Freitag, 30. Dezember 2011


Klimt für Barbara 2 (Barbara Flöge, die Mutter der Schwestern Flöge)

Donnerstag, 29. Dezember 2011


Erhalt der sozialen Kohärenz ist das Allerwichtigste sagt der B und nippt an seinem bitteren Cistrosentee. Jaja sag ich, noch einen Elisenlebkuchen? Und die marginalen Ökonomien, die kriminellen Dienstleistungen? Die kriminelle Dienstleistung garantiert gegen Bezahlung die sichere Durchführung illegaler Geschäfte und Transaktionen, die von den staatlichen Agenturen eben nicht geschützt werden. - Draußen steigen schon die ersten Chrysanthemen in rot und grün hoch, die langen Weihnachtsferien, ohne eigene Feste, ohne Wintersport, ohne die zu Weihnachten bekommenen Bücher mit heißen Ohren zu verschlingen, ohne überhaupt aus dem Grätzl rauszukommen sind für die Jugendlichen hier sehr, sehr fad, Kracher und Feuerwerk daher besonders interessant.

Mittwoch, 28. Dezember 2011


Ein Desiderat, denn die spontanen Gemeinsamkeiten sind leider selten, das Konfliktpotential erheblich und die Gutwilligen und Bemühten leider auch stets eine Minderheit. Und nun hat sich der Bürgermeister nach dem Gemeindebau das klassische Kleinbürgertum (das von sich selber natürlich immer als Mittelschicht spricht und klugerweise auch euphemistisch so adressiert wird) vorgenommen. Das ist vernünftig, denn aus dem Kleinbürgertum kommen stets die Organisatoren und master minds des Mobs, im Politischen wie auch sonst.

Dienstag, 27. Dezember 2011


Ob wohl noch einer der vielen Bewohner des großen Bebel-Hofes Bebels "Die Frau und der Sozialismus" kennt?

Hier war also einmal eine Apotheke, die Schubert- Apotheke. In Meidling wurden sechs Apotheken arisiert, fünf davon hier in der Nähe, lediglich die Maria Lourdes Apotheke liegt näher westlich nahe Schönbrunn. Die Inhaber der nahegelegenen Apotheke am Fuchsenfeld wurden im Vernichtungslager Maly Trostinec umgebracht. Warum eigentlich erinnert keine Tafel an sie?

Montag, 26. Dezember 2011


Als ich einzog und die sagenhaft desolate (von Freunden sofort vorsorglich dokumentierte, danke Ihr vorausblickenden Lieben!) Küche vom Müll freiräumte und zu putzen begann, stellte sich heraus, daß das Backrohr gar nicht mehr funktionierte, nur noch zwei der drei Flammen oben, sodaß ich hier wenigstens kochen und Wasser wärmen kann. "Guat gnua" feixt der B. und hält sich eine weihnachtliche Serviette vors Gesicht. "Sans dankboar, sans dankboar" ergänze ich das Zitat.
Wir essen Sauerkrautsuppe mit Kartoffeln und Bulgur, die kann man auch auf so einem Herd kochen und wir lesen die Taunusgeschichte, den B amusieren die Bewegungsmelder (ab 8 Euro im Baumarkt), was für ein Distinktionsschnäppchen.
Und geht dann wenigstens das Licht an ? fragt der freche Jungjurist. Im Taunus schon, sagt der B.
Später dann sehen wir uns die Geschichte der arisierten Apotheken in der Gegend an,
sogar in der Gierstergasse 5 gab es einmal eine Apotheke, die ebenfalls arisiert und 1948 restituiert wurde.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Freitag, 9. Dezember 2011


Nachdem ich beim Aldi das Unumgängliche gekauft, "Landhauskerzen mit Mehrfachdocht" sofort verworfen und die suspekten echten-Aldi-Bienenwachskerzlein und den blassen Weihnachtsstern nach etwas Beschnüffeln und Überlegen ebenfalls, zieh ich meinen Einkaufswagen heim, vorm Haus pinkelt ein junger Mann auf die Straße, daran muß man sich hier halt gewöhnen, mache meinem Gast, der die EDV checkt, das macht er regelmäßig, es gibt eben Umgebungen da wird nicht bloß öffentlich gepinkelt und Post gestohlen, sondern auch gezielt gespammt, - also ich mach uns Tee und mein Gast meint, das von der Herbergssuche, das mußt noch bloggen. Unbedingt. Na gut.
"Es begab sich" undsoweiter und die beiden machen sich auf zur Minderheitenerhebung, die Straßen sind voll, die Herbergen ebenfalls und die beiden haben kein Geld, denn mit Geld geht immer was. Überall werden sie abgewiesen, obwohl Maria sichtlich vor der Niederkunft steht und bis heute, zweitausend Jahre lang, wird rund um die Welt das Evangelium von den herzlosen Immobilienbesitzern , die Josef und Maria und dem Jesuskind kein Quartier gaben, vorgelesen. Also: das müßte doch nicht sein, diese ewige schlechte Nachrede, hätten die nur etwas mehr Immoverstand gehabt. Denn irgendwas findet sich immer, nicht unbedingt eine menschenwürdige Unterkunft, das muß ja auch nicht sein, nicht wahr. Irgendein verwertbares Loch halt, das findet sich immer. Und dann fragt man scheinheilig: no, was könnens denn zahlen? Und das verlangt man dann, plus 15 Prozent, denn a bissl was mehr geht immer. Aber dazu waren die damals halt noch zu blöd und jetzt habens die schlechte Nachred und Ochs und Esel die gute.

Donnerstag, 1. Dezember 2011


Jetzt ist aber Schluß, sagt der B. Ja, sag ich, jetzt ist hier Schluß.

Du bloggst ja noch immer, sagt der B. Gewohnheit, irgendwie, sag ich. Der Rodin ist wirklich besonders sagt er dann, aber ich weiß du hast das Bild wegen des Holzes genommen, stimmt, sag ich, heute, fuhr ich mit der gläsernen Kabine im U-Bahnhof, nach oben, an den verglasten Kabinenschacht grenzt der ebenfals verglaste Warteraum, er war voller Obdachloser, einer war von der Bank gerutscht und ich konnte im langsamen Aufwärtsfahren sein zyanotisches Gesicht sehen. Als ich auf der Heimfahrt wieder vorbeikam, saßen andere Obdachlose im Warteraum, die Bank unter der er gestorben war, war dicht besetzt. Die seitliche Tür des kleinen Bahnhofsgebäudes, die hatten sie nachts wohl aufgebrochen um in den Warteraum zu können, wurde gerade wieder repariert. Dabei ist es noch gar nicht wirklich kalt.

Wir trinken Tee, essen Butterbrot mit Honig und lesen. Naja, das hat der Guru auch schon gesagt, eine Intrige, DSK wurde hereingelegt, es geht um den Euro, Amerika macht mit. Wir haben den Guru nicht konsultiert, wir machen das nie, was mitunter auch zu leichten Verstimmungen mit unserer Freundin führt, die uns dringend nahelegt, ihn doch zu konsultieren. Wir aber, durchaus geneigt zu glauben daß der Guru über extensivere Wahrnehmungsmöglichkeiten als wir selbst verfügt und gar nicht ablehnend gegen traditionelle Divinationsmethoden, also wir konsultieren ihn nicht. Denn wir halten gar nix von transkulturellem methodenintegrativem Beraten, wir halten das für esoterischen Kitsch. Wir halten auch sonst so manches für esoterischen Kitsch und einiges davon für schlichten Betrug an Kranken, Verzeifelten und Ratsuchenden. Aber immerhin: das hat der Guru auch schon gesagt. Das Sparbuch, das verlegte Frankensparbuch, nach dem er eigentlich gefragt wurde, nicht von uns und es ist auch nicht unser Frankensparbuch, leider, das hat er nicht gefunden.

Und warum hast du dann aufgehört mit dem Verteilen der 2-Euro-Münzen? frag ich ihn, nachdem ich mir in der Kärntnerstraße rasch gekauft habe, was ich schon fast ein halbes Jahrhundert lang kaufe, nichts Teures, aber doch etwas Spezielles und ich muß es alle paar Jahre erneuern, so lange hält es nämlich. Diesmal war ich die Einzige die mit der Verkäuferin Deutsch sprach, die anderen sprachen ihre Muttersprache, kauften erheblich mehr und ich mußte warten um endlich bezahlen zu dürfen; Protest in Deutsch und noch ein paar Sprachen wurde ignoriert. Ich schwor mir, mir das Ding in Hinkunft aus München mitbringen zu lassen. Also, die 400 Euro die ich pro Monat verteilt hatte waren es nicht wirklich, sagt der Freund. Es war etwas anderes, schau, sagt er und öffnet die Tür eines Lokals in dem wir früher öfters waren. Es ist gesteckt voll, alle Frauen blond, sehr viel Pelz, Handygeschnatter, Sekt am Nachmittag, die gewissen Handtaschen, aber auch Männer die offenbar am handy arbeiten. Na gut, sag ich, aber die sind doch nicht alle reich, vor allem die jungen Frauen sind doch bloß Entourage, Partygirls, Glücksjägerinnen, besitzen doch kaum mehr als ein paar Fetzen und die Statusbag. Vor diesem Lokal steht übrigens kein Bettler, obwohl drinnen die alle einigende Sprache gesprochen wird.

In der Innenstadt, ich gehe nur ein kleines Stück vom Ring ins Zentrum, sprechen mich 4 Leute um Almosen an. Drei davon Frauen, alle warm und nett gekleidet, denn es gibt in einer wohlhabenden Gesellschaft genug Kleiderspenden. Sie verkaufen nicht die Wiener Obdachosenzeitung, sondern halten einem ein buntes Magazin in Plastikhülle entgegen und sie sprechen jeden, den sie nicht immer wieder an sich vorbeigehen sehen, jeden neuen Passanten also, an. Das ist in der ganzen Innenstadt so, sagen die Freunde. In den anderen wohlhabenden Bezirken stehen die gleichen Leute vor den Lebensmittelgeschäften, also vor jenen, mit der Gourmetabteilung. Letzthin habe ich aber so jemanden auch schon vorm Aldi hier in der Vorstadt gesehen. Die Standorte sind penibel aufgeteilt, in der U-Bahn, in der Stadtbahn, die mit den Kleinkindern, an den gewohnten Plätzen, die mit der Wiener Obdachlosenzeitung und der offiziellen Zulassung zu derem Verkauf. Ich würde aber nicht von organisierter Bettelei sprechen, sondern einfach vom Nutzen von Erfahrungswerten, von allmählich erfolgter Aufteilung der Stadtreviere. Wie reagiert Ihr? frag ich die Freunde. Wir kaufen regelmäßig die Obdachlosenzeitung und geben denen mit den Kindern manchmal etwas zu essen, die anderen ignorieren wir. Ein Freund hat 2- Euro-Münzen in der Manteltasche, die er verteilt. Von der Wohnung ins sehr nahe gelegene Büro verteilte er täglich 20 Euro, inzwischen hat er damit aber wieder aufgehört.