Freitag, 30. September 2011



GG 1964


Ein einziges Geschäft hier könnte auch in einem Bobo-Bezirk überleben, hier wird mit einer Druckpresse vervielfältigt, wir hoffen daß die Zeichenlehrerinnen der umliegenden Schulen den Laden entdeckt haben und den uralten Linolschnitt auch noch mal machen lassen und daß die jüngeren Leute der Gegend ihre Bilder nicht nur beim Elch einkaufen sondern mal so einen hübschen Druck! Jetzt ist aber Schluß, sagt der B, hier ist ja schließlich kein style-blog für die Damen, die so hart auf den strawberryfields arbeiten, gell!


Das nimmermüde Stadtgartenamt läßt nun dort, wo bisher Mulch und im Frühling Tulpen waren, Rasen auslegen. Um gut anzuwachsen bräuchte er bald Regen, Umzäunung würde seine Überlebenschancen auch erhöhen, Grün hats hier schwer. Wir wünschen uns eine multimediale Anti-Mist-Kampagne mit etwas Biss und Provokation und Umwelterziehung auch für Pflichtschulen.

Mittwoch, 28. September 2011


Einige Baulücken in den alten Vorstadtgassen sind ganz nett aufgefüllt worden und man könnte dort auch nett wohnen. Für Berufsanfänger, die ihr Rad in die Wohnung mitnehmen und froh drüber sind daß man in der türkischen Bäckerei auch sonntags einkaufen kann, für noch Kinderlose die eine Garage für ihr Auto haben, sehr viel arbeiten und nur zum Schlafen, Relaxen und zu Hause weiterarbeiten heimkommen - für die ist das nett. Um Freunde zu treffen, Bücher zu kaufen und nett essen zu gehen muß man allerdings einen Bezirk stadteinwärts und um zu joggen einen stadtauswärts fahren. Aber mit Kindern? Mit Kindern möchte man halt Parks ohne Spritzen, altenative Kindergärten und Volksschulen hinter denen keine Dealer stehen und man möchte doch Eltern um sich, die auch ähnlich denken und denen nicht alles wurscht ist, ein Mittelschichts-Chinatown halt.

Was in der Gegend hier floriert sind Altwarengeschäfte, es gab schon einige und drei Neueröffnungen habe ich im letzten Jahr registriert; für Leute die nach verborgenen Schätzen fahnden sind sie allesamt nix, es ist vorstädtischer Hausrat, lediglich eins der drei Geschäfte versucht ehemalige Vitrinenstücke sauber und poliert wieder in Vitrinen zu offerieren, Gmundner Keramik, Zwiebelmuster, tschechisches Bleikristall.


In dem Eckgeschäft war vorher ein Nagelstudio; der türkische Gemüsehändler kauft seine Waren auch am Grüngroßmarkt, von den gleichen Grossisten wie die österreichischen Händler, die Ware ist gleich, aber das Warenangebot ist etwas unterschiedlich, entspricht den türkichen Essgewohnheiten. Türkische gefüllte Kohlblätter schmecken hervorragend, werden aber (im Unterschied zu den serbischen)
sehr klein gerollt, wie Weinblätter. Überhaupt habe ich die türkische Küche gern, die Hausfrauenküche nämlich, die ich in den letzten Jahren ein bißhen kennenlernen konnte.Ich mag den milden Geschmack von Paprika, Tomatenmark, Knoblauch die zu einer Würzsauce gekocht werden, zusammen mit Joghurt. Auch der von unseren Kochgewohnheiten verschiedene Einsatz der Kartoffel (z. als Sauce, oder als Füllung) schmeckt mir und ich mag die vielen verschiedenen Sorten Baclava, vor allem ein weißes aus Milch, Reismehl, Kokos, mit Rosenwasser, das aber nur vor Bajram erhältlich ist. Die großen französischen Köche schätzen die türkische Küche als eine der besten der Welt, diese Art Küche allerdings kann man nur in Instanbul kennenlernen.

Meine sind aus Plastik, ich liebe Plastik, Haarewaschen ist aber ebenso umständlich wie zu Sisis Zeiten (und ich habe keine Kammerzofe!) und deswegen meine Omafrisuren. Ausgiebiges Baden bei Freunden, zu dem ich großzügig von allen, die meine Behausung kennen, eingeladen werde, genieße ich als day spa. Der Hund wird immer beim P. gebadet, der einen master bathroom mit versenkter Badewanne hat, der Hund schwimmt nämlich sehr gern, mag aber nicht shamponiert werden und springt gern gerade dann, wenn er eingeseift, glitschig und schwer zu fassen ist, wieder aus der Wanne. Ihn wieder zurück in die Wanne zu hieven ist Schwerarbeit und bei der versenkten Wanne erheblich leichter. Aber auch im master bathroom ist die Reihenfolge: Hund baden, Hund frottieren, mit Gutti belohnen und auf angewärmte Decke setzen, Bad putzen, schlußendlich selber duschen.

Montag, 26. September 2011


Mitgliederbefragung der Wiener Sozialdemokraten, mit einer Rücklaufquote von 10%, also reichlich desinteressiert. Bei Integrationsproblemen eine Polarisierung von links und rechts: mehr Ordnung contra mehr Hilfe. Natürlich muß es mehr Ordnung und mehr (gut überdachte) Hilfe sein. Tatsächlich ist Wien eine gut verwaltete Stadt, unter einem anderen politischen Regime mit stärkerer Privatisierung würden die Probleme viel stärker aus dem Ruder laufen. Und die grüne Beteiligung bewirkt zwar nichts Substantielles, aber doch angenehme Akzente.

Worauf freut sich der Wiener, wenn er aus dem Urlaub kommt? Aufs Hochquellwasser und aufs Ankerbrot.
Wenns vorbei ist, wird damit geworben. Die Marke Anker gibt es noch und auch das, sehr gute, Hochquellwasser aus dem Raxgebiet, das nun teurer wird. Es gibt wassersparende Milieus und völlig unaufgeklärte, gleichgültige. Gleich im ersten Jahr hatte ich hier eine Betriebskostennachzahlung von 200 € für den Wasserverbrauch im Haus, da ich nur kaltes Wasser habe ist mein eigener Wasserverbrauch sehr gering, wer duscht schon üppig mit kaltem Wasser, außerdem ist auch die Dusche von Anfang an kaputt gewesen. Begründet wurden die Wasserkosten von 8000 € mit schadhaften Installationen, rinnende Hähne und kaputte Klospülungen, Scheiß - drauf - Haltung eben.

Sonntag, 25. September 2011

Samstag, 24. September 2011


Am südlichen Ende des Bezirkes, nahe Schönbrunn, treffen wir eine ältere Dame, die in ihrem Garten steht und mit einem Stielschrubber eine Straßentafel an ihrem Gartenzaun reinigt, damit der Straßenname gut zu lesen sei, denn es habe hier bereits "getuscht" weil ein Autofahrer zu lange schauen und überlegen mußte welche Straße das denn nun eigentlich sei. Soviel Mitdenken und Fürsorge für Andere sind schon sehr selten geworden. Es ist warm und sonnig und in diesem wohlhabenderen Bezirksteil sammeln Kinder die frisch gefallenen glänzenden Kastanien und wenn man sie fragt, dann antworten sie "für die Tiere im Lainzer Tiergarten". Im angestammten Grätzel treffen wir dann die waste watcher der Stadtverwaltung, zum ersten Mal übrigens, und begrüßen sie beinahe enthusiastisch, denn hier bleiben nicht nur die Kastanien, sondern auch die meisten Hundehaufen und auch sonst fast alles liegen.

Sonntag, 18. September 2011



Was wollten wir noch gern gesagt haben (außer daß "smrt faschismu" vermutlich eine historische Inschrift aus der Anerkennungsdebatte in den 90ern, als da im Keller noch die ÖVP logierte, ist und daß wir das Plakat oben leider zu fad, mau und "halt diversity" finden) ? Ja, zum Verhältnis rot-schwarz wollten wir noch was sagen, im Bund, da wird ja gestritten, gerade jetzt. Aber in Wien? Wien ist seit langem eine rote Stadt, die Verwaltung, die Schulen, die Verkehrs-und Energiebetriebe, die Krankenhäuser: alles rot. Das heißt natürlich nicht, daß alle dort werkenden Roten links wären oder auch nur sozial, nein, natürlich nicht. Die Schwarzen sind Bundesbeamte oder Gewerbetreibende ("ollas Wirtn")und Letztere haben natürlich immer wieder mit der Stadtverwaltung und deren diversen Gewerbekontrollen etc zu tun. Deswegen wanzt man sich an. Richtig konservativ sind nur die Bundesbeamten, und (außer den - noch - gutbezahlten Gymnasiallehrern) eigentlich nicht einmal mehr die, die urbane soziale Basis der Konservativen schwindet unwiderruflich, die Kinder wählen grün und sogar Grün fängt nur beschränkte Interessen auf und wird wohl auch von Piraten o.Ä. Druck erfahren. Aber es gibt doch diese langwirkenden Identitätsreste, man ist im kleinen Gewerbebetrieb aufgewachsen und wurde dann Beamter der Stadtregierung, viele Generationen Lohnabhängigkeit sind nicht so häufig wie man eigentlich erwarten würde. Und deswegen dieses switchen: man ist rot mit Roten, betont man sei ein Arbeiter -oder Häuslerkind und man ist schwarz mit Schwarzen und gibt sich voller Wirtschaftsverständnis. Das kann man mit der Verschlagenheit des Herrn Karl mit seinen zwei Parteibücheln betrieben werden, aber zumeist geschiehts in spontaner, halbbewußter Mimikry: i bin a Rote, aber...
Residuen des Lagerdenkens aus dem Bürgerkrieg der 30er gibts aber auch: Kremation, FKK erlauben ja keine politische Zuordnung (außer: Massenkultur) mehr, aber Antiklerikalismus dient noch zur Distinktion. Und was eint hier beide Lager? Die Abneigung gegen den Adel, denn in Ostösterreich gabs keine freien Bauern und Busek bemerkte ganz richtig, daß den Niederösterreichern die Leibeigenschaft noch in den Knochen steckt.


150% vegan, aber nicht fairtrade und mit schlechter Ökobilanz - es gibt aber auch teuren Schund und wir sympathisieren sowieso mit der modischen Selbstbehauptung im Quartier und bewundern das klack-klack und die überlangen, vorne leicht aufgebogenen Milanos.




Hinter der größten Wiener Berufsschule (frequentiert von 15 bis 19 Jährigen) ein kleiner Fußweg, gern von den Kindern aus den Gemeindebauten zum Ballspielen genutzt, daneben ein Kinderspielplatz und dazu noch ein eingezäunter Kleinkinderspielplatz, aus dem hübschen neuen Genossenschaftsbau sieht man in dieses nette grüne Eck, das nicht nur zum Gassigehen, sondern auch gern zum Dealen und zum Konsum harter Drogen genutzt wird. Die Spritze am Kinderspielplatz kommt nicht in allen Bezirken vor, nein, und fände so eine mittelschichtige Kampfmutter in einem besseren Bezirk so eine Spritze, dann würde sie ganz berechtigterweise einen Riesenwirbel machen, aber hier ? "Schau" sagt der B "die Leute wollens eben ganz offenbar nicht besser haben. Entweder man sieht nix, oder man sagt nix. Oder man gehört eh zum Rhizom."





Ein hübscher Fußweg führt von der Volksschule ins nächste Gäßchen, wo eine Stadtbrache begradigt, begrünt, umzäunt und als Spielplatz adaptiert wurde. Genutzt wird er indes bisher nicht so häufig. Auch ein Gemeinschaftsgarten wurde von der Gebietsbtreuung liebevoll vorbereitet, hoch umzäunt, wohl gegen Bälle, mit frisch vorbereiteter schöner dunkler Gartenerde und einem einladenden Schild in mehreren Sprachen, wartet er auf Gärtner. "Und unmittelbar daneben wartet das kleine Puff auf Freier, das ist halt a gelungene soziale Durchmischung!" sagt der B., der aber auch immer ein Haar in der Suppe finden muß.


Sonntagsfrühstück im bürgerlichen Nachbarbezirk, zuerst vorbei am Park von gegenüber (die treuen Leser entsinnen sich des mieterhöhenden "Parkblickes") wo der Mist vom Samstag liegt, Montag werden ihn dann die städtischen Reinigungsdienste entsorgen; daß man Kindern beibringt Mist nicht einfach liegenzulassen, ist hier nicht mehr üblich, ein anderer wird hinterherräumen... dann in der Straßenbahn eine fesche, liebenswürdige Frau, in meinem Alter, die hier alleine Kinder großgezogen und ihnen eine gute Ausbildung ermöglicht hat, als Frau hat sie vermutlich keine gute Pension, deswegen nutzt sie den schönen Spätsommertag um ins Schwimmbad zu fahren, die männlichen (und andere) Nutznießer der guten Jahre und diverser Aufstiegsmöglichkeiten haben die guten Pensionen und können reisen. Auch diese Leute stört die Veränderung ihres Wohnbezirkes, aber sie neigen nicht zu Engagement sondern einfach zur Protestwahl: wer andrer wird das für sie richten, wird "aufräumen" - im Grunde nicht weniger passiv als diejenigen, die ihren Mist wegräumen lassen. In Hietzing dann, die Freunde, man beredet die neuesten Korruptionsgeschichten und man ist nicht völlig überrascht, zwar sozial gesehen bürgerlich und eher Wechselwähler, hat man sich über den Schüssel-Triumph nicht gefreut, man ahnte schon, daß die aufgestiegenen Königsmacher dafür was fordern würden, man hatte bereits so einiges gehört. Aber wie die freundliche Meidlingerin in der Straßenbahn, sind auch sie eine im Rückgang begriffene Sozialgruppe. Man ist wohlhabend, man ist gebildet, die Kinder kommen in die immergleichen Schulen, dort gibts kaum Mitschüler, die als Erwachsene einen dann einen Leben lang mit Duzen und angetragenen halbseidenen Geschäften behelligen werden, die Söhne haben Selbstbewußtsein und brauchen nicht für Sex zu zahlen, auch die aufdringlichen Avancen bestimmter Damen sind hier nutzlos und sollte sich ein koksbetriebener
Finanzkeiler, der gern in bessere Kreise möchte, an eine Tochter ranzumachen versuchen, wärs auch vergeblich, die Töchter haben Geschmack. Wenn man vermietet, dann korrekt, denn die Immobilien sind gepflegt, die Mieter bürgerlich und rechtskundig und sie würden von der Hausverwaltung bei Schäden und Belästigungen auch deren schnelle Beseitigung und keine unverschämten Repliken vom Typ "hams an Zeugn" erwarten. Das geht alles nur bei uninformierten und resignativen Sozialschichten rein, genauso wie das freche Handaufhalten so mancher Ärzte.
Frisches Grün, frischer Mauerkalk und Hausmeister, die tun was man gemeinhin von dieser Berufsgruppe erwarten darf - das sind halt die ganz basalen Ingredienzien einer ganz und gar nicht aufwendigen und teuren "Gentrifizierung".

Freitag, 16. September 2011


Die kleinen Geschäfte und Handwerker geben vielfach auf, die Lokale stehen dann leer und finden keine Nachmieter, da freuen sich die Hausherren in den schlechteren Lagen über die guten Mieten die mit "Studios" zu erzielen sind. Das Gleiche gilt übrigens für Wett-und Spielsalons: miese Bude, miese Lage, hohe Miete. In Gaudenzdorf, dem armen Teil des Bezirks, gabs immer schon Prostitution, Animierlokale und etwas Rotlicht. Das ist man hier also gewohnt und die Damen in den Studios betreiben ihr Geschäft ganz diskret, also hat keiner was dagegen. An Menschenhandel, Zwang, Ausbeutung und Würde von Frauen aus der 3. Welt und Schwellenländern denkt eh keiner, Hauptsache der gewohnte sakrosankte Parkplatz ist verfügbar. In der BRD können Mieter in Häusern, in denen auch für Prostitution vermietet wird, ihre Mieten um 30% reduzieren, dann lohnt sich das Studio für den Hausherrn nicht mehr und die Prostitution verschwindet aus den Wohngebieten. Aufgrund von Zuzug, Armut, organisiertem Menschenhandel und organisierter Kriminalität ist auch bei uns die Prostitution stark angewachsen. Besonders mies geht es den Straßenprostituierten, die zumeist unkontrolliert arbeiten und wegen Sucht auch noch die Preise drücken und die aggressiver Ausbeutung durch brutale Zuhälter ausgesetzt sind, außerdem stellt Straßenprostitution eine große Belästigung für die Anrainer dar. Kriminalität ist ortstreu, Straßenprostitution ebenso. Zum einen suchen die Freier immer wieder an den gewohnten Plätzen und zum anderen gibt es da die mitverdienenden Lokale und Stundenhotels und das übrige typische kleinkriminelle Soziotop.

Donnerstag, 15. September 2011


Das sind Herbert und Iveta. Iveta hat u.a. auch gemodelt. Nein, er ist kein kleiner Ingenieur. Und nun: Geldwäscheverdacht (es gilt die Unschuldsvermutung).Das passende Delikt für etwas kleiner dimensionierte Intelligenzen. Merke: Models erwarten außer Gervaiscreme auch Zaster in der Herrentorte.

Mittwoch, 14. September 2011


Mit Sommerende und Herbstbeginn gehts Schlag auf Schlag: Ungarn, China.

Ungleich den meisten Gstudierten meiner Generation bin ich kein Feind des Boulevards, ich überblättere die welken Busen diverser Vizehonorarskonsulinnen und auch die frischeren der diversen Sternchen und erfreu mich vor allem am Fortschritt des Zeitgeistes: eine im allgemeinen doch verbesserte außenpolitische Berichterstattung, und die positive Stimmung für den Tierschutz. So sickert doch bei vielen langsam ein, daß Rindviecher nicht nur gut schmecken, sondern daß sie fühlende Wesen mit eigenen Bedürfnissen sind, manchen (die niemals "Tiere essen" lesen werden) verdirbt das dann doch den Appetit. Die positiven Aspekte der Modernisierung (ja, die negativen leider auch) verbreiten sich über die Massenmedien und einer der Gründe für generationenweise verzögerte Integration ist die ausschließliche Konsumtion der Heimatmedien. Ein Trend der Massenmedien, der z.Z. auffällt, ist die billige Heruntermacherei der Kirche; plötzlich will jeder so einen bösen Kleriker gekannt haben, obwohl die meisten von kirchlichen Lehrern doch überwiegend Gutes erfahren haben. Schwarze Pädagogik gab es auch in Säkularinstitutionen, auch im Elternhaus. Auch die rein reduktionistische Sicht des Zölibats (Hort der Defizienten und Vermögensakkumulation für die Kirche) fällt auf, die diversen Reformkirchen und der Islam kennen keine Ehelosigkeit, wohl aber die Buddhisten. Wenn ich das Leben nur eines der Patres meiner Schulzeit bedenke, muß ich sagen, der hat an so vielen schwierigen Einsatzorten unverzagt gearbeitet, soziale Gründungen anzudenken gewagt und sie auch durchgetragen, eine breite Spur des Guten hinterlassend. Eine breite Spur des Guten, wer kann das von sich schon sagen? Die schlichte Normalbiographie hat zwar (wenn sie nicht durch historische Umstände in Versuchung geriet) nix furchtbar Böses getan, aber doch zu viel Gutes unterlassen.

Noch ein Lichtblick, aber immer nur schön langsam, da können noch so einige sich zugrunde spielen und für neuerliches Lobbying is auch was drin. Aber immerhin, man hat es eingesehen und die Jungen SPler haben sich gerührt, bravo!

Unverändertes Prachtwetter, man freut sich seines Lebens wie das liebe Vieh!
Der A hat seine gescheite und engagierte Tochter hergeschickt, die, nachdem sie Wohnung und Rundum inspiziert hat, nun dem Papa folgt und sich doch von ihm eine Wohnung besorgen läßt, Töchter wollen eher was Eigenes, sind Nestflüchterinnen, während die Söhne sich auch bei uns zunehmend gerne bis zur Heirat bekochen und bebügeln lassen. Wär ja noch schöner, sagt er, daß sie bei Palatschinken mit Schlag einen Vertrag unterschreibt, den ich nicht vorher gegengelesen hab und nachher quodlibet die Hausmeister auf sie losgelassen werden, mit einem launigen "beweisen müssens es". Naja, sag ich, aber sie ist doch eine Juristentochter, da ist man gemeinhin schon etwas vorsichtiger, gell. Aber das will sie ja nicht sein, die Emanzipation vom Elternhaus, du weißt ja, sagt er und dir konnte man doch auch anmerken, daß du deinen Freundeskreis nicht im escort service erworben hast, net wahr? Wie gehts denn so mit dem Nachweis, daß du entweder a oarms, gschreckts, querulantisches Psycherl oder aber a unguate, rabiate, rechthabarische Weibsperson bist, nachdem dem liaben, schenan Vizsla der Bluthundgeifer halt doch nicht so recht überzeugend angedichtet werden konnte?

Dienstag, 13. September 2011


Im Landtmann, wo sich die Leutchen von public affairs ganz hochrangig wegen einer gesetzlichen Neuregelung fürs Lobbying trafen, den X getroffen, der findet, seine Fotos von meinem Kategorie-A-Bad (Gottseidank waren die Leute, die mir beim Einzug halfen so gescheit und haben den Zustand gleich gründlich dokumentiert) gehörten auch in die "Lavuur" Ausstellung. Aber ich packs mit Fassung, als Nachkriegskind ist man halt robust, und wenn (im kalten Winter, da wär eine heißes Bad in einem anständigen Badezimmer schon fein) Selbstmitleid hochkommen sollte, sag ich mir immer: auch der alte Kaiser hat sich am Waschtisch gewaschen, nur die Sisi hatte Badewannen. Und im Sommer ist ein kalter Waschlappen mit Lavendelseife aus dem midi ohnehin großartig. Heldin der Vorstadt, sagt der X, heut ist soviel Polizei auf der Straße, ja das ist mir auch schon aufgefallen, auch in der Vorstadt, und Love Thy Neighbour hat (zwei Cobras standen vor der Station) auch artig gegrüßt, naja in Hietzing läßt man sich nix gefallen. Und die einheimischen Kriminellen sind aus dem Geschäft, die sitzen nur noch in den Schmuddel-Tschecherln und sind froh wenn sie einen Späher-Job angewiesen kriegen, is aber selten. Dann in die Niederungen der Lokalpolitik, gibts eigentlich schon was vom Ferry Maier und warum wird die Cortolezis nix? Gemma noch auf ein Eis, natürlich auf die Tuchlauben, und naja im Korb treffen wir dann den Y und der Z winkt auch, es ist Herbst und alle sind wieder da.

Montag, 12. September 2011


Ein kleiner Makart aus einer Hamburger Auktion, mir gefallen daran das Kolorit und der gut gemalte stumpfe Samt des Sessels, solchen (scheußlichen) Samtsesseln begegneten wir als Kinder häufig, ich erinnere mich an eine Sesselgruppe um ein rundes ägyptisches Tischchen und ich hatte eine Freundin deren Großvater das Haus komplett altdeutsch einrichten hatte lassen, mit Butzenscheiben und Ledertapeten im Herrenzimmer, dunklen Ungetümen von Schränken, Tischen und Lehnsesseln, gräßlichen Riesenbuffets mit Zinnkrügen, viel rotem und grünem Samt und seinem Portrait. Wir vergnügten uns gern damit aus dem Butzenscheibenerker einen Zwanzigschillingschein an einem Faden in die (sehr bürgerliche) Gasse hängen zu lassen und ihn den danach Greifenden wieder zu entziehen. Nachdem wir dessen überdrüssig geworden waren, kauften wir uns um den Zwanziger eine Dose Haarspray, schwarzen Lidstrich und Spucktusche, Lippenstift war out, man verwendete einen blassen make up Stift, das hatten wir von der älteren Schwester die bereits Architektur studierte, in diesem Haus mußte man ja Architektur studieren, es blieb unser einziger Haarspray, auch die Balljahre später konnten wir (Hippiezeit sei Dank!) ohne ihn und ohne Peppi (Kunstdutt) genießen.

Prachttag! Lunchen mit dem Anwalt, vorher schnell übern Graben gehuscht und in einer Parfumerie neue Düfte geschnuppert, allesamt grauslich, dann etwas Neumodisches geluncht, das uns beide nicht satt gemacht hat, deswegen noch rasch ein Eis auf der Tuchlauben und über dinner cancelling geredet, aber wollen wir denn auch so alt werden wie der Kardinal König? Der hatte es ja auch so viel einfacher, seine Küchenschwestern servierten ihm um 16 Uhr noch einen gedämpften Apfel mit ein bißchen Honig, dann gabs nix mehr, außer einer Thermoskanne Tee.
Über die unappetitliche Mobberei haben wir beim Essen natürlich nicht geredet, er hatte eh schon alles von meinen Übernachtungsgästen. Was, fragt er noch, hat eigentlich diese Person die dir das vermittelt hat, gesagt, als nach 5 Wochen die Therme wieder ex ging? Sans dankbar, sans dankbar, hat sie gesagt, und: guat gnua.
Zu Hause dann die Schlagzeilen: in Südfrankreich eh nix, aber Beben in der Wiener VP, na sowas, und Orban kommt auf gute Ideen, schon interessanter.

Das Interview aus dem Nachlaß ist zwar uninteressant, aber sie selber war sophisticated, konnte beobachten, denken, lesen und schreiben und gehörte nicht zum (nicht nur) damals von Politikern präferierten Muttchen-Typus

Sonntag, 11. September 2011


David Hockney, Me draw on I Pad


Auch das Cafe am nächsten Eck hat seinen Gehsteiggarten verschönert und bepflanzt, und die dicht gesetzten roten Blüten machen sich wirklich gut. Das Cafe hat eine dunkle Inneneinrichtung aus der Zeit in der Almstubn große Mode war, also 7oer Jahre.
Es gibt hier sehr viele solcher kleiner Cafes, die gut Besuchten haben einen großen vom Garten her sichtbaren TV-screen, die weniger Besuchten können nichts investieren, Inhaberfluktuation, Mitarbeit der Familie und Kleinststrukturen sind die Regel. In den Migrantenfamilien bleiben die Burschen bis zur Heirat bei den Eltern wohnen, selbstverständlich wollen sie ihre Freunde nicht zu Hause treffen, auch der Papa bleibt nicht gern zu Hause, er besucht ein anderes Lokal, in dem die Älteren politisieren, während die Jüngeren über Sport reden und ihre feschen Kleider ausführen und auf dem Weg von einem Lokal ins andere vielleicht von Mädchen (die nicht in die Lokale gehen) gesehen zu werden hoffen. Und umgekehrt natürlich auch, man ist schließlich nur einmal jung und wir waren ganz genauso, hatten es aber viel leichter weil für uns viele Freizeitaktivitäten, Sport etc. gemeinsam waren und man sich dabei unbefangen besser kennenlernen konnte.



Beim Sonntagsfrühstück in Hietzing wird auch nach dem Ladenbesitzer, die treuen Leser erinnern sich, gefragt, dem immer wieder nachts Mist vor die Tür geworfen wird; naja, inzwischen wurde bei ihm auch eingebrochen. - Dann erörtert man den neuen Hietzinger Trend, als Hauspersonal nur noch Menschen aus Asien einzustellen. In Botschaften überwog immer schon philippinisches Personal, ebenso in den guten Hotels und es ist nun - Globalisierung hat auch ihr Gutes, nicht wahr? - auch für wohlhabende Privathaushalte verfügbar, es ist teurer, erwartet zu Recht auch ein kultiviertes Umfeld, aber die Dienstgeber sind mit den neuen Haushälterinnen so glücklich wie ihre Eltern es noch mit der Kärntnerin oder Burgenländerin (deren Mehlspeisen die Kinder liebten) sein konnten, die so lange blieb wie ihre Kräfte reichten und die dann mit verschiedenen, nicht immer glücklich endenden Versuchen ersetzt wurde. Und wenn so ein Versuch endete, kam nicht selten die über Besitztümer wohlinformierte Verwandtschaft um einzubrechen, außerdem mag man keine, euphemistisch gesprochen, resoluten Hausangestellten um sich, die nur sehr husch-wusch putzen, miserabel kochen und mit jedermann gern Streit anfangen. Und dann reden wir noch ein bißchen über spam, ein Medienrechtler ist dabei, spam der mit
Anklickdummheit rechnet, spam den man sich nicht selber durch Besehen bedenklicher sites eingehandelt hat, spam der kommt, weil Leute die ihre eigene mail-adresse als spambootsicher affichieren, ihn generieren und nicht dran denken, daß dem Empfänger und Belästigten Fachleute zur Seite stehen.



In der Straßenbahn erzählt mir eine ältere Dame, die meinen Hund streichelt, was ihr in der U-Bahn passiert ist. Sie war im ersten Waggon, stand ganz vorne, unmittelbar hinter der Kabine des Fahrers, als ein jüngerer Mann ihr die Handtasche entreissen wollte, die sie aber an sich preßte. Er boxte sie in die Rippen, schlug sie und sie rief laut um Hilfe, was aber eigentlich nicht nötig gewesen wäre, denn etwa ein Dutzend Personen, überwiegend Männer, waren im Waggon, sahen reglos zu wie sie attackiert wurde und rührten keinen Finger um ihr beizustehen. Na gut, der Fahrer mußte fahren, er konnte ihr nicht helfen und wenn es nur einen Zuseher gegeben hätte, der als einziger eben zu ängstlich gewesen wäre sich einzumischen, auch das hätte sie noch vrstanden. Aber ein Dutzend Zuschauer, wortlos, reglos. Auch dann, als der Räuber frustriert aufgab und ausstieg und sie (mit gebrochenen Rippen wie sich später herausstellen sollte) auf allen vieren ihre zerbrochene Brille und das aus der Tasche gerutschte Handy vom Boden auflas, sich mühsam aufrappelte, ausstieg und selbst um Hilfe telefonierte.
Die Anonymität der Großstadt, die divergierenden Sozial-und Interessensgruppen, die keine Empathie und keine Solidarisierung mehr aufbringen?