Sonntag, 30. Mai 2010


Rätzelchen: die junge Dame rechts, namens Ekaterina, hat heute einen der beiden alten
Zausel geheiratet. Aber welchen? den mit oder den ohne Krawatte? Nicht googeln, sondern psychologisieren, bitte! Ein Hinweis: "ich möchte mit Ekaterina alt werden"
sagte der glückliche Bräutigam, ganz außer acht lassend, daß er selber ja bereits alt ist.
Also es ist der mit dem gelgestrubbelten Grauhaar und dem t-shirt, er hat sich im Habitus verjüngt.
liebe canaillos, so eine böse society - Kolummne täte mir schon Spaß machen, ich gebs zu! Ekaterina ist Juristin, liest man, scheint aber nicht nur auf die Wirkung ihrer Diplome gesetzt zu haben.

Samstag, 29. Mai 2010


















liebe Barbara2, das seh ich so beim Gassigehn; der Verein ist die niedrigschwellige Version eines Anwaltsbüros, die Mosaiken aus dem Deko-Budget der 50er und 60er, das damals üblich war, ein paar Reste der alten Vorstadt, Jugendstil beim Tischler und eine Fassade mit niedrigem Dienstboten-Obergeschoß, die goldenen Schuhe von einer jungen Frau, die sich für den Samstagabend schön gemacht hatte ...
ich hab sie angesprochen und gefragt ob ich ihre tollen Schuhe fotografieren darf,
sie hatte übrigens auch eine goldene Tasche, schwarze Leggings sind sehr "in" - Buschen und Mädels machen sich schön, man sieht den look auch mit Kopftuch, es sind eben die verschiedensten Kompromisse von Tradition und Mode möglich

Ich habe Wochen meines Lebens in der kleinen Bibliothek in Freuds alter, gar nicht als bürgerlich beeindruckender, Wohnung verbracht. Es war eine Präsenzbibliothek, man konnte alles lesen, es kamen nur sehr wenige Besucher, zumeist Analytiker aus den USA, der BRD und Frankreich. Das Haus, ein typisches Wiener Zinshaus, allerdings in Uni-Nähe, bot keine allzu großen Wohnungen, sodaß die Freuds zwei Wohnungen zusammenlegten um Platz für Ordination und eine Familie mit 6 Kindern zu haben. Die verbliebenen Möbel waren häßlich, kein einziges schönes Stück das älter als Historismus wäre. Mit dem Interesse an der Psychoanalyse stieg auch das an Freuds Wohnung, aus der ihn die Nazis vertrieben hatten. Eine Bibliothek mit Bibliothekar
und Arbeitstischen wurde eingerichtet, das Lesen wurde umständlicher und Inge Scholz-Strasser, die von Leupold-Löwenthal (der einfach administrative Entlastung wollte und der eifrigen Gschaftelhuberin auf den Leim gegangen war) angeheuert worden war, begann sich überall einzumischen. Lehrerin, was ihr zu wenig glamorous war, in zweiter Ehe mit Scholz, dem Sekretär Zilks und dann Stadtschulratspräsidenten, auch ein Karriere-Lehrer, verheiratet, schuf sie sich "eine Position". Plötzlich bekam ich Bücher, und historische Zeitschriftenbände, die ich jahrelang bekommen hatte, in der neu organisierten Bibliothek nicht mehr. Aber damals las ich dann ohnehin schon viel mehr Lacan, und mußte dazu nicht ins Freud-Museum. Natürlich sah ich sie hin und wieder, vor allem im Theater, und jedesmal wurde mein Aufzug (ich trug oft vintage Kleider) scheel gemustert. Zu solchen Blicken war wirklich nur die Scholz-Strasser fähig. Sie hatte eine analytische Ausbildung gemacht, hörte ich, und ich konnte mir eine so kompetitive und mißgünstige Person nur schwer als Analytiker, der einem anderen einen Raum der Freiheit vorstreckt, vorstellen. Die alten Menschen im Vorstand ließen sie offenbar schalten und walten, die Gleichaltrigen wichen der Institution einfach aus.

liebe Barbara2, es waren keine Jeans mit reingeschnittenen Löchern, sondern alte Kleider :--)

Donnerstag, 27. Mai 2010


Wiener Wahlkampf bitte auf die blaue Schrift klicken! (da bei uns die Serben die größte migrantische Gruppe sind, geht es Strache darum, deren antimuslimische Ressentiments zu kapitalisieren)
liebe Barbara1, ja, einem Antragsteller zu attestieren er sei auf dem richtigen konzeptionellen Weg, ist gediegener Verzögerer/Verhindererjargon...

Mittwoch, 26. Mai 2010


Als ich nach Pfingsten in die Arbeit kam, war schon die Polizei da, es war schon wieder eingebrochen und die Getränkeautomaten für Kaffee und Limo waren wieder geknackt worden. Viel hatten die Täter nicht erbeutet, so um die 50,- Euro. In der Woche vorher war einem Kollegen während einer Beratung das handy geklaut worden und Freunde berichten, daß in die Schulen der Kinder oder das Büro des Bürgermeisters in dem Ort im Speckgütel Wiens, in dem sie wohnen, immer wieder eingebrochen wird und daß der Fahrkartenautomat am Bahnhof auch ständig kaputt, weil aufgebrochen, ist. Wenn die ökonomische Krise bis zum Herbst noch stärker durchgeschlagen haben wird, wird sich all das noch verstärken.
Immer wieder höre ich Geschichten über Mobbing, Klientelismus und Korruption am Arbeitsplatz. Die arbeitsrechtliche Situation in all den Putzdiensten und den typischen unqualifizierten Migrantenjobs ist sowieso schon wackelig, dazu kommen aber noch die Animositäten zwischen den Arbeitnehmern selbst. Wenn dem Führer einer Putzpartie nicht Geldscheine in die Arbeitsmanteltasche gesteckt werden, und das hübsch regelmäßig, dann wird er die Arbeitsleistung des Spendenunwilligen als unzureichende beschreiben und der wird den Job verlieren, also wird geschmiert. Einen Level höher gibts all die frisierten Lebensläufe und Angeber gibts nicht nur unter Männern, oh nein. Ich höre mir all die phantastischen Karrieregeschichten unter beifälligen hmmhmms an und empfehle dann die Jobsuche über einen renommierten Personalvermittler ("bei Ihrer Karriere!")der auch die lästige Arbeit des Referenzenbeibringens übernehmen wird. Dann verstummen die Managementgenies regelmäßig und wir können in Ruhe unsere eigentlichen Themen bearbeiten.
Exotischere Einwanderer, auch wenn sie sehr qualifiziert sind, landen (außer sie haben UNO-Jobs)zu Beginn oft in Migrantenhäusern wie dem meinen und leiden darunter, denn die Wohnsituation ist oft schlechter als in der Heimat und sie erleben auch noch ethnisches Mobbing. Gesellschaften, die ethnic cleansing mit Mythen rechtfertigen statten ihre Mitglieder auch mit wenig moralischer Selbstkontrolle aus und Dunkelhäutigere (auch Doktoren) werden von unverschämten Putzfrauen und Hausmeistern mit Vergnügen angegangen. Wenn die eigene Funktion immer nur zwischen Putzen, Kellnern und Prostitution liegt, ist der als Kontrolle getarnte Übergriff eine wohltätige Kompensation. Abseits vom sozialen Rudel zu hausen lädt immer zu kompensatorischen Übergriffen von Neidern ein: der balkanische Putzdrachen wird den
indischen Wissenschaftler rassistisch angehen und der kleine Vertriebler den Nachbarn, von dem er mitkriegt daß der XY, mit dem der Vertriebler schrecklich gern in einen Geschäftskontakt käme, gut kennt, wenn der Nachbar sich nicht in einen Kontakt ziehen läßt. Bei Spammerm, Stalkern und Mobbern immer die gleiche psychische Dynamik: was er nicht haben kann, verfolgt er mit narzißtischer Rachsucht. Dieses aggressive Verfolgen veschafft dem Verfolger Macht-und Hochgefühle, und so manche Spammer, Stalker und Mobber helfen dem noch mit der entsprechenden Intoxikation nach.

Montag, 24. Mai 2010




Wer manchmal Vogue blättert, aber nicht die Deutsche, dem ist Carine Roitfeld (auf dem Foto rechts) ein Begriff. Altersgenossin, die Rock-und Punk zitiert, die großen Kinder sind auch schon im Modebusiness, sie stöckelt noch immer auf Fetisch-Schuhen rum. Aber: sie ist fast 40 Jahre mit dem gleichen Mann zusammen. Den mußte ich googeln! Und so sieht er aus, ein ehemaliger Modeunternehmer. Die beiden erinnern mich an das Geschwisterpaar in Thomas Manns Wälsungenblut: two of a kind. Umfrage: na , wie gefallen Euch die beiden?

Wie alle Großstädte (ach, und die Kleinstädte ja auch) hat Wien ein Drogenproblem. Harte und synthetische Drogen für die Unterschicht, mit Alkohol und Gras inszenieren die Schüler ihre Übergangsriten vom postödipalen Kind zum Jugendlichen. Die liberalen Psychiater sagen den verzweifelten Eltern der Jungs die mit Anfang zwanzig (erst tolle Schüler, dann immer aufsässiger, irgendwie noch durch die Matura geschubst, dann nur noch rumgehangen und eingeraucht) einen psychotischen Zusammenbruch haben, das Haschisch sei ein Selbstheilungsversuch gewesen und hätte die Psychose überdeckt und die weniger liberalen Psychiater sagen, das Haschisch habe die Psychose evoziert.
Aber als Schickimickidroge, bei der man nie vom schlimmen Ende der Geschichte hört, gilt Kokain. Dabei ist es das, was es schon bei Freud (der davon in seinen Brautbriefen an Minna Bernays berichtet und der es auch Fließ empfahl) war: ein Mittel um alles aus sich rauszuholen um es doch noch zu schaffen. Freud, der natürlich nicht Militärarzt werden wollte, und eigentlich auch keine Ordination aufmachen, für die man damals einen gesellschaftlichen Kreis brauchte (den sein Freund Fließ, der auch reich verheiratet war, hatte). An der Universität konnte er als Jude nicht reussieren und seine Braut war arm, aber er probierte doch eine wissenschaftliche Karriere, arbeitete wie verrückt und putschte sich mit Kokain über Müdigkeit, Vernunft und Selbstzweifel hinweg. Freud konnte mit dem Coca aufhören, war aber zeitlebens schwer nikotinsüchtig. Kokain ist nicht die Oberschichtdroge, wie die Medien glauben machen wollen (wie auch die Gestalten in den Medien weder Oberschicht noch Entscheidungsträger sind und die jungen Leute der Oberschicht viel strenger, leistungsbetonter und konservativer erzogen sind als die meisten Leute denken) sondern ein Putscher für den Narzißmus. Ohne diese spezielle Wirkung Befangenheit, Minderwertigkeitsgefühle und Selbstzweifel ins Gegenteil verkehren zu können, wären auch Alkohol, Kaffee, Guarana, Energydrinks und Weckamine ausreichend. Energetisierende Drogen,die das Hungergefühl ausschalten, wie Guarana, Betelblätter, aber auch Schwarztee, die Überlebenshilfen für die Armen der dritten Welt.

Ostösterreich und Wien leiden unter dem Kriminaltourismus und den Kriminellen aus dem ehemaligen Ostblock; angeblich gehen 30% der Wohnungseinbrüche auf die georgische Mafia zurück. Die Leitung dieser streng hierarchisch organisierten Gruppe haben zumeist Moskauer Georgier, die "Soldaten" werden in den armen georgischen Provinzen rekrutiert. Aber auch Serben, Bulgaren und Rumänen sind kriminell sehr aktiv und vor kurzer Zeit wurde ein türkischer Internist, der sich bei uns nostrifiziert und bereits im Spital eine Stelle als Arzt bekommen hatte, beim Einbrechen erwischt, er hatte sich die Adressen von älteren Spitalspatienten beschafft und während deren Krankenhausaufenthalt ein Dutzend Wohnungen ausgeräumt. Handwerk und Kriminalität sind streng ethnisch organisiert: Krankenpflege indisch und phillippinisch, Flickschuster und Schlüsselschleifer bucharische Juden, Zeitungskolporteure Sikh aus dem Punjab, Dealer Nigerianer, Albaner und Roma, Putzfrauen kommen aus Polen oder vom Balkan, Prostituierte aus Russland, Weißrussland und der Ukraine, aber auch aus Bulgarien und Rumänien.
Einen Graben gibt es zwischen den erfolgreichen und schon lange ansässigen Zuwanderern vom Balkan (Krankenschwestern mit Matura, Druckern und Technikern aus der Vojvodina, die wenig zum Nationalismus neigen) und der serbischen Nachkriegsmigration und der untersten Schicht von Bauarbeitern und Hausmeistern.
Hier im Haus wurde bei einem sehr netten (beide berufstätig, keine Kinder, die Wohnung liebevoll hergerichtet) und schon lange hier ansässigen serbischen Paar wiederholt eingebrochen, obwohl die Wohnung die allererste ist, wenn man das Haus betritt und solche Türen für Einbrecher eher ungünstig sind. Aber ihr geordneter Lebensstil wurde wohl in der Umgebung neidvoll wahrgenommen und kolportiert.
Kein Schmuck, keine Statusbags und das I-Dings in den Öffis (öffentliche Verkehrsmittel) nicht benutzen, elegante Kleidung verbietet sich in den schmuddeligen Öffis ohnehin von selbst, alles muß durch die Waschmaschine. Heute erinnerten wir uns an einen alten Film (war es ein Woody Allen?) in dem eine etwas neurotische, sehr sympathische junge Frau in der NY Subway fährt und glücklich ihren Verlobungsring betrachtet: finally he did commit! Dann merkt sie einen Blick von gegenüber und dreht den Stein nach innen. Sie steigt aus, geht in ihre Selbsterfahrungsgruppe, alle sitzen im Kreis, erzählen von sich, da geht die Tür auf, zwei Bewaffnete verlangen alle Uhren, alle Geldbörsen. Das Gegenüber aus der U-Bahn! Sie bricht in Tränen aus und sagt: ich bin schuld, ich hätte meinen Verlobungsring nicht in der U-Bahn tragen dürfen.
Außer dem Einbruch gibts auch noch das Eindringen in fremde Wohnungen als Dominanz-und Einschüchterungsgeste. Das machen Kriminelle, aber nicht nur. Auch Leute mit Kontrollallüren, die sie vor sich als Fürsorge bemänteln. Als mir die Frau, die mir diese Wohnung vermittelte, erzählte, daß ihre Nichte, die im Spital arbeitet, zur Unzufriedenheit ihrer Eltern nichts erübrigte um es in Pensionsfonds einzuzahlen, und Eltern und diese Tante daraufhin ihre Wohnung ("de Ladln") durchsuchten, um zu sehen wofür die - erwachsene! - Nichte ihr Gehalt ausgibt ("lauter Bledsinn") wußte ich Bescheid.




Selbstverständlich ist Kontinuität ein Faszinosum: seit den Kreuzzügen gibt es den Malteser Orden. Nicht ganz so exklusiv wie die Sternkreuzordensdamen, die am Aussterben sind, aber doch so, daß alle Leute dort über Generationen miteinander verwandt sind und das aufstrebende Bürgertum sich eigene Organisationen mit Komtureien und sehr excludierenden Regelungen erfinden mußte (Alexander Dill hat in seinem blog mal so eine Salzburger Dame sehr gut portraitiert). Die Tracht der Mädchen kommt von den Krankenpflegerinnen des WK1, aber auch heute noch sind die Malteser ein Faktor in Rettung und Krankenversorgung. Bei der Love Parade, bei der man nicht so recht weiß, ob es eine Saturnalie oder eine Marketinggeschichte ist, treffen die Milieus dann aufeinander, im modernst ausgestatteten Rettungswagen warten Comtessen um Alkleichen und Zugedröhnte aufzuklauben und wiederzubeleben. Dabei lernt man den Cousin 3. Grades, den man vorher nicht so oft traf, besser kennen, verliebt sich, heiratet und bekommt 3 bis 6 Kinder. Die Ehen verlaufen sehr glücklich, es gibt immer noch kaum Scheidungen.

Sonntag, 23. Mai 2010















es grünt ums Eck und auf den Champs Elysees

Tisch von Adolf Loos. Frühstück mit Freunden, dort auch Loos Möbel und schöne Bilder und ein Jurist, dem sie meine Wohnungsgeschichte erzählt haben. Man kann nie zu reich und zu dünn sein und man kann nie genug Juristen kennen. Vor allem in einem Haus das Juristen gehört. Am reich sein fehlt es noch, aber an Juristen mittlerweile nicht mehr.
Ich habe eine Zeit lang mit einem Juristen gelebt und in dieser Zeit waren meine Arbeitsverträge korrekt, Honorare wurden pünktlich gezahlt und ich mit "liebe gnädige Frau" angesprochen. Ich hatte ein Buchprojekt mit einem der Juristenfreunde und wir waren so oft eingeladen daß ich eine Hummerallergie bekam. Dank meiner Mutter ("Gäste und Geschäftsfreunde sind keine persönlichen Freunde") war mir immer klar daß all das nur der sozialen Persona und nicht mir galt.



Marterl (so heißen bei uns die kleinen Bildstöcke, die oft den Gekreuzigten und Gemarterten Jesus ,daher Marterl, zeigten )an einer Wegkreuzung, mit einem Heiligen, den ich erst googeln mußte, und der von Katholiken und Muslimen gleichermaßen verehrt wird. So wurde das - wohl vernachlässigte - Marterl internationalisiert, vor dem Bild des Mönchs ist ein schützendes Plexiglastürchen, der Bildstock wurde frisch geweißt.
Nun wird es warm und der Regen wird aufhören: denn die Ringelnattern sonnten sich schon am nassen Waldrand. Der Hund interesiert sich nicht für sie, steigt einfach über sie hinweg und sie fliehen nicht vor ihm. Ich bleibe stehen, schaue nach den gelben Wangenflecken, dem zierlich abgesetzten Köpfchen, und sie fliehen.

Samstag, 22. Mai 2010


Raphael und Gabriel als Seelenführer, 12.Jh, Katalonien

Freitag, 21. Mai 2010



Die Pelargonien haben Platz und entwickeln kugelige Blütendolden (ist das botanisch korrekt gesagt, liebe Barbara2?) und das Stadtgartenamt hat die abgeblühten Tulpen entfernt und gestaltet und bepflanzt die Blumeninsel neu, es hat auch heute wieder geregnet, aber ein bißchen Abendrot verheißt für morgen Sonne.