

Sonntagsfrühstück im bürgerlichen Nachbarbezirk, zuerst vorbei am Park von gegenüber (die treuen Leser entsinnen sich des mieterhöhenden "Parkblickes") wo der Mist vom Samstag liegt, Montag werden ihn dann die städtischen Reinigungsdienste entsorgen; daß man Kindern beibringt Mist nicht einfach liegenzulassen, ist hier nicht mehr üblich, ein anderer wird hinterherräumen... dann in der Straßenbahn eine fesche, liebenswürdige Frau, in meinem Alter, die hier alleine Kinder großgezogen und ihnen eine gute Ausbildung ermöglicht hat, als Frau hat sie vermutlich keine gute Pension, deswegen nutzt sie den schönen Spätsommertag um ins Schwimmbad zu fahren, die männlichen (und andere) Nutznießer der guten Jahre und diverser Aufstiegsmöglichkeiten haben die guten Pensionen und können reisen. Auch diese Leute stört die Veränderung ihres Wohnbezirkes, aber sie neigen nicht zu Engagement sondern einfach zur Protestwahl: wer andrer wird das für sie richten, wird "aufräumen" - im Grunde nicht weniger passiv als diejenigen, die ihren Mist wegräumen
lassen. In Hietzing dann, die Freunde, man beredet die neuesten Korruptionsgeschichten und man ist nicht völlig überrascht, zwar sozial gesehen bürgerlich und eher Wechselwähler, hat man sich über den Schüssel-Triumph nicht gefreut, man ahnte schon, daß die aufgestiegenen Königsmacher dafür was fordern würden, man hatte bereits so einiges gehört. Aber wie die freundliche Meidlingerin in der Straßenbahn, sind auch sie eine im Rückgang begriffene Sozialgruppe. Man ist wohlhabend, man ist gebildet, die Kinder kommen in die immergleichen Schulen, dort gibts kaum Mitschüler, die als Erwachsene einen dann einen Leben lang mit Duzen und angetragenen halbseidenen Geschäften behelligen werden, die Söhne haben Selbstbewußtsein und brauchen nicht für Sex zu zahlen, auch die aufdringlichen Avancen bestimmter Damen sind hier nutzlos und sollte sich ein koksbetriebener
Finanzkeiler, der gern in bessere Kreise möchte, an eine Tochter ranzumachen versuchen, wärs auch vergeblich, die Töchter haben Geschmack. Wenn man vermietet, dann korrekt, denn die Immobilien sind gepflegt, die Mieter bürgerlich und rechtskundig und sie würden von der Hausverwaltung bei Schäden und Belästigungen auch deren schnelle Beseitigung und keine unverschämten Repliken vom Typ "hams an Zeugn" erwarten. Das geht alles nur bei uninformierten und resignativen Sozialschichten rein, genauso wie das freche Handaufhalten so mancher Ärzte.
Frisches Grün, frischer Mauerkalk und Hausmeister, die tun was man gemeinhin von dieser Berufsgruppe erwarten darf - das sind halt die ganz basalen Ingredienzien einer ganz und gar nicht aufwendigen und teuren "Gentrifizierung".