Dienstag, 31. August 2010



Tiflis (die originelle Wegfahrsperre!)



Tiflis (Antenne und Stromleitungen)


Tiflis




Tiflis, Freunde - Restauratoren - haben viele, viele Fotos gemacht, die ich in einer Sesselreise durchsehe. Sie waren geschockt davon wie resignativ Verfall hingenommen wird (aber ohne die politischen Geschehnisse, die Ermüdung, besser zu kennen) und von den vielen schwer Alkoholkranken überall, Wiener neigen in puncto Alkohol nicht zu Moralismus; also muß es wirklich schlimm sein.
Schwalbenbilder bei Syberberg - und ein Schiller-Text zum Verhältnis Tier-Mensch.

Sonntag, 15. August 2010


gäste da, sicher ist sicher, in einer solchen umgebung,wo einem nicht mal der arzt hilft, sagt der jurist. überempfindlichkeit, unleidlichkeit und schwierige persönlichkeit sind die juristenschmähs, mit denen erstmal abgewimmelt und der spieß umzudrehen versucht wird, wir lachen. auch über die unappetitlichen vertrieblertricks lachen wir. wo sind eigentlich die nigerianischen asylanten ? na, abgeschoben. das gute an asylanten ist daß sie keine jristenfreude haben aber doch ein schäbiges dach überm kopf brauchen. alle die wirte und zimmervermieter könnten ohne die asylanten geich zusperren. (oh hier noch ein netter aktueller link)
arm gebrochen, bin ja schon fast ein routinier, aber lästig ist es doch. aufbaukalk, symphytum; vit-d hat die apotheke hier im bezirk ohne rezept nicht verkauft, also brachte a. (die arme hat geprellte rippen, fiel mit dem enkelind auf dem arm über die treppe)es aus dem bürgerlichen bezirk, wo es ohne umstände abgegeben wird mit. außerdem ist as ältere schwester apothekerin. als ich b davon am telefon erzählte, kam das übliche, du kannst nicht länger in dem loch bleiben, um himmelswillen, wir suchen dir eine gastunterkunft, schlußendlich ein heiratsantrag. wenn ich ja sage bekomme ich auch enkel, also ein klein wenig von den vohandenen enkeln, ich habe aber nicht ja gesagt, sondern gelacht und gefragt ob er mi seinem antrag so lange gewaret hat bis ich wieder eine partie bin, die schöne alte möbel einbringt. du hast das flüchtlingslagersyndrom meinte b. du kannst dir normalität, eine anständige wohnun ung und eine anständige umgebung schon gar nicht mehr vorstellen.
diesmal bekam ich den gips in einem anderen spital, soziologisch sehr aufschlußreich. vorigen sommer konnte ich beim warten unfallopfer und viele altersbrüche beobachten, diesmal eine andere sozialschicht: verbrannte und verletzte kleinkinder die im triumph der ersten expansiven mobilität alles anfasen, aufmachen, überall raufkraxeln und dementsprechend wieder runterfallen. ein bltzgescheites muslimisches mäderl von 14 monaten und eine gruppe aktiver kleiner racker, zukünftiger schlimmer buben. warum haben unsere eltern uns wohlbehalten durch diese phase gebracht? sie haben gewußt daß man aufpassen muß und haben das auch getan. die andre gruppe von verletzten waren nicht die unversicherten schwarzarbeiter die der unternehmer vor der tür ablegt, das passiert am wochenende seltener, sondern betrunkene, ein paar total verschmutzte gestalten und ein junger mann mit schrecklich zerscnittenem gesicht, attacke mit zerbrochener bierflasche, freitagnachtauseinandersetzung. das, sehr nette, vor allem die ärzte, personal erzählte mir nach nennung meines berufes dann von der krankenstandsfreudigkeit unserer gemeinsamen klientele. ach ja, ich weiß, die ersten ramadan-opfer (kreislauf, dursten bei schweren chron. krankheiten, nächtliches überessen)
sind schon zu beklagen.
blog schließt nun, kommentarfunktion auch, danke fürs lesen, noch schönen restsommer!

Dienstag, 10. August 2010



Den Orchideen hat die Hitze nicht gut getan, alle Blüten sind abgefallen und die Stengel trocknen. Luftwurzeln und neue Blätter allerding bilden sich weiterhin. Werden neue Stengel und neue Blüten austreiben`? Abwarten, Orchideen sind langsam.
Gebloggt von Weihnachten bis Ramadam. Jetzt machen nicht nur die Orchideen eine Pause.

Danke für Eure Orchideen-Tipps! Allen Lesern:
Ramazan ayının mübarek ve bereketli geçmesini diliyorum: gesegneten Monat Ramadan!

Nochmals Dank für die Tipps! Türkisch kann ich natürlich nicht, aber ich hole so Basis-Grammatik aus dem net, damit ich die Unsere besser erklären kann. Danke auch für den Tipp, daß man später nachfasten kann, wenn man zu Ramadam krank ist.

Morgen begint Ramadam, Hurryet bringt eine bunt illustrierte Beilage mit Rezepten für jeden Abend: Rahmhühnchen, Fisolenomelette, Fischröllchen, Kuchen...etwa so wie bei uns Ende November jedes Jahr Keksrezepte in den Zeitungen auftauchen. Die kranken und schwangeren Frauen werden fasten und dürsten bis sich alles vor ihren Augen dreht, obwohl Schwangere und Kranke eigentlich nicht zu fasten verpflichtet sind. Der liebe Gott freut sich mehr, wenn Sie für Ihre Familie gesund bleiben, versuche ich im eigenen Traditionsfundus kramend ein Umstimmen, aber Allah scheint ein strenger und düsterer Geselle, kein lieber Gott, und das Umstimmen klappt nie. - Wir reden übers Essen und die Leute erzählen begeistert wie sie kochen und nur wenn man ganz genau zuhört, begreift man daß die Asylanten mit geschenkten oder billigst verkauften Gemüseabfällen (z.:kein Kohlrabi, aber die Blätter vom Kohlrabi )vom Markt kochen, jene politischen Asylanten, denen manche alles neiden. - Inzwischen kenne ich viele Küchen: das scharf-sauer Äthiopiens, das scharf-süß Indiens, magrebinische Kuchen und chinesische (die Besten, die Leichtesten, das essen die Models um schlank zu bleiben) mit Azukibohnencremefüllung, rundum Blätterteig aus Reismehl.

Montag, 9. August 2010

Sonntag, 8. August 2010


Tony Judt 1948 - 2010

Zu Beginn der Wohnmisere hatte ich zwei Räume in einer großen Wohnung gefunden und mich erinnert, daß ich in dieser Gasse schon gewesen war, ja sogar in diesem Haus, ein sehr großes Haus mit nur 2 Wohnungen, sehr großen Wohnungen, pro Stockwerk. Zu spät sah ich, daß ich ja auch die Wohnung kannte. Meine Mutter hatte der Inhaberin, die sie Jahrzehnte kannte, geschrieben und sie gebeten mich einzuladen. Dem großen Kreis der Nichten und Enkelinnen einverleibt, bot ich bei Gesellschaften dann Mokka in kleinen Tässchen und petits fours an und Wein, den wir in der Küche aus Dopplern in die schlichten Achtelgläser geleert hatten, ohne chambrieren und irgendwelches pipapo. Trotzdem wurde er entgegengenommen wie himmlisches Manna, die Gäste, ältere Universitätsprofessoren und jüngere Genies, übten sich in Handkuß und Verbeugungen und hatten am Hosenboden die Lederfusseln der häßlichen Historismussessel kleben, die aus dem Bügelzimmer dazugeholt worden waren. Zwei konservativkatholische Ordinarien teilten sich ein wackeliges Bänkchen, das dann wirklich unter ihnen zusammenkrachte. Da es schon so viele unverheiratete Enkelinnen und Nichten gab, war niemand von meinem Auftauchen begeistert; mir gefiel es auch nicht und ich tauchte wieder ab. Im Haus der Industrie, wars bei Sloterdijk ?, hatte ich die alte Dame zuletzt nochmal gesehen. Die große Wohnung mit den ineinanderübergehenden Gesellschaftsräumen hatte also ein Enkel übernommen und ein Großenkel der die zwei Zimmer (das Bügelzimmer! die Historismussessel waren verschwunden) im hinteren Trakt bewohnt hatte, war zu einer großen Zeitung nach Deutschland gegangen. Die beiden kleinen Räume waren angenehm karg möbliert, der Neffe hatte Geschmack gehabt und der Blick ging auf einen Botschaftsgarten. Es war nicht teurer als eine Wohnung hier im Haus.Für andre sieht das nach einem Glücksfall aus: schöne Gegend, nette Leute, erschwinglich, man kennt sich seit Generationen, was für ein glücklicher Zufall. Uns aber war es peinlich: ihm das Vermieten und mir das Mieten. Noch dazu waren wir im etwa gleichen Alter und beide unverheiratet und offensichtlich alleine lebend. Die letzten Mohikaner aus einem Stamm in dem zeitgerecht geheiratet wird. Der letzte männliche Mohikaner ist ein Sechzehnender aber die letzte Mohikanerin eine alte Jungfer. Er sah noch immer sehr gut aus und war sehr, sehr nett; ich konnte mir denken wie viele Frauen er mit Unentschlossenheit und vagen Äußerungen zur Verzweiflung gebracht hatte, so wie L.s Freund, der immer alles im Vagen beließ , obwohl L wunderhübsch, manierlich, kultiviert und wohlhabend war, er ließ sich dann von seiner Mutter der neuen Buhlschaft vorstellen, und war schwuppdiwupp verheiratet, die Dame hatte die Rolle ihres Lebens erkannt und war fürderhin nie mehr ohne großes Kreuz überm milchweißen Busen zu sehen und gab auch gerne Interviews über christliche Kindererziehung. So machte ich ihn mir unsympathisch und ich konnte sehen daß er auch nach Gründen zur Ablehnung suchte: zu burschikos, zu lange gewählt, etc. Selbstverständlich sagte ich ab, aber vage, und er bedauerte, aber unmerklich erleichtert.

Samstag, 7. August 2010




Alle drei Fotos wurden vom selben Standort aus gemacht, ich mußte mich nur jeweils ein bißchen drehen. Man sieht noch die Spuren der entfernten Buchstaben STÄDTISCHE BÜCHEREI am art deco Eck des großen Gemeindebaus. Die Bezirksstellen der städtischen Bücherei wurden alle geschlossen, auch der Bücherbus tourt nicht mehr an die Peripherie. Es gibt jetzt eine große Zentrale der Bücherei, man kann Bücher, DVDs und Musik ausleihen, gratis surfen. Aber die kulturelle Versorgung der armen Bezirke, aus denen viele Kinder und Jugendliche kaum je herauskommen, hat man den Video-Läden (mit den großen hard core Abteilungen) überlassen. Im Kellerlokal des rosa Hauses gegenüber werkt die Domina "Engel der Hölle" (Anrainerkommentar: naja, wenigstens a Einheimische, na de stört mi net) und auf der anderen Seite der Eingang zum Park (mit Kinderspielplatz, ab Dämmerung no go area, die Polizei läßt alles Buschwerk zurückschneiden um das Verstecken zu erschweren)der zum großen Gemeindebau dazugehört, mit schönem Gitter, schönem alten Baumbestand und dem hübschen art deco Pissoir, auch so ein Zivilisierungsmedium der Arbeiterbewegung, das unbenutzt dahinrottet, denn die neuen Unterschichten pinkeln öffentlich, an Bäume und Hausmauern. An einer Bushaltestelle positionierte einer sich hinter einem Baum, er wähnte sich sozusagen diskret verborgen, und pinkelte hinterm Baum hervor den Wartenden auf die Schuhe. Zurechtgewiesen, verwies er auf den Baum, sein Versteck, das für ihn alles korrekt machte...

Weil nicht sein kann daß für Flüchtlinge und Arme nur das häßliche Wien reserviert ist, geh ich mit den Gruppen auch ins Museum. Es gibt die Möglichkeit gratis hinzugehen, aber das allein reicht noch nicht, man muß einmal hingeführt worden sein und erlebt haben, daß es schön ist. Ich zeige ein bißchen auf die barocken Deckengemälde, den Himmel, sage bei den Biedermeierportraits: so haben die Menschen hier früher gelebt, das haben sie angehabt, so groß waren die Familien, etc..und dann lasse ich die Leute in Ruhe und selber schauen. Naturbilder (Tina Blau, Klimt und Courbet) gefallen ihnen am besten. Manche wollen die Bilder anfassen, sie sind überhaupt zum ersten mal in einem Museum, die sich weltläufig geben Wollenden fragen nach dem Wert der Bilder.In den islamischen Ländern ist das Portrait verboten, die gemalten Akte (naja, die rotblonden Renoir-girls schon) machen weniger Eindruck als die großen massiven Maillols.
Wenn ich auf Muffigkeit und Aggressionsbereitschaft stoße, ärgere ich mich nie, ich bleibe ich selbst und zugewandt, weil ich weiß daß ich durch den Schleier der Übertragung wahrgenommen werde. Und immer noch hat sich eine Situation ergeben in der
die Muffigen und Aggressiven dann von der bösen Stiefmutter (und die böse Stiefmutter ist in Ländern mit schlechter ärztlicher Versorgung und Heirat als einziger Berufschance für Frauen bittere Realität, kein patchwork-Psychologisieren, keine Familienberatung ) oder der bösen Schwiegermutter berichten konnten. Vorsorglich teile ich Zettel mit den Adressen aller Beratungsstellen aus, ich sage immer: vielleicht hören Sie einmal im Bekanntenkreis oder in der Nachbarschaft von einer geschlagenen Frau, dann können Sie ihr diese Telefonnummer der Beratungsstelle geben, mit etwas Diplomatie wird die Information akzeptiert. Aber die Realität der
Frauen ist natürlich viel komplexer. In der Gruppe berichtet eine (eine vierschrötige, grobe, aber dennoch kokette) von ihrem Mann der hier zu trinken begonnen hat und seither mit dem Messer hantiert. Wenn er betrunken heimkommt, sperrt sie erstmal die Kinder ins Zimmer ein und versteckt dann alle Messer. Trotzdem hat er bereits auf der Straße Leute mit dem Messer attackiert (und sie selbst auch), nur durch ihr sehr mutiges Dazwischgehen hat sie Schlimmeres und seine Festnahme verhindert. "Sonst ist perfekte Mann" sagt sie, und als wir bei Regen ins Museum gehen und sie nur eine dünne Bluse anhat und ein Kollege ihr seine Jacke leiht, ist sie froh über die Fürsorglichkeit, aber die fremde Männerjacke kann sie nicht mit nach Hause nehmen, ihr Mann würde sie umbringen. Sie sagt das mit Stolz. Zum erstenmal verstehe ich den alten Kalauer von der Frau die weint, weil ihr Mann sie nicht mehr prügelt "er liebt mich nicht mehr".

Freitag, 6. August 2010


Meischbergers Tagebuch, Gaddafis Millionen, Korruption etc...
liebe Barbara2, ja die Moleskines sind gut; das ist nun schon das zweite Tagebuch dieser Art das beschlagnahmt wurde...

Montag, 2. August 2010


Das Jugendstilhaus (nein, nicht das auf dem Bild) hatte ich beim Spazierengehen entdeckt, es war unbewohnt, in schlechtem Zustand und ich stieg über den Zaun, ging durch den Garten mit den schönen alten Bäumen und ums Haus herum und überlegte ob es wohl noch reparabel sei. Vermutlich doch nicht. Aber Bekannte suchten ein altes Haus und ich könnte ihnen davon erzählen. Daneben stand ein zweites, ähnliches Haus, renoviert, wirklich schön, mit wirklich schönem, obwohl etwas zu kleinem, aber liebevoll bepflanztem Garten in dem Kinder spielten, die sich nicht vorm Hund fürchteten. Ich läutete und ein fescher junger Mann kam heraus, den ich nach dem Besitzer des unbewohnten Hauses fragte. Er reagierte sofort äußerst geschäftstüchtig: ja, er könne den Kontakt zum Besitzer herstellen, es wäre fein wenn das Haus renoviert werden würde, es sei ja kunsthistorisch beachtlich, aber der Garten (in dem ein Fußballplatz mit Minitribune und große Spielgeräte waren), müßte allen Kindern weiterhin zur Verfügung stehen. Da entdeckte ich erst, warum sein Garten so klein war: er hatte das Grundstück parzelliert und mehrere kleine, unscheinbare neue Häuser standen drauf, viele Kinder, junge Familien. Den schönen großen Garten hatten sie also gewohnheitsmäßig, widerrechtlich genutzt und beim Verkauf würde er eine Provision haben wollen und sich das Nutzrecht für den Garten sichern wollen. Ein Haus aufwendig sanieren und im Garten, bei aller Kinderliebe, ständig kleine Fußballer haben, wer will das schon...aber wir tauschten Karten, er hatte ein technisches Doktorat, und eine modellschöne Frau (die inzwischen hinzugetreten war) und da die Welt ja so klein ist, erfuhr ich später daß er eine technische Innovation für Glücksspielautomaten gemacht und eine eigene Firma gegründet hatte, so und durch die Parzellierung hatte er das Geld für das prachtvolle historische Haus und dessen Renovierung (er hatte offensichtlich das in seiner Substanz besser erhaltene Haus gewählt) aufgebracht und durch den gemeinsamen Spielplatz für alle Kinder der Minisiedlung hatte er auch noch einen Rest des Solidarprinzips unter jungen Eltern realisiert.

Mit einer Schulfreundin, Medizinerin, aber nicht in Wien, telefoniert, die mithelfen will eine niedrigschwellige Einrichtung für Obdachlose aufzubauen. Dafür gibt es Beispiele in Wien, die Vinzirast, begonnen hat damit Cecily Corti (die Witwe von Axel Corti und die Schwester von Petrus Herberstein, ihre Mutter hatte den letzten wirklichen Wiener Salon), bei ihr dürfen die Obdachlosen ihre Hunde mitbringen. - Mit Armut kann man gute Geschäfte machen, nicht so recht marktfähigen, da miesen, Wohnraum an nicht so recht marktfähige, da Postpsychiatrische, Substitutionsbehandelte und zu den nicht so beliebten Einwanderergruppen Zählende zu ganz und gar nicht kleinen Mieten vermieten, einen mies bezahlten Hausmeisterdrachen der dem Vandalismus, der bei solchen Mietern natürlich eine Gefahr ist, Einhalt gebieten soll, dazu und schon ist die Rendite höher als im sanierten Haus mit stabiler Mittelschichtsklientele.

Hat das Buberl die Knete?

liebe Barbara2, naja, er war vielseitig

Sonntag, 1. August 2010


Im Bioladen gibts jede Menge Folder von esoterischen Ich-Agenturen, die Sommerkurse für feng-shui, Energieheilung und pipapo boomen, da kommt dieses blog gerade richtig.
liebe Barbara2, hab ich bei der Kaltmamsell (die ich aus München-Sehnsucht manchmal lese und auch aus soziologschem Interesse an der Generation nach mir) gefunden.

Die Lilien gedeihen; mein Fehler war, daß ich die Zwiebeln heuer nicht mit Erde bedeckt habe, weil ich zu wenig Erde hatte.
liebe Barbara2, zu den Ärzten, bei denen ich Bekannte vorziehe und Du "Unbekannte":
bei wichtigen und teuren Dienstleistungen, deren Qualität ich als Laie nicht gut beurteilen kann, setze ich auf soziale Kontrolle. Ob einer ein Abzocker ist, kann ich schon an der Organisation der Ordination erkennen, dann geh ich einfach gleich wieder weg. Aber ob jemand sich Mühe gibt oder mich nach 0815 durchschleust, hängt schon von sozialer Vertrautheit einerseits oder Anonymität andrerseits ab. Und stärker davon, als von finanziellen Zusatzleistungen meinerseits. Indiskretionen oder Peinlichkeiten befürchte ich nicht; gute Ärzte (und Anwälte) sind sehr diskret. Vor vielen Jahren gab es eine Ärztin die mit einem Freund verheiratet war, die - an und für sich harmlose und banale - Indiskretionen beging, es ging um Geburtstermin, eventuellen weiteren Kinderwunsch, also nicht um venerische Infektionen oder andere Grauslichkeiten, schließlich war es eine bürgerliche Ordi und keine, die von Damen die die Geringfügigkeit mit grauer Prostitution auffetten, frequentiert wurde. Aber es kam nicht gut an, denn wenn der Chef weiß, daß man als Karrierefrau ein zweites Kind plant, baut er eine Vertretung im Hintergrund auf, die eventuell Probleme machen wird, man kommuniziert das zu gegebener Zeit lieber selber, etc.. jedenfalls verlor diese Ärztin die Frauen des Freundeskreises und hat nun eine weitaus schlichtere Klientele. Finanziell bedeutet das für sie keine Einbuße, von diesen Frauen gibt es genug, sie können gratis zum Arzt, sie sind kränker und haben mehr Schwangerschaften und mitunter viele Schwestern und Cousinen und sie sind unkritische Patientinnen, die nicht fragen, nicht insistieren...
Mit Deinem Augenarzt hat Du Glück, manche Ärzte, die sehr motiviert sind, sind stärker an Krankheiten als an Patienten interessiert (Habilitanten meiden :-))
der gute Hausarzt, der die Ordi vom Vater übernahm und schon unsere Eltern behandelt hat ist so wie der gute alte Familienanwalt fast ausgestorben.

liebe Barbara2,
Selbstbestimmung und Freiheit, die seh ich eben begrenzt, ich bin doch Strukturalist
-:) - aber vielleicht gehst Du zu anthroposophischen Ärzten (die Kassen hier zahlen das nicht) und da ist der Arzt-Patienten-Bezug auch anders; oder in einer kleinen Uni-Stadt wirst Du als Uni-Mitglied auf jeden Fall sorgfältig behandelt...

liebe Barbara2,
Strukturalist,naja: wir werden stark von Strukturen gelebt
und: ja, die Sprache sagt dem Arzt wen er vor sich hat, aber Ausländer, die Intonation und Nuancen nicht hören können und die nur grobe Statussymbole sehen,
können Menschen sozial nicht richtig einordnen, hier im Haus z.B. hat der Schwiegersohn des Hausbesitzers, ein bulgarischer Internist, die Ordination - schon daß ich in der Bruchbude wohne beweist ihm ja daß ich arm und kein Zurückgrüßen wert bin - den Hund hält er auch für einen Pitbull und mich wahrscheinlich für eine Putzfrau. Die persische Frau Professor, die früher unter mit wohnte und die mit Titel auftrat und einmal in seine Ordi kam, konnte er dank Titel "richtig" einordnen: nämlich als jemanden, dem man eine Privattaxe abverlangen kann (was sie richtig als Abzocke verstand und nie wieder hinging).
Ich selber kann Franzosen und Italiener (da hab ich Menschen aus allen Schichten kennengelernt und weiß wie sie sprechen) vom Hören zuordnen, dazu brauch ich keine
Tods und BcBGs sehen. Und bei Briten hört man es auch und merkt es an den Manieren. Aber Osteinwanderer reagieren auf Gold, Geld und Titel. Inder und Asiaten sind da viel subtiler und beobachtungsfähiger.