Montag, 31. Januar 2011



Arnold Böcklin hat öfters Kentauren gemalt, Nymphen entführend, einen beim Schmied und diesen, der den Fischlein in einer Wasserlache zuschaut

Schon bei der Hochzeit war mir aufgefallen, daß der Bräutigam die in dieser Familie gehäuft auftretenden Apothekerinnen und Kunsthistorikerinnen links liegen ließ und sich an die Banker und Vermögensverwalter, die es ebenfalls gibt, ranmachte. Ein hübscher Knabe, nicht wirklich sympathisch, aber was kann man schon machen, wenn sich die Tochter ausgerechnet diesen einbildet und dann auch noch schwanger wird und unbedingt heiraten will. Die süßen und sehr munteren Zwillinge sind geboren und die junge Frau hat mit viel Glück eine liebe und verläßliche migrantische Kinderfrau gefunden die sie betreut, so daß sie doch ihr Studium zu Ende bringen kann. Zu Mittag kommt das Schulkind der Kinderfrau zu den Zwillingen, studentische Mutter, Kinderfrau und die drei Kinder essen zusammen was die Kinderfrau gekocht hat und am Nachmittag macht das Schulkind an einem ruhigen Plätzchen seine Aufgaben und wenn es dabei Probleme gibt, hilft ihm die studentische Mutter. So läuft alles bestens, aber der Jungschnösel von Vater will nicht, daß seine Zwillinge mit dem Migrantenkind zusammen sind; das Schulkind soll nach der Schule zu sich nach Hause, was Vorgekochtes essen und den Nachmittag allein oder im Hort verbringen. Wir finden das alle dumm, unpraktisch und unsozial. Der kleine Neocon findet wir hätten 68er Flausen. Wir aber erinnern uns an die Erzählungen unserer Mütter, die irgendwann mal rausfanden, daß das geliebte Kinderfräulein ein lediges Kind versteckt hinter den sieben Bergen und die Köchin einen als Neffen bezeichneten Sohn in einem Internat, für das sie eisern sparen mußte, hatte. Diese Zeiten seien endgültig vorbei, - dachten wir.


Wenn im "Lifthaus mit Parkblick" der Lift stillsteht, beeindruckt meine Gäste das Stiegenhaus.
Es ist kalt und grau, ein abweisender Montagmorgen, aber die news sind gut und ich hatte einen schönen Traum: eine Gruppe von Kentauren, Männer und Frauen, nimmt mich freundlich und aufmunternd auf.

Sonntag, 30. Januar 2011




Saukalt, grauer Himmel, keine Lust zu kochen, also Menü vom türkischen Bäcker, der auch Sonntags frisches Brot hat. Dünne, mit Spinat und Käse gefüllte Palatschinken, die ich in der Pfanne wärme, frisches Baclava das sehr gut zu Mokka schmeckt und abends Fladenbrot und dazu Avocadocreme (Avocado, Zitronensaft, Senf, Salz, Pfeffer).
Wir verfolgen die internationalen Kommentare zum Geschehen in Tunis und Kairo; die Situation in middle east wird sich weiter destabilisieren. Die österreichischen Medien berichten vor allem von der Rückkehr El Baradeis, der in Wien lebte, Direktor der IAEO war.

Samstag, 29. Januar 2011



Lassen Sie um Himmelswillen keinen Neidigen in Ihr Leben. Geizige sind harmlos, die bleiben bei sich und ihrem Schatz, die brauchen keine anderen zu ihrer Obsession. Aber Neider brauchen andere, an denen sie Unterschiede zu sich selbst feststellen und neiden können.Seien Sie bei neuen Bekanntschaften, die sich in Ihr Leben drängen aufmerksam und wachsam, achten Sie auf kleine Zeichen und verfallen Sie bitte nicht in den Irrtum, einen Neidigen mit Großzügigkeit beschämen, ja quasi heilen zu können.
Zumeist beginnt es ja mit dem Geschwisterneid, mit tatsächlicher oder gefühlter Hintansetzung und es kann so vehement und abstoßend sein, daß Eltern vor ihrem kleinen Neiderkind erschrecken. Oft geht es über Generationen, die KOnstellation vererbt sich. Dilettieren Sie nicht als Psychotherapeut, ergreifen Sie die Flucht,
der Neider wird Ihnen jede harmlose Freude mißgönnen, Sie können gar nicht arm genug sein um vor seinem Neid sicher zu sein, nur wenn Sie völlig ko sind, haben Sie ein wenig echtes Wohlwollen zu erwarten, aber wehe Sie erholen sich wieder!


Phillipp Franck

Freitag, 28. Januar 2011


"Die junge Frau liebt ihren Chefarzt Dr. Robert Sanden. Doch der ist ein knallharter Gewinnmaximierer. Um den geliebten Mann zu verstehen, stürzt sie sich in die Preistheorie..."
Hier gehts zum "Schwester-Helga-Typ-Test (erfahren Sie wo Ihr Herz schlägt!)"

lieber Herrmann,
ist in Arbeit!
lieben Gruß!

Josef Winkler zitiert Peter Handke: "Belehre mich nicht, denn das macht mich blöde"

Donnerstag, 27. Januar 2011



Zum Essen bei Freunden, es gibt Feuer im Kamin, jemanden der sich ans Klavier setzt.
Später kommen die großen, studierenden Kinder nach Hause und setzen sich dazu.

liebe Barbara,
und? schön!sehr schön!

Pensionistinnen fliegen um die Welt ("oba den Potala moch ma no") und berichten dann, daß "da eh ollas zabreslt", und "koit woars aa". Glücklicherweise nehmen andre Menschen mehr wahr und dokumentieren es auch.


Die Papiertasche mit dem Luxuslabel ist das kleine, anrührende Imponiermittel der Vorstadttussi.Stolz wird sie über der it-bag-Kopie vom Chinesen getragen und vorgezeigt. Wenn sie schon etwas abgetragener ausieht, und wenn man sie an einer unaufgetakelten, müden Person sieht, dann enthält sie Jause, U-Bahn-Gratiszeitung, Putzmittel und Arbeitsmantel und hat einmal wirklich teure Ware enthalten, wurde von der Käuferin dann aufgehoben und wird von ihrer Putzfrau weiterverwendet, da stabil, haltbar ,praktisch, gratis. Die nagelneue Hochglanzluxuslabelbag aber hat eine andere history: die Trägerin, oder deren Verwandschaft&Bekanntschaft, putzt im Luxusladen. Und dann gibts noch eine dritte Version: die bildhübsche Immigrantentochter mit Ausbildung und vielfältigen Sprachkenntnissen verkauft im Laden und ihre - zu Recht! - stolze Mutter schenkt mir so eine paperbag, für die ich mich sehr bedanke und in der ich Bücher sortiere und unter meinem großen Arbeitstisch zwischenlagere.

Mittwoch, 26. Januar 2011





Im Park sind alle Sträucher radikal zurückgestutzt worden, damit die Polizei mit dem Auto durchfahren und das Gelände gut überblicken kann; nur zwischen öffentlicher Toilette und Tiefgarageneinfahrt sind in einem Winkel noch einige große Sträucher für die kleinen Singvögel geblieben und dort werden sie auch gefüttert.
Versicherungen verlangen für diesen Bezirk (Kriminalität) einen Zuschlag für die Haushaltsversicherung und Vermieter einen Zuschlag wegen der "guten Lage im nicht dicht verbauten Gebiet". Die (eigentlich hübschen) Parks sind aber Relikt der Stadtplanung des Roten Wien und gehören organisch zu den großen alten Gemeindebauten.

Heute früh hab ich Bauten der Gemeinde Wien von Josef Frank entdeckt, sie sind sorgfältig renoviert und (trotz Schlichtkeit und sparsamster Bauweise, Baujahr 1931/32) fielen mir durch die gute Proportion und den Fensterrhytmus auf. Josef Frank, der vor den Nazis fliehen mußte und in Schweden eine zweite Karriere als Designer für Möbel und Textilien aufbauen konnte, ist meiner liebsten Architekten; ich kenne auch einige seiner ganz frühen Bauten für das aufgeklärte Großbürgertum von innen.
Schön, sagt B. und wir trinken Tee (aus dänischen Tassen aus den 60ern, beide mögen wir das Augartenporzellan mit den Röschen und Kleeblättchen nicht, das hier so verbreitet ist und zu dem einem die Leute dann noch die Alpakalöffel stolz aufs chinesische Tischtuch dazulegen) und essen dazu Butterbrot.

Dienstag, 25. Januar 2011


Jetzt aber eine Pause im Häßlichen, sagt B, und dem komme ich gerne nach. Gudrun Baudisch (ihr schönes Geschirr für die Gmundner Keramik, jetzt Hallstatt, fiel mir heute ein, leider haben nur ein paar Stücke bei mir die Zeitläufte überlebt, sie sind hier gar nicht erst ausgepackt worden, deswegen kein Bild davon)


Auch die Madonna auf da Köllaschtiagn verhindert Postdiebstahl leider, leider nicht
(die Nische mit der Madonna ist die Stiftung einer im letzten Jahr mit 95 oder 96 Jahren verstorbenen Frau, die im Parterre neben der Ordination wohnte; schade, daß die Madonna so auf der Kellerstiege versteckt ist; immer wenn ich sie sehe, fällt mir eine große Nische mit Madonna im ersten Stock eines Hauses, das ein k&k Finanzminister erbauen ließ, ein...)

Montag, 24. Januar 2011



morgendlicher "Parkblick" und tatsächlich, heute Sonne!


nächtlicher "Parkblick"
Zizeks Artikel zu wikileaks

Sonntag, 23. Januar 2011

Samstag, 22. Januar 2011


Die Umgebung böte massig Stoff zur Sozialkolportage, wir aber schließen mit "einem Blick auf jenes Leben, welches das Recht ja nur begleitet".

Freitag, 21. Januar 2011


Woran erkennt man Sozialdemokraten, fragt der Enkel (Unterstufe Gymnasium). Die Jungen daran, daß sie bei den Grünen sind und die Alten daran, daß sie sich mokieren, wenn sie mit "Grüß Gott" gegrüßt werden. Es ist dies der Typus mit den erhöhten Triglyzeriden und man begrüßt sie am besten immer mit "Maahlzeit".
Und die dazwischen? Die sammeln Rotweine, während die Schwarzen niederösterreichischen Weißwein trinken und dann gemeinsam im Mondschein singen.
Und die Helden? Ach, die sind schon alle tot.

Donnerstag, 20. Januar 2011


Das schöne Wetter ist vorbei, der gräßliche Wiener Winter macht weiter und ich koche wie immer im Winter, wieder etwas stärker indisch gewürzt: mit Kreuzkümmel, Bockshornklee und Asafoetida (das schmeckt ein bißchen ähnlich wie Knoblauch). Die halbierten roten Linsen aus Indien werden schneller weich als die üblichen und mit Kichererbsenmehl mache ich selbst Laddu (indischer Konfekt, aus Kichererbsenmehl, Ghee und Rohr-oder Palmblütenzucker zu etwa gleichen Teilen; ein Nachtisch den man ohne Backrohr zubereiten kann, das Backrohr hier war schon beim Einzug völlig hinüber, das hat aber auch sein Gutes, denn Fertigpizzas als Notlösung gehn hier eben nicht). Laddu schmeckt sehr gut zu indischem -Gewürztee mit Muskatnuß.

Mittwoch, 19. Januar 2011


Das oben ist der extra zu bezahlende Parkblick.
Und die durchgestierlten, gestohlenen Poststücke, darunter auch hinterlegte Nachrichten von Einschreiben, werden wir auch extra zahlen, am besten unter dem Titel:
Zuschlag zur Richtwertmiete "secretarial services" (Sichtung und Bearbeitung der persönlichen Post). Man lebt hier ja wie in einem boarding house, nicht wahr?

PS: für Leser aus der BRD, die Hausbriefkästen in Österreich wurden nach dem Fall des Postmonopols ausgetauscht, sie haben eine Klappe, durch die jeder Zusteller Poststücke einwerfen kann, nicht nur der Briefträger. Genauso kann aber auch jeder ins Postfach reingreifen und sich bedienen.

Na, fragt B., wo sind die falschen Perser im Entree? Nur an Sonn-und Feiertagen, mein Lieber, sag ich, an Wochentagen wird die Wohnung neben der Ordination renoviert und da gibts keine falschen Perser. Aber: ich glaub ich zahl für die falschen Perser freiwillig auch noch eine shabby-chic-Zulage zur Richtwertmiete, was meinst? Unbedingt, sagt der B., weil der wenig-dicht-verbaute-Umfeld -Zuschlag und der Parkblick-Zuschlag allein werden dem exceptionellen Ambiente doch nicht gerecht.

liebe Barbara,
links vom Lift sind noch drei Türen, dort ist die Ordination (Arztpraxis).
Pro Stockwerk gibts 6 Wohnungen, von denen jeweils nur 2 auch tatsächlich den Parkblick haben, da es ein Eckhaus ist.Diese ungerechtfertigten und ungenehmigten Zuschläge sind so verbreitet, daß die Stadtverwaltung für Mieter nun extra eine site zur Überprüfung eingerichtet hat.

Montag, 17. Januar 2011




Bruno Kreisky und seine Hunde

Eine neue Initiative von Alexander Dill, bzw. vom Basler Institut für Gemeingüter.
Dazu ein Artikel.Meine erste Reaktion als ich das las war etwa so wie die auf der site der Initiative angeführte "staatsidealistischer Unsinn", aber der SPIEGEL-Artikel kontextualisiert es ganz gut.

liebe Maurulam,
das ist Alexander Dills Idee und Initiative, ich habe auch nur zufällig (link) davon gelesen!

Am besten gegen Kälte ist natürlich Wolle. Ungefärbte Wolle vom Rhönschaf, gefärbt, gefilzt, verstrickt, zu Loden verarbeitet. Und für alte Knochen das Beste ist Kaschmir, der - gut behandelt - ewig hält und wärmt. Aber Naturfasern lassen sich nicht unendlich oft waschen, sie setzten eine geordnete, oder zumindest nur naturdreckige Umgebung voraus, keinen Stadtgrind. Deswegen fleece, fleece, fleece und Wolle nur zum Erinnern.
In gutbürgerlichen Haushalten (das sind solche in denen man sich nicht mit den Hausmeistern duzt, ihnen aber auch mehr als das absolute Minimum zahlt und ihnen eine ordentliche Unterkunft zur Verfügung stellt - kurz gesagt: Familien in denen die primäre Akkumulation wo Kleinvieh noch Mist macht schon etliche Generationen her ist) wird nach Ostern Kaschmir gewaschen ( ein paar Jäckchen für den Sommer ausgenommen). Das überläßt die Hausfrau nicht der Haushaltshilfe, die zwar allein Silber putzen darf, nein, das macht sie höchstpersönlich, in der Badewanne vom Gästebad. Unterschieden nach Farben werden die guten Stücke gebadet, in biowollshampoo mit Lavendelduft geschwenkt, gespült, gespült und nochmals gespült. Selbstverständlich alles von Hand! In so einem gediegenen Haushalt kommen schon eine Menge Kaschmirpullunder des Hausherrn, Pullover der älteren Kinder (nur novaritchs
verwenden Kaschmir für kleine Kinder, auch wenn Hermes das verkauft) Rollis, Westchen und Twinsets und Schals aller zusammen! Zumeist dauert die Wascherei zwei Tage. Es herrscht gespannte Stimmung im Haus, auf der vorderen, der hinteren Terrasse und im Wintergarten und in der Veranda: überall trocknet sorgfältig ausgebreiteter Kaschmir, die Dame des Hauses hat Rückenschmerzen vom gebückt an der Badewanne stehen und läßt durchblicken wie sehr sie sich für die Ihren doch aufopfert. Endlich ist alles trocken, der Herr des Hauses der sich und seine Papiere im Arbeitszimmer vor der erhöhten Luftfeuchtigkeit und den schwebenden Vorwürfen geschützt hat, kommt wieder ins Esszimmer und sogar an die Küchentür schnuppern. Nach dem Trocknen kommt das Einräumen, auch eine höchst penibel zu verrichtende Sache. Ich kannte eine Frau Professor (selbstverständlich war nur der Mann Professor, aber sie war Industriellentochter und das is nicht nix) die über den Winter die Kartonblätter aus den Packungen der teuren Strumpfhosen aufhob und diese dann als Grundlage zum Pulloverfalten verwendete. Schlußendlich wurde in die Biedermeierschränke geräumt, ein Lavendelsäckchen und Zedernholzstück dazugetan und aufgeatmet. Und so hielten die guten Stücke viele, viele Jahre lang; gehobenes Bürgertum ist mit Pflegen, Hegen und Bewahren, mitunter auch mit Verteidigen beschäftigt, nicht mehr mit Raffen, Ergaunern, Übervorteilen und Imitieren.

Sonntag, 16. Januar 2011

Samstag, 15. Januar 2011


Frühlingstag - glückliche Pause im lang sich dahinziehenden abscheulichen Wiener Restwinter.

Freitag, 14. Januar 2011



Bruno Kreisky 1911 - 1990

liebe Barbara,
das ist der Vater. Er wäre heuer 100. Peter war sein Sohn.

Donnerstag, 13. Januar 2011


Wenn man den Hund anschaut, der aus Freude seinem Herrn entgegenkommt und furchtbar wedelt, schickt er nach rückwärts hinaus (als Aura) die wunderbarsten, hellrötlichen, schreiend rötlichen Garben; so daß man wirklich das Lachen des Hundes sieht an dem aurischen Umnebeltsein seines Schwanzes. [1]
Zitate:
GA 282, Seite 294 (Ausgabe 1926, 414 Seiten)

Anthrolexus, liebe Barbara, der Tipp ist eigentlich von Dir, Dankeschön nochmals!

Aus den Regeln der Malteser: „ das achtfache Elend“ (Krankheit, Hunger, Schuld, Unglaube, Verlassenheit, Heimatlosigkeit, Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit)