
Ostösterreich und Wien leiden unter dem Kriminaltourismus und den Kriminellen aus dem ehemaligen Ostblock; angeblich gehen 30% der Wohnungseinbrüche auf die georgische Mafia zurück. Die Leitung dieser streng hierarchisch organisierten Gruppe haben zumeist Moskauer Georgier, die "Soldaten" werden in den armen georgischen Provinzen rekrutiert. Aber auch Serben, Bulgaren und Rumänen sind kriminell sehr aktiv und vor kurzer Zeit wurde ein türkischer Internist, der sich bei uns nostrifiziert und bereits im Spital eine Stelle als Arzt bekommen hatte, beim Einbrechen erwischt, er hatte sich die Adressen von älteren Spitalspatienten beschafft und während deren Krankenhausaufenthalt ein Dutzend Wohnungen ausgeräumt. Handwerk und Kriminalität sind streng ethnisch organisiert: Krankenpflege indisch und phillippinisch, Flickschuster und Schlüsselschleifer bucharische Juden, Zeitungskolporteure Sikh aus dem Punjab, Dealer Nigerianer, Albaner und Roma, Putzfrauen kommen aus Polen oder vom Balkan, Prostituierte aus Russland, Weißrussland und der Ukraine, aber auch aus Bulgarien und Rumänien.
Einen Graben gibt es zwischen den erfolgreichen und schon lange ansässigen Zuwanderern vom Balkan (Krankenschwestern mit Matura, Druckern und Technikern aus der Vojvodina, die wenig zum Nationalismus neigen) und der serbischen Nachkriegsmigration und der untersten Schicht von Bauarbeitern und Hausmeistern.
Hier im Haus wurde bei einem sehr netten (beide berufstätig, keine Kinder, die Wohnung liebevoll hergerichtet) und schon lange hier ansässigen serbischen Paar wiederholt eingebrochen, obwohl die Wohnung die allererste ist, wenn man das Haus betritt und solche Türen für Einbrecher eher ungünstig sind. Aber ihr geordneter Lebensstil wurde wohl in der Umgebung neidvoll wahrgenommen und kolportiert.
Kein Schmuck, keine Statusbags und das I-Dings in den Öffis (öffentliche Verkehrsmittel) nicht benutzen, elegante Kleidung verbietet sich in den schmuddeligen Öffis ohnehin von selbst, alles muß durch die Waschmaschine. Heute erinnerten wir uns an einen alten Film (war es ein Woody Allen?) in dem eine etwas neurotische, sehr sympathische junge Frau in der NY Subway fährt und glücklich ihren Verlobungsring betrachtet: finally he did commit! Dann merkt sie einen Blick von gegenüber und dreht den Stein nach innen. Sie steigt aus, geht in ihre Selbsterfahrungsgruppe, alle sitzen im Kreis, erzählen von sich, da geht die Tür auf, zwei Bewaffnete verlangen alle Uhren, alle Geldbörsen. Das Gegenüber aus der U-Bahn! Sie bricht in Tränen aus und sagt: ich bin schuld, ich hätte meinen Verlobungsring nicht in der U-Bahn tragen dürfen.
Außer dem Einbruch gibts auch noch das Eindringen in fremde Wohnungen als Dominanz-und Einschüchterungsgeste. Das machen Kriminelle, aber nicht nur. Auch Leute mit Kontrollallüren, die sie vor sich als Fürsorge bemänteln. Als mir die Frau, die mir diese Wohnung vermittelte, erzählte, daß ihre Nichte, die im Spital arbeitet, zur Unzufriedenheit ihrer Eltern nichts erübrigte um es in Pensionsfonds einzuzahlen, und Eltern und diese Tante daraufhin ihre Wohnung ("de Ladln") durchsuchten, um zu sehen wofür die - erwachsene! - Nichte ihr Gehalt ausgibt ("lauter Bledsinn") wußte ich Bescheid.