Sonntag, 30. Oktober 2011


Man hatte die Wohnung gerade frisch renoviert, dabei sehr viel selbst gemacht um Geld zu sparen, das bei dem grün-alternativen Akademikerpaar in Sozialberufen nicht grad üppig vorhanden war. Dann zogen neue Nachbarn ein, die waren laut, sehr laut, auf freundliche Bitten um nächtliche Ruhe reagierten sie mit Beschimpfungen und dem Demolieren der Fahrräder unseres grün-alternativen Paares, das die Fahrräder nun immer mit in die Wohnung nahm, ruhiger wurde es nicht. Dafür kam eines Tages eine Vorladung vom Gericht: aufgrund eines ärztlichen Attests, über Verletzungen die unsere grün-alternative Bekannte der lauten Nachbarin angeblich zugefügt haben solle, gab die Staatsanwaltschaft einer Anzeige statt. Diese schäbige Verleumdung hatte letzendlich allerdings keinen Erfolg.

Samstag, 29. Oktober 2011


Jede helle Fläche lädt halt zum Beschmieren ein, aber die Inhaber des Thaiboxlokals haben reagiert, bravo! - Was hier fehlt, sind vernünftige, nichtkommerzielle Angebote für die vielen Jugendlichen. Ein Ort wo sie sich treffen, plauschen und etwas miteinander unternehmen können was ihnen echte Erfolgserlebnisse ermöglicht, ihren Treffpunkt zusammen ausmalen und einrichten, Sport, gärtnern, tischlern, schnitzen, basteln, malen, Comix zeichnen, ein Video drehen, Fahrräder reparieren, kochen, ein Gemeinschaftsblog machen, eine band gründen und Musik machen, etc...

für Barbara2

Freitag, 28. Oktober 2011


Jiri Grusa 1938 - 2011

Donnerstag, 27. Oktober 2011



Und jetzt, sagt der B., reden wir legal English: malicious calumny

Wo der Altkleiderladen der karitativen Organisation war, ist nun ein türkisches Geschäft eingezogen. Es gibt hier alles, von der Waschmaschine, über die Parabolantenne bis zum Teeglas, was ein migrantischer Haushalt so braucht und das alles zu sehr niedrigen Preisen und teilweise von den Herstellern, die die Leute auch aus ihrer Heimat gewohnt sind. Solche Geschäfte reussieren, während das Lebensmittelgeschäft vom Balkan, wo auch ich einmal bijeli sir und Kaffee und strukli gekauft habe, inzwischen schon wieder geschlossen hat. Seine Kunden kaufen bei unseren Lebensmittelketten ein, nur das offenbar unverzichtbare schreckliche Gewürz Vegeta (das Balkanmaggi, die milde Balkanküche ist eigentlich sehr gut und bräuchte das gar nicht) wird in großen Säcken auf Vorrat von "unten" mitgebracht. Ab und zu treffe ich serbische Frauen im Grünen, die Hollerblüten oder frische Brennesselblätter sammeln um Tee oder Limonade zuzubereiten, es sind immer ältere Frauen, es gibt aber auch in Serbien junge zeleni (Grüne), allerdings differiert ihr Programm von dem der unseren in manchen Punkten erstaunlich.

Mittwoch, 26. Oktober 2011


Die MA13 (Bildung und außerschulische Jugendbetreuung) organisiert die Parkbetreuung (BRAVO!!) und bietet in ihrem Lokal auch ein Programm für die Kinder der Gegend.

Montag, 24. Oktober 2011



Auch beim zweiten Versuch zu anderer Tageszeit und unter anderen Tageslichtverhältnissen spiegeln die Auslagen des Damenmodesalons; aber die, sehr sympathische, Inhaberin kommt und erzählt, daß sie die Modeschule in Hetzendorf absolviert hat, wie gern sie entwirft und näht und daß sie - könnte sie ihr Leben wiederholen - wieder in die Modeschule gehen würde. Wie schade, daß es für kunstvolles Handwerk nur noch Marktnischen gibt, aber es gibt sie, auch für qualitätvolle Damenschneiderei.
Bevor ich hier wohnte, wußte ich nicht wie viele Billiganbieter für Textilien und Schuhe es bereits gibt, ich kannte lediglich Tchibo und H&M, Mango und Zara. Aber es gibt noch viel mehr, die outlets der Filialen in der Innenstadt und Geschäfte vor denen Jacken unter 5 Euro aushängen. Der große caritative Altkleidershop (in dem vintage Sammlerinnen nach Schätzen suchten) mußte schließen, offenbar waren die Sachen dort zu teuer und nicht konkurrenzfähig. Auch die unterbezahlten Frauen und jene, die nur etwas vom Kindergeld zur Verfügung haben, können sich also immer wieder was Neues leisten, jeder neue Trend wird imitiert und gefälscht, in mehrfach gestaffelter Preislage: es gibt also scheinbar Alles für Alle.


Kaum betritt man hier ein Seitengäßchen, sieht man schon ein Studio, sagt der X, der nun auch durch meinen Bezirk, von dem er bisher nur das berühmte "L" kannte, spazierte. Und von gegenüber blicket ernst die gipserne Bürgerlichkeit! Erwerbsbürgertum, sagt der B, Erwerbsbürgertum, denn hier kann man noch zusehen wie Geld zusammengekratzt wird.

Freitag, 21. Oktober 2011


for His Holyne$$ Murat Joy Tschundyk

Donnerstag, 20. Oktober 2011


...am Morgen im Park...
Ein befreundetes Paar hatte in einem Bezirk gewohnt, der bürgerliche Gassen, teure Geschäfte und Delikatessenläden beeinhaltet, aber auch einige Straßenzüge die kippen. Sie wohnten in einem alten Haus, das von der bisherigen, sehr korrekten, Hausverwaltung aufgegeben worden und an junge Investoren verkauft worden (investiert wurde selbstredend nichts) war. In den unteren Stockwerken Familien, deren zahlreiche Kleinkinder mangels Hof und Park im Stiegenhaus spielten, was unsere Freunde eigentlich gar nicht störte. Da aber auf der Treppe immer wieder Injektionsnadeln lagen und den Freunden (ein Akademikerpaar) die Kinder leid taten, riefen sie eine von Sozialarbeitern geführte Drogenstelle an (nicht die Polizei, wohlgemerkt, denn es waren grün-affine Akademiker) und baten sie ins Haus. Es änderte sich nicht viel. Nach einer regenreichen Frühlingswoche allerdings, war die Decke zweier Räume der Wohnung unseres grün-affinen Akademikerpaares klitschnaß, sie wohnten im letzten Stock. Die Dachbodentür war aufgebrochen und das Dach über der Wohnung unseres grün-affinen Akademikerpaares abgedeckt. Nicht vom Frühlingswind, nein, die entfernten Dachziegel waren säuberlich in einer Ecke aufgeschlichtet. Nachdem der Jungliterat im Stock darunter einen Preis erhalten hatte und daraufhin ausgezogen war, beschloß man ebenfalls auszuziehen, das Gejubel im Stiegenhaus am 11.9.01 hatte auch schon etwas irritiert.

Mittwoch, 19. Oktober 2011


Wer die Verhältnisse ein wenig kennt, in denen ununterbrochen hoch zu Roß handyphonierende girlies auf Landstraßen und unter anfeuerndem "gibs eahm" des Papas die Absätze in den Pferdebauch hauende youngsters noch harmlos sind, wundert sich über gar nix. Aber natürlich: es gibt auch die Pferdeflüsterer und die Therapeuten und die vielen, die unzufrieden sind, aber kaum wer will einsehen, daß wir die Pferde zur Fortbewegung nicht mehr brauchen und ihnen ihre Freiheit lassen könnten. Die im Amateur - und Sportbetrieb ruinierten Tiere werden dann billig an die Fiaker verkauft, deswegen sind nur die alten Kutschen wertvoll und werden daher gehegt und gepflegt, die Pferde (nicht eingeschult, sondern überstarr eingeschirrt) sind jederzeit billig ersetzbar. Und Kommentare über
den "relaunch" der Hofreitschule überlassen wir Berufeneren.

In meinem vielfotographierten, bereits berühmten, Kategorie-A-Bad. Hocheggers Verteidigung erheitert sogar diesen klammkalten Morgen.

Mein Übernachtungsgast und ich erwachen, trinken Kaffee, unterhalten uns flüsternd über Unrat, Verrohung und Rachekulturen, diese Themen liegen hier auf der Hand.
Dann sehen wir nach den news, aha, le bebe, enfin! ich denke zuerst an das American Hospital, bricks, suche ein Bild, es gibt so viele American Hospitals, das American Hospital war immer das Beste, oft wohl auch das Einzige. Brunis Klinik ist aber ein riesiger Neubau, nicht der alte hübsche Ziegelbau in Neuilly. Überhaupt, in Paris wurde viel qualitätvoller gebaut, es gibt sehr, sehr viel mehr gute Stadthäuser des 20.Jh und auch die modernen Sozialbauten nach dem 2.WK an der Peripherie sind besser. Wir trinken noch einen Kaffe, plaudern über kulturelle Importe, l´hopital americain et la laitrie russe, essen dazu Dinkelgaufrettes aus dem Cellophan, plaudern weiter über Verrohung und Rachekulturen und deren Reste in jenen Segmenten moderner Gesellschaften in denen an, na sagen wir mal, an Legislative und Exekutive, vorbei gehandelt wird. Allerdings gibt es ja auch kommunitäre Regelungen, den Friedensrichter in den USA, der Schweiz und im Islam, zum Beispiel.


Hier gibts sehr, sehr viele Kinder. Ballspielkäfige und Straßenschild sind noch aus einer Zeit, als es hier sehr viel weniger Kinder gab. Und es gibt jetzt natürlich auch sehr, sehr viele Jugendliche. Was macht ein Jugendlicher ohne Geld im Winter, wenn es im Park zu kalt ist? Schließlich will man seine Freunde nicht zu Hause treffen, in den Sozialwohnungen ist auch oft nicht genug Platz. Man hängt also ein bißchen beim Mac herum, in Bezirken mit Einkaufszentren und überdachten Einkaufsstraßen trifft man sich dort. Wie sieht es hier eigentlich mit Jugendzentren aus?

Dienstag, 18. Oktober 2011


Die schrecklichen Nachrichten über das städtische Kinderheim Wilhelminenberg (Ende der 70er aufgelassen, seither werden vom Jugendamt betreute Kinder in WGs untergebracht) überraschen nicht. Es war klar, daß solche Dinge nicht nur in kirchlichen Heimen passierten, auch die in Folge da und dort antikirchlich geschürte Stimmung trug die antiquierte Kulturkampf-Signatur (jetzt natürlich gehts contra gegen die Stadt Wien; aber es gab doch auch nicht-kirchliche Heime in den Bundesländern und auch dort gewiß Mißstände). Schwarze Pädagogik, Nachwirkungen der Nazidenke in allen Bereichen, Nazis die dann bei den Roten unterkamen, in den Bereichen mit Personalmangel (Recht, Medizin) sowieso, Verachtung für Kinder aus der Unterschicht, Abstempelung als "schwererziehbar", mangelnde Kontrolle, Verhaberung, Sadismus - davon war auch schon in Irmtraud Karlssons Studie zur Heimerziehung in den 70ern zu lesen. Nicht sehen, wegsehen, nicht glauben, kleinreden, diskreditieren - die immergleichen Techniken der Verleugnung. Aufklärung ist eine mühsame Angelegenheit.

Noch zwei sonnige Tage, die letzten Blüten konnten sich öffnen. B.s Gäste (höchst honorig, selbst Immobilienbesitzer und Vermieter) finden den Zustand vieler Wiener Altbauten "östlich", obwohl die Mieten freigegeben wurden, sie sind hoch und für die armen Zuwanderer nur durch städtische Wohnbeihilfen aufzubringen. Die Renditen für unsanierte Altbauten werden also mit öffentlichem Geld gestützt, die Mieter sind zu uninformiert und/oder hoffen bald eine billige städtische Sozialwohnung zu bekommen, deswegen funktioniert das.

Schüssels Tarock-Karten, erst heute gesehen. Auch unter den Konservativen hatte die 68er Sozialisation Lockerungen und Liebenswürdiges gebracht, Schüssel kam nicht aus der Jugendparteiorganisation, sondern von der katholischen Hochschülerschaft, aus dieser Gruppe stammte eine ganze Reihe aufgeklärter, liberaler und sozial denkender urbaner Bürger. Aber Parteikarrieren haben halt ihre eigene Logik, schade.

Montag, 17. Oktober 2011




Am Wienfluß, bei der U-Bahn-Station, gibt es Leihfahrräder, einen entlang der Wien ausgebauten Radweg und Informationen der Gebietsbetreuung. Grün-studentische Lebenswelt und die der armen Unterschicht scheinen einander überhaupt nicht zu tangieren. Diese Distanz bei räumlicher Enge macht die Großstadt für provinzielle Nestflüchter natürlich vorerst attraktiv, schenkt ein paar Jahre unbeobachteter, unbeeinspruchter Selbstentfaltung und Selbsterprobung. Aber dann, spätestens wenn das erste Kind kommt, sieht das ganz anders aus und die Jungfamilien träumen vom Häuschen im Grünen.





Direkt vorm Haus sind die waste watcher unterwegs, ein wirklich wichtiger Job, bei dem man auch mit aggressiven Reaktionen umgehen können muß. Im Vorstadtgäßchen dann
das wunderschön gepflegte Giesterbräu mit dem alten Gastgarten, ein kleines altes Vorstadthaus gegenüber wird professionell und ordentlich renoviert, das haben auch schon meine Besucher erfreut festgestellt.




Am kleinen Kirchplatzerl hat die Gemeindeverwaltung die alten Metallbänke entfernt und robuste, zum Ensemble passende, klassische Parkbänke aus Holz und Eisen aufstellen lassen. Danke! Noch gibt es hier einen Damenschneidersalon, die Auslagen, blitzblank geputzt und liebevoll herbstlich dekoriert, spiegeln in der Sonne so stark, daß man leider die ausgestellten Kleider kaum fotografieren konnte (aber wir probieren es nochmal bei anderen Lichtverhältnissen). Im Geschäft sitzt die Inhaberin an ihrer Nähmaschine und zaubert, was es nur noch ganz selten (und nur viel teurer!) gibt: nämlich wirklich hübsche Kleider die passen und ihrer Trägerin schmeicheln!

Sonntag, 16. Oktober 2011




Wir trinken Tee, essen Baklava und lesen ein wenig Mosebach, den hat die Fachärztin, die uns besuchen kam ( "der stinkende Dreckfetzen liegt ja noch immer im Lift! wohl das piece de resistance?" ) mitgebracht.


Frostige Nächte und Morgenkälte, aber doch genug Licht für die armen Nordfensterpelargonien.

Freitag, 14. Oktober 2011


"Wie lange willst du denn noch den unbezahlten Stadtteilsoziologen machen?" fragt der B.

Donnerstag, 13. Oktober 2011



tempi passati


Quelle: APA

Dienstag, 11. Oktober 2011



Die treuen Leser kennen ja schon das pc "Smrt fasizmu", aber auf der anderen Seite des Eckhauses, dort wo die Autobushaltestelle ist (und mit "zwei Autobuslinien halten direkt vorm Haus", wird ein Zuschlag zur Richtwertmiete gefordert, der aber unzulässig ist) ist ja noch ein Graffitti! Kein Arkanum, nein, sondern global lesbar wie Rolex und Coca Cola (und auch in Planwirtschaften erhältlich).
Übrigens, in der nahen Haupteinkaufsstraße des Bezirkes wird demnächst ein Laufhaus eröffnet, das hat halt noch gefehlt.

Montag, 10. Oktober 2011



Ein paar grindige Ecken wurden vom Stadtgartenamt bereinigt, zwar waren die dichten blühenden Büsche viel hübscher, aber nun sind diese Ecken übersichtlicher und weniger einladend zum Drogenkonsum gleich hinter der Berufsschule. Die Verwaltung der Gemeindebauten, in denen auch die meisten kleinen Läden leerstehen, hat einen solchen Laden zu einem Treff umgewidmet, das Ohr an der Basis ist eine vernünftige Strategie und für Lokalpolitiker, die Probleme rechtzeitig erkennen und Ressentiments zuvorkommen wollen, unabdingbar. Nun könnnte man doch noch ein paar solcher leerstehender Geschäfte, die ohnehin nur Vandalen anlocken, für Lern- oder Spielgruppen oder andere soziale Treffs freigeben.

Freitag, 7. Oktober 2011


An der Haltestelle stehen vier kleine Buben aus der nahen Volksschule und rauchen.
Schimpfen wäre jetzt komplett kontraproduktiv, also frag ich sie, ob sie auch schon Ringe rauchen können, worauf sie etwas husten müssen und wir dann langsam dazu übergehen können, daß es eigentlich eh nicht schmeckt und man, wenn es dann zu schmecken scheint, nur noch sehr schwer wieder aufhören kann und daß ihre Eltern (die Eltern rauchen) deswegen noch immer rauchen. Ich kenne migrantische Eltern, die ganz entsetzt sind über 11jährige die sie vor der Schule um Zigaretten anschnorren und die sehr unglücklich darüber sind, daß sie ihre eigenen Kinder nicht in andre Schulen geben können, entweder weil die zu teuer oder zu weit weg sind. Aber auch in den teuren Schulen gibts diese präpubertären Rauchversuche, allerdings: diese Kinder hören schnell wieder auf, ihre Umgebung bietet ihnen noch andres Interessantes.

postrevolutionäre Kochshow