht unser Frankensparbuch, leider, das hat er nicht gefunden.

Und warum hast du dann aufgehört mit dem Verteilen der 2-Euro-Münzen? frag ich ihn, nachdem ich mir in der Kärntnerstraße rasch gekauft habe, was ich schon fast ein halbes Jahrhundert lang kaufe, nichts Teures, aber doch etwas Spezielles und ich muß es alle paar Jahre erneuern, so lange hält es nämlich. Diesmal war ich die Einzige die mit der Verkäuferin Deutsch sprach, die anderen sprachen ihre Muttersprache, kauften erheblich mehr und ich mußte warten um endlich bezahlen zu dürfen; Protest in Deutsch und noch ein paar Sprachen wurde ignoriert. Ich schwor mir, mir das Ding in Hinkunft aus München mitbringen zu lassen. Also, die 400 Euro die ich pro Monat verteilt hatte waren es nicht wirklich, sagt der Freund. Es war etwas anderes, schau, sagt er und öffnet die Tür eines Lokals in dem wir früher öfters waren. Es ist gesteckt voll, alle Frauen blond, sehr viel Pelz, Handygeschnatter, Sekt am Nachmittag, die gewissen Handtaschen, aber auch Männer die offenbar am handy arbeiten. Na gut, sag ich, aber die sind doch nicht alle reich, vor allem die jungen Frauen sind doch bloß Entourage, Partygirls, Glücksjägerinnen, besitzen doch kaum mehr als ein paar Fetzen und die Statusbag. Vor diesem Lokal steht übrigens kein Bettler, obwohl drinnen die alle einigende Sprache gesprochen wird.

In der Innenstadt, ich gehe nur ein kleines Stück vom Ring ins Zentrum, sprechen mich 4 Leute um Almosen an. Drei davon Frauen, alle warm und nett gekleidet, denn es gibt in einer wohlhabenden Gesellschaft genug Kleiderspenden. Sie verkaufen nicht die Wiener Obdachosenzeitung, sondern halten einem ein buntes Magazin in Plastikhülle entgegen und sie sprechen jeden, den sie nicht immer wieder an sich vorbeigehen sehen, jeden neuen Passanten also, an. Das ist in der ganzen Innenstadt so, sagen die Freunde. In den anderen wohlhabenden Bezirken stehen die gleichen Leute vor den Lebensmittelgeschäften, also vor jenen, mit der Gourmetabteilung. Letzthin habe ich aber so jemanden auch schon vorm Aldi hier in der Vorstadt gesehen. Die Standorte sind penibel aufgeteilt, in der U-Bahn, in der Stadtbahn, die mit den Kleinkindern, an den gewohnten Plätzen, die mit der Wiener Obdachlosenzeitung und der offiziellen Zulassung zu derem Verkauf. Ich würde aber nicht von organisierter Bettelei sprechen, sondern einfach vom Nutzen von Erfahrungswerten, von allmählich erfolgter Aufteilung der Stadtreviere. Wie reagiert Ihr? frag ich die Freunde. Wir kaufen regelmäßig die Obdachlosenzeitung und geben denen mit den Kindern manchmal etwas zu essen, die anderen ignorieren wir. Ein Freund hat 2- Euro-Münzen in der Manteltasche, die er verteilt. Von der Wohnung ins sehr nahe gelegene Büro verteilte er täglich 20 Euro, inzwischen hat er damit aber wieder aufgehört.

Freitag, 25. November 2011


(um die Winkekatzen deutlich zu sehen, bitte Bild anklicken!)

Aber es gibt auch Lichtblicke, zum Beispiel die türkisch-österreichische Familie, die sich - mit Verständnis und Herzenswärme - zu einer Art informellem Jugendzentrum entwickelt hat. Und jene Frauen, die bisher den "Meidlinger Frauenpreis", den die Bezirksgrünen gestiftet haben, verliehen bekamen.

Mittwoch, 16. November 2011


Draußen grölen wieder irgendwelche bedauenswerten Betrunkenen, das hört man hier fast jeden Abend. Drinnen hören wir Musik, trinken Tee, essen hausgebackenes Kletzenbrot, das die Freunde mitgebracht haben, und verabschieden uns nun von den treuen, geduldigen Lesern. Wie sich die Vorstadt hier weiter entwickeln wird? Nun, Gentrifizierung droht dieser Ecke "mit Parkblick" wohl noch lange, lange nicht.

Der Morgen graut, wir flüstern immer noch, es geht weiter mit historischen Themen,
die bedeutende Rolle französischer Historiker bei den Publikationen über den Stalinismus, die Rolle der französischen Nachkriegs-KP die mitveranlaßte, russische Migranten der 20er Jahre, denen es nicht gelungen war in die USA weiterzuziehen, in die UdSSR abzuschieben. Dann wendet sich die Konversation ins - nicht blogbare - Kriminalsoziologische und zuletzt erzählt mir mein Gast von einem , ähem, eiligen, attempt to gentrification: als er kam, hat er gesehen, daß am Eingang der Verputz ausgebessert wird. Dann reden wir noch ein wenig über wittgenstein´sche Glühbirnen, trinken Kaffee und essen den Kuchen, den mein Gast mitgebracht hat, selbstverständlich bekommt auch der Hund davon.

Der nächtliche "Parkblick". Wir blicken in den Nebel und erörtern flüsternd "Kollaboration" und "Dissidenz". Beide haben wir tatsächliche Dissidenten getroffen und gesprochen, schon sehr früh, und wir sind wenig beeindruckbar durch die "heimlichen Dissidenten" die wir gegenwärtig allerorts antreffen. Das ganze, im Grunde herzensgute Volk sei im Herzen dissident gewesen, ist eine Version, die eigene Famile sei kryptisch-kulturell dissident gewesen, die Oma habe nämlich heimlich gebetet, die andere, der Papa sei an der Lüge gestorben, und nicht an der für alle außer die Spitzen der Nomenklatura schlechten medizinischen Versorgung, wird von Leuten die hier eine Starthilfe im esoterischen Milieu angepeilt haben, erzählt und alle loben das eigene Schulsystem, die Basis ihres reaktiven Überlegenheitsgefühls mit dem sie die Kränkungen des Westens abwehren. Na gut, familiärer und nationaler Narzißmus sind Stützen, ohne die viele Subjekte einbrächen, wir widersprechen in solchen Fällen niemals und konfrontieren die Leute nie mit Millionenzahlen an Opfern, das wäre sinnlos, denn den Hitler bekommen wir bereits serviert, wenn die Leute wissen, daß wir im Ausland studiert haben, was ihnen nicht möglich war, aber sie können uns jetzt versichern daß die Leute im Ausland uns nicht gemocht haben können, wegen Hitler, während ihr Land im 2.WK etc etc. Wir hören uns auch das an, es hat keinen Sinn diese Leute mit der Realität, soweit sie bereits erforscht und bekannt ist, zu konfrontieren, das würde nur narzißtische Wut und Rachewünsche generieren, das energetische Unterfutter destruktiver politischer Unterströme. Es gab auch Länder ohne Dissidenz, mit einer zu kleinen bürgerlichen Tradition und für die Intelligenz zu offensichtlichen Vorteilen. Wenn man gegenüber Menschen aus solchen Ländern hier einen anderen aus ebendiesem Lande erwähnt, wird immer, wirklich immer, zuerst gefragt "wann ist er hierhergekommen", denn jener der früher kam, könnte Häßliches offenbaren über jenen der später kam.

Dienstag, 15. November 2011


Die Granatäpfel kosten beim Aldi 0,99 das Stück, mehr als das, oder eine Tasse Tee oder einen Teller Suppe kann man unter diesen Wohnbedingungen Gästen nicht offerieren. Ich weiß, wie Granatäpfel in der Türkei verarbeitet werden (zum Beispiel in der süßen Siebenerlei-Speise zum Aschurafest) aber ich weiß eigentlich nicht, was man in der Türkei mit Quitten macht (außer ziemlich festem Gelee für Konfekt, das auch meine Tante mit ihrer Kärnter Haushälterin gemeinsam in großen Mengen machte, die festen Würfel wurden dann in Staubzucker oder Cacoa gerollt und abwechselnd mit Makronen angerichtet zum türkischen Mokka gereicht). Granatäpfel kannten wir als Kinder nur aus der Bilderbibel, zum Nikolaus allerdings gab es Johannisbrot (das wir liebten) und Khakis. Zitrusfrüchte mochten wir nicht so gerne, weil Mami heißen Zitronentee für ein Allheilmittel hielt und uns bei jeder Unpäßlichkeit damit traktierte. Für Erwachsene gab es als Spezialmedizin starken schwarzen Kaffee mit Zitronensaft, so grauslich, daß jede Migräne sofort reißaus nimmt. Später erst lernten wir die Khakialleen kennen, Verwandte der theresianischen Kirschalleen, zu Zeiten, als die italienische Provinz noch nicht durchrenoviert aber auch noch nicht wieder verfallen war wie heute. Aber dennoch, auch wenn wir ferne Lande kennenlernten und unsere Kinder noch viel mehr und weiter reisen, als wir es konnten, Italien bleibt unser Elysium, seit den Zeiten der grand tour und andre Gegenden eignen sich auch heute noch nur für Verbannungen, beklagt von Ovid bis Rakoczi, sagt mein Gast.

"Mit uns geht die Neue Zeit" hieß die erste Ausstellung über die Kultur - und Basisbewegungen der Wiener Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit. Nun hat die Wiener Sozialdemokratie den nächsten Ansturm von Armut zu bewältigen, aber ohne Basisorganisationen wie das die Jugend, -Sport, - Spiel, - Frauen -, Gesundheits, Antialkoholiker, - Volksbildungs,- und Wandergruppen einst waren. Nur noch der ARBÖ,
die Arbeiterfischer und die letzten noch lebenden Spanienkämpfer (die hier im Bezirk anrührende Plakate im Parteilokal und im Schaukasten am Markt der Bezirks aushängen). Auf diesem Markt gibt es ein Carree von 4 Schaukasten: Rote, Schwarze, Grüne und die KP; wir dachten eigentlich, hier gäbe es überhaupt nur die türkische KP
(die sich in der Migration reorganisiert), aber es ist eine traditionell arme Gegend und gewisse traditionelle politische Strukturen haben augenscheinlich überlebt.

Montag, 14. November 2011


Das Grundstück soll inzwischen verkauft sein (ich habe das alte Vorstadthaus, das darauf stand, ja nur noch als mitunter von Obdachlosen genutzte Ruine, die dann schließlich niederbrante, erlebt ) und der Baubeginn feststehen, die Gebäudehöhe ist durch den Ensembleschutz festgelegt. Teurere sanierte Wohnungen in der Gegend gehen nicht gut, man möcte schließlich ein nettes Umfeld und die Bewohner der neuen Genossenschaftsbauten (für Neubauten in der Stadt stehen schließlich keine anderen Flächen zur Verfügung) tendieren nach ersten Kollisionen mit dem Umfeld zur Umzäunung ihres Baues, wo das eben möglich ist. Angesichts dieser Erfahrungen (stadtnaher Neubau nur in kritischen Gegenden, Ruhe-und Sicherheitsbedürfnis und Seclusion) werden die Häuser schon zum Innenhof ausgerichtet geplant.

Der robuste kleine Gingko entlaubt sich als einer der letzten. - Unterwegs treffen wir ein paar ältere griechische Frauen, die jetzt bei uns auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten, sie sind zum ersten Mal in Wien und haben sich in einer kleinen Pension vor der Stadt eingemietet. Es ist die Sorte Pension, die von der Behörde gern für Asylanten angemietet wird, was für investitionsschwache Gastronomie durchaus lukrativ ist. - Wir machen eine kleine Rundfrage im Freundeskreis mit dem Ergebnis, daß viele für eine Differenzierung der Eurozone sind. Aber was würde das für Wien bedeuten? Noch intensiveren Zuzug und Druck auf den Arbeitsmarkt aus verelendeten EU-Zonen? Was der reguläre Arbeitsmarkt nicht absorbieren kann, diffundiert dann in Schwarzarbeit, Prostitution und verwandte Gewerbe. Aber alle brauchen ein Dach überm Kopf, irgendein Dach; hightimes ahead for slumlords, sagt der B.

Sonntag, 13. November 2011


In den Hausbriefkästen (in jenen Häusern, in denen die Post nicht gestohlen wird) liegen in der Vorweihnachtszeit nun all die Bittbriefe und Spendenaufrufe mit den Erlagscheinen. Auch für Hilfsprojekte für Straßenkinder in den neuen EU-Mitgliedsländern. Das kleine Postamt in der Nähe wird bald geschlossen, es bleiben nur noch jeweils die Hauptpostämter in den Bezirken erhalten. Überall werden dagegen Unterschriften gesammelt, hier kamen immerhin auch 2000 Unterschriften zusammen. Das kleine Postamt in der Nähe wurde bereits mehrmals überfallen, das letzte Mal in der vergangenen Woche. Wenn die Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen zunehmend aus den Vorstadtgassen verschwinden, verödet die Umgebung, soziale Kontrolle und das Bemühen, die Umgebung sauber, nett und lebenswert zu erhalten, sinken, und damit auch die Sicherheit.

Freitag, 11. November 2011


Auch in Wien gibt es die von kriminellen Banden zum Stehlen gezwungenen Kinder.


Die zähen Ruderalpflanzen der kleinen Stadtbrache am Kirchplatzl.

Donnerstag, 10. November 2011


Heute wurde ein Denkmal für den lange Zeit völlig aus der Stadtgeschichte verdrängten Turnertempel enthüllt. Der Bezirk auf der nördlichen Seite des Wienflusses glich und gleicht der Gegend hier: ehemals Gewerbebetriebe, nun überwiegend migrantisch besiedelt.

Mittwoch, 9. November 2011


Die Gebietsbetreuung Meidling und jene der anderen ans Wiental angrenzenden Bezirke haben Ideen und Vorschläge für eine Sanierung und Belebung des Wientals.

Die Gurdwara, der Tempel der Sikh-Gemeinde, ist nun hierher übersiedelt. Willkommen!

Dienstag, 8. November 2011

Montag, 7. November 2011


Er war Wissenschaftler und hatte eine Stelle an einer unserer Unis bekommen und - vielleicht weil sein Name sehr exotisch klang - vermittelte die Immoagentur ihm eine Wohnung in einer tristen Gegend, in einem Haus dessen Treppenhaus völlig schwarz verkohlt war. Die Mistkübel standen dort nicht im Hof, es gab wohl keinen, und waren von irgendwem angezündet worden oder hatten sich selbst entzündet, das war schon vor mehr als einem einem Jahr gewesen, das verrußte Treppenhaus sah aus wie in einem Kriegsfilm. Aber die Wohnung immerhin war frisch renoviert, hatte eine neue Gasetagenheizung und eine in der Küche eingemauerte Dusche, war also streng genommen keine Kategorie A, wurde aber selbstverständlich als Kategorie A vermietet. Die Nachbarin war die letzte verbliebene Altmieterin, 84, Diabetikerin mit Beinleiden, tschechischstämmige Wienerin und obwohl sie kein Englisch und er und seine Frau noch kaum Deutsch konnten, hatten sie sich ein wenig angefreundet, denn sie war ein freundlicher Mensch und die beiden kamen aus einem Land in dem alte Menschen noch mehr Achtung genießen als bei uns. Die alte Frau ging sehr mühsam bis in den vierten Stock, in dem beider Wohnungen lagen, geholfen wurde ihr von den anderen Nachbarinnen nur gegen Geld. Sie hatte ihren Schrebergarten aufgeben müssen, weil ihr alles viel zu viel geworden war und für das Schrebergartenhäuschen hatte sie etwas Geld erhalten, die Verhandlungen darüber hatte sie mit der lauten Stimme der schon etwas Schwerhörigen am Telefon geführt, es war im Sommer und die ins Stiegenhaus führenden Küchen -und Vorzimmerfenster waren um Durchzug zu schaffen immer offen gewesen - man wußte also, die Alte hat a bissl Geld. Einbrechen war ja leicht, eine vergitterte Glastüre für einen Profi keine Affaire. Das Geld war weg und die anderen, wenigen, Wertgegenstände auch. Die Polizei kam, forschte auch ein bißchen im Haus herum, entdeckte in einem der unteren Stockwerke so nebenbei ein Matratzenlager für 15 Personen, ihre Goldmünzen und das Geld für das Schrebergartenhäuschen bekam sie leider nicht wieder. Aber - das scheint eine verbreitete Rachemethode zu sein und der B. meint ich hätte Glück daß über mir nicht der Dachboden, sondern eine - im übrigen sehr liebenswürdige - Altmieterin sei - auch über ihrer Wohnung wurde das Dach abgedeckt, es tropfte in ihrem Wohnraum von der Decke und die alten Stromleitungen waren auch betroffen, es wurde in diesem Jahr früh Herbst und sie heizte doch mit Strom. Die Hausverwaltung ließ sich mit Instandsetzung Zeit, das schwarzverrußte Stiegenhaus sprach ohnehin für sich. Außerdem wurde die alte Frau im Stiegenhaus bedroht. Unser Wissenschaftlerpaar hatte (von den Kollegen an der Uni unterstützt) inzwischen eine nette kleine Wohnung in Uni-Nähe gefunden und die alte Frau hätte dann überhaupt keine Unterstützung mehr im Haus gehabt, das übliche Schicksal alter Frauen in solchen Häusern. Sie hatte sich schon vor Jahren im Altersheim angemeldet und nun die Nachricht bekommen, daß jetzt ein Zimmer frei sei und sie sich recht bald entscheiden müsse. Ihre Besitztümer auf das zu reduzieren was sie ins Heim mitnehmen konnte war sehr schwierig für sie und sie hatte auch nur eine kurze Frist für diese Entscheidungen. Aber, so sehr auch Autonomie gegenüber sauber-satt-warm-sicher-Versorgungen zu bevorzugen ist: die nächste Bedrohung mit Anremepelei (und angesichts ihres Alters und Zustandes gefährlichem Sturz) auf der Stiege, selbstverständlich ohne Zeugen, nicht wahr, und hätte sie den Rempler gegenüber der Polizei identifizieren können, hätte sie das weiter gefährdet, so ist das halt in sublegalen Rachekulturen (die sich aber durchaus mit Verwerterinteressen vertragen können)- ja,um den langen Satz zu Ende zu bringen: Autonomie setzt Kraft und ein geeignetes Umfeld voraus.
"Kommen noch mehr Gschichten zur quasi naturläufigen sozialen Segretationsdynamik", fragt der B. "Mal sehen", sag ich.


Zwei große BUWOG-Bauprojekte in der Gegend sind sehr rasch hochgezogen worden und ersetzen baufällige kleine Vorstadthäuser. Die, zahlreichen, Bewohner dieser Bauten werden mittelschichtiger sein, aber den Bezirk kaum beeinflussen. Sie werden mehrheitlich berufstätig sein und mit dem Auto aus der Tiefgarage fahren, oder zu Fuß eilig zur U-Bahn streben und abends ein paar Einkäufe bei den Lebensmittelketten erledigen. Ihre anderen Einkäufe werden sie in der Stadt oder in großen outlet-centern tätigen, sie werden wenige Kinder haben und diese Kinder werden zumeist Schulen außerhalb des Bezirks besuchen und die umliegenden Parks nicht frequentieren. An ihrem neuen Wohnort werden sie die gute Infrastruktur mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und die gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die relative Zentrumsnähe schätzen, für den Rest werden sie sich nur interessieren falls sie kleine Kinder haben, die Kindergärten und Volksschulen besuchen, dort nämlich werden sie nachdrücklich mit anderen Lebenswelten konfrontiert werden.

Freitag, 4. November 2011


Hier fehlt ein Ort für Jugendliche, etwas wo man, ohne Geld ausgeben zu müssen, seine Freunde treffen und mit ihnen gemeinsam was machen kann und wo auch jemand da ist mit dem man über Probleme reden kann. In den wohlhabenden Bezirken, wo es auch viel weniger Kinder und Jugendliche gibt, werden die Kinder und Jugendlichen in Kurse und Sportvereine geschickt, man geht mit ihnen ins Museum und ins Kindertheater, in die Kinderoper und zum Eislaufen, zum Kinderyoga und zur Kinderuniversität. Aber hier sind die Jugendlichen, die nicht mehr bei Mama und Papa vorm Fernseher sitzen wollen, sich selbst überlassen, hier muß die Stadt, die soziale und fürsorgliche Stadt, einspringen und einen Ort und Betreuung anbieten.



Der Gemeinschaftsgarten wurde mit einem Fest eröffnet und man sieht schon ein paar Blumen, auch die zuerst sehr hoch angebrachte Info-Tafel wurde nun kinderfreundlich weiter unten angebracht und ein großes Vorhangschloß schützt die Beete gegen Vandalen. Das kleine Puff unmittelbar daneben gibts hier seit 1984, also fast schon 30 Jahre, haben mir Ortskundige erzählt.

Der letzte kleine Sträucherurwald, in dem die kleinen Singvögel Zuflucht fanden und im Winter gefüttert wurden ist nun auch gerodet worden. Wegen der Ratten, die man im ganzen Park flitzen sehen kann und damit es kein Versteck für Dealer und für weggeworfene Drogenutensilien gibt. Schade, aber Sicherheit geht vor: daher eben nur Rindenmulch und Rollrasen. Die vielen Ratten gibt es auch wegen der vielen Abfälle im Park, natürlich gibt es Ratten in der ganzen Stadt. Romantisches, wild wucherndes Grün gibt es nur in den wohlhabenden Bezirken, wo keine Essensreste auf die Straße geworfen werden und wo Dealer nicht viele Unterschichtsjugendliche, um deren Zukunft sich niemand groß kümmert, als Kunden finden könnten. So segmentiert sich die Stadt.
Aber, das muß man sagen, diese Stadt hat große soziale Traditionen und sie ist eine fürsorgliche Stadt, etwas das von vielen (auch solchen, die selbst und deren Vorfahren von dieser sozialen Fürsorglichkeit profitiert haben) höhnisch verlacht wird.

So sehr mich Syberbergs Gartenbilder bezauberten, so wenig mochte ich die Rubenskopie überm Buffet (obwohl die Geschichte deren Wiedererwerbs, sie war natürlich verloren gegangen, also jemand hatte sie mitgenommen, er suchte dann darnach und sie wurde teuer angeboten, typisch und traurig ist) und auch seine Schadowschen Prinzessinnen mochte ich nicht. Mittlerweile, mit der Preussischen Geschichte doch vertrauter, mag ich sie auch. Schreib doch, sagt der B, daß du einem Preussenprinzen begegnet bist. Das war nicht der erste deutsche Prinz, sag ich, es gibt eine ganze Menge deutscher Prinzen, wo einer jagt, trifft man auch andre. Aber den Preussenprinzen traf ich als Gast des Bruders einer Freundin, in der Stadt und er hat mich beeindruckt, ich hatte die Vorstellerei versäumt, weil ich mit dem Hund noch draußen gewesen war, dort wo Prinzen zu Gast sind, kann man den Hund nämlich immer mitnehmen, dort wo man den Hund nicht mitnehmen darf geht man sowieso besser nicht hin. Der Prinz, von dem ich nicht wußte daß er ein Preussenprinz war, beeindruckte mich und ich bin schwer zu beeindrucken, obwohl ich natürlich immer so tu als sei ich fürchterlich beeindruckt, das hat mir die Mami beigebracht, die sich immer ein bißchen dümmer gab und den Redefluß der Herren mit ahs und ohs begleitete, was sie in den Ruf einer außerordentlich klugen und verständigen Dame brachte. Sie war schlau genug, sich auch mit Frauen so zu verhalten, die meisten Frauen haben ja mehr Instinkt als Männer, aber es gibt auch selbstgefällige Plaudertaschen und bei denen mache ich es genauso so wie die Mami, ich höre mir alles mit schiefgelegtem Kopf an, mache wie die Mami ah und oh, ein mmh klänge schon viel zu analytisch und autoritativ und könnte signalisieren daß ich beim Zuhören kritisch mitdächte. Der Preussenprinz konnte gut mit meinem Hund und dem Cockerweibchen des Gastgebers, das diskret aber gierig Häppchen in Empfang nahm und er brachte mich zum Lachen. Ich lache ja oft aus Höflichkeit, selten spontan. Und dabei war er noch sehr sachlich und bescheiden und er sah auch sehr gut aus. Prinzen sehen in der Regel sehr gut aus, nur Leute die nicht von Prinzen zum Lachen gebracht werden reden dummes Zeug über Degeneration. Ihre eigenen behinderten Vorfahren überlebten wegen mangelnder Pflege zumeist die Kindheit nicht, wurden auch nicht gemalt und gerieten in Vergessenheit. Außerdem konnten ihre Vorfahren nicht unter den Schönsten wählen und das sieht man denjenigen die gern über Degeneration reden leider häufig an.

Mittwoch, 2. November 2011


Zur gleichen Zeit besuchten wir immer wieder das schöne Grab Hammer-Purgstalls und lasen seine Hafiz-Übersetzung. Wir waren mit Erzählungen über den Ruf des Muezzins aufgewachsen, hatten, als wir lesen lernten, ein wunderschön illustriertes Buch mit orientalischen Märchen und die Bedeutung der Muster auf Teppichen erklärt bekommen und der Kaffe wurde bosnisch im Kupferkännchen gereicht. Islamophobie wäre als Zeichen von Dummheit und schlichter Herkunft gewertet worden und selbstverständlich hätte man den Kontakt mit solchen Leuten in liebenswürdiger Weise vermieden.

Almhütte a la Romako. In den 70ern hatte ich bereits Gelegenheit einen Teil der Sammlung des Augenarztes zu sehen, wir beschlossen dann auch zu ihm in die Praxis zu gehen, die in einem alten Haus am Marktplatz lag. Als wir kamen, wurde gerade der eiserne Kanonenofen im Wartezimmer beheizt, es war frisch ausgekalkt, mit hölzernen Bänken an den Wänden, ohne Lehnen, wir fanden das zu spartanisch, kehrten um und gingen wieder. Er war aber nicht der ganz ordinäre Geizkragen, der seinen Patienten, die in der Gegend keine Alternative zu ihm hatten, alles zumutete, sondern er steckte alles Geld in seine Sammlungen, die Praxis war technisch gut ausgestattet und die Honoratioren des Ortes, auch der Universitätsprofessor mit dem zusammen wir eigeladen worden waren die Sammlung zu besichtigen, gingen zu ihm.

der "Parkblick" am Nachmittag

Wie ist der aktuelle Tarif für Wählerstimmen in der Region?




Weil die kleinen Geschäfte in den Nebenstraßen schließen, veröden diese Gassen zunehmend. Die Häuserfronten sind ohne ästhetische Besonderheiten, kaum je etwas woran das Auge gerne festhielte. Umso mehr freut man sich dann über ein so reich dekoriertes Parterrefenster in der Nähe der kleinen Postfiliale (die übrigens auch schon überfallen wurde). Die Glasschale mit Salz als Eisbärengehege ist eine tolle Idee! Bravo!