
Ohne Hund würde ich die Wohnung weniger oft und regelmäßig verlassen müssen und könnte schnell, und unaufmerksam gegen die häßliche Umgebung, zur U-Bahn marschieren die mich in erfreulichere Gegenden bringt. Aber mit Hund, der, wenn ich mir die Schuhe zubinde schon ein Freudengeheul anstimmt, das ihm (rasseimmanent) nicht abzugewöhnen ist, so daß die Nachbarn und das Hausmeisterpaar wissen: jetzt kommen sie gleich, jetzt postieren wir uns und stauben sie ein, und wenn wir sie nicht gleich beim Verlassen des Hauses erwischen, dann eben, wenn sie wiederkommen. Tagtäglich, seit 20 Monaten. Ebenfalls kann in unserer Abwesenheit von der Wohnung schnell am Türschloß manipuliert werden, daß sich dann minutenlang nicht öffnen läßt, so daß der Hund und ich genötigt sind, die dichte Staubwolke vor der Wohnungstür minutenlang einzuatmen. Man kann auch was in den Lift sprühen, was Giftiges auf der Baustelle Gestohlenes oder sonstwo Erhältliches. Hausmeister und Kellnerinnen können sich eben nicht vorstellen, daß auch das nachweisbar ist. Der Hausherr, der die unter uns freigewordene Wohnung präsentiert, um Himmelswillen keinen Tag Leerstand und Mietentgang, auf diese Dinge angesprochen und mit der Tatsache von Beweisen konfrontiert, verdrückt sich schlicht und einfach: er habe jetzt keine Zeit. Der Hausherr (das Haus gehört nominell der Ehefrau) ist 76 und nach einer Parteikarriere mit höchsten Ämtern noch in einem Altersamt für die VP in Brüssel tätig.
Auf der Straße treffen wir Schulkinder, die uns schon kennen und sich zwar ein bißchen fürchten, aber auch die Erzählungen von dem Hund der so lieb mit den Kindern Ball spielt kennen, also keine Konflikte, der Hund (mit Maulkorb) bellt ihnen freudig entgegen. Eine zu betont damenhaft hergerichtete Frau regt sich darüber auf, bereits gutes Deutsch, dicker Ostakkzent. Über die Kreuzung, wo ich den Hund dann 40 Meter von der Leine lassen kann (er hat ja den Maulkorb und er beißt auch nicht, aber wer kennt schon die Rasse in diesem Prä-Slum) er Hauferln macht die ich ordentlich mit Sackerl aufhebe und ihn gerade noch rechtzeitig anleinen kann, denn knapp vor uns ein Riesenhund, gestreift/gestromt und offensichtlich gestört. Er gehört einer dicken Frau aus dem Sozialbau, die weiß daß er (wahrscheinlich aus dem Tierheim) gefährlich für andere Hunde ist und sich vorsichtig verhält. Ich bedanke mich überschwänglich, Anstand ist hier weiß Gott nicht die Regel. Schon kommt die nächste Osteinwanderin, die gar kein Deutsch aber "deppert" und "Sau" kann und das bei mir anbringt, obwohl sie eher den anderen Hund und seine Halterin meint, sich der gegenüber aber nicht traut. Diese Frau ist noch nicht lange da, das sieht man an dem schrecklichen Blond a la Minsk, das ihr die Haare völlig ruiniert hat. Sie ist keine alte Frau, aber ihr Gesicht ist gedunsen und faltig zugleich. Ständig sieht man hier solche Leute. Schon kommt der alte Inländer aus dem Sozialbau mit den zwei Terriern, er geht die Parks ab und stöbert dort in den Mistkübeln, das Weiberl hat er frei laufen (selbstredend ohne Maulkorb, aber egal) und den Rüden, der sich kläffend beinahe stranguliert, an der Leine. Ich sage ihm daß ich einen Hexenschuß habe und meinen eigenen Hund, der sich auch aufregt, schwer halten kann und daß er sich doch bitte rasch vorbeibemühen möge. Eine Schimpfkanonade geht auf uns nieder. Oft muß ich mit dem Hund über die sehr stark befahrene mehrspurige
Straße flüchten, wenn solche Hundehalter nicht ausweichen.