Sonntag, 26. Juni 2011


Das deutsche Mietengesetz ist da viel restriktiver, sagt die Hausfrau bei Kaffee und Kuchen. 100% Mietreduktion wenn keine Heizung im Winter, gell, und 30% Mietreduktion wenn für Prostitution im Haus vermietet wird; dadurch rentieren sich die erhöhten Mieten für die Studios nicht mehr und auch billigere Viertel werden von Prostitution entlastet.

Eher nur Frauen und Neuankömmlinge unter Migranten lassen sich von Firmen anheuern, überwiegend wird Selbständigkeit angestrebt. In teilweise vorindustriellen Gesellschaften hat die Arbeit für einen anderen (ungeschützt durch modernes Arbeitsrecht) eine negativere Konnotation als bei uns, man schlägt sich lieber in wechselnden Klein-und Kleinstgewerben durch. So entstehen viele kleine Dienstleister für die Community, die Geschickteren, mit überlegten Angeboten, in guten Lagen, können auch den Inländermarkt erreichen. Durch Familienkooperation wird Sozialtransfer mit Selbständigkeit kombiniert, überwiegend in voraussetzungslosen Gewerben: Handel mit Waren aller Art, Imbiß, o.ä. Steuerlich begünstigt, mit relativer Zeitautonomie und einer unrealistisch favorablen sozialen Selbstzuordnung
entsteht so eine Schicht von Kleincafetier bis Keiler, die ihren Nestroy, aus der eigenen Sozialgruppe, auch noch finden wird.

Samstag, 25. Juni 2011


Natürlich gibt es in der Sozialdemokratie Flügel, es gibt Leute die sich nicht mögen weil sie wissen was sie voneinander zu halten haben und es gibt vor allem die etwas forscheren, linkeren und innovativen Jungen. Aber das schleift sich dann ein, vrijeme cini svoje. Bei den Konservativen aber mag man einander nachhaltig nicht und man vergißt und vergibt nichts. Grund sind nicht die verschiedenen Bünde, sondern Lebenswelten und Kulturen.

Mittwoch, 22. Juni 2011


Drüber mopst man sich im Standard; dabei ist doch alles bestens: dieser Hausmeister beginnt mit BITTE, die Rechtschreiberei ist wirklich unwichtig.

Sie war mager, blond und trug auch beim Gassigehen mit ihrem Hundchen, für das sich der Meine interessierte, die Statusbag. Sie wollte nach meinem Hund treten und ich sagte: so nicht! Hure, antwortete sie. Da war ich aber wirklich verblüfft. Immerhin hätte ich mit meiner graudurchzogenen Oma-Frisur ihre Mutter sein können, da hätte sie es eigentlich beim üblichen "deppate Oide" bewenden lassen können (nie wird man mehr beschimpft als beim Autofahren und wenn man mit einem Hund unterwegs ist, und hier in der Vorstadt bin ich Grobes gewohnt). Heute sah ich sie wieder, in Begleitung eines Herrn, dieser gewandet wie frisch aus Marthas Vineyard, im Alter ihres Vaters, aber nicht ihr Vater. Aha, das Wort hatte sie also von Neiderinnen, die ihr den sportlich gewandeten Alten mißgönnt hatten, gehört.

Wir essen hausgemachtes Eis im Garten, auch der Hund kriegt was davon. Die Sekretärin ruft aus der Kanzlei an, sie war so lieb mal im Grundbuch nachzusehen, ob die Besitzstörungsklage, die uns von einer Gewerbetreibenden angedroht worden war (nebst:und mei Mann wird da a Gift streun!) weil der Hund ans Hauseck pinkelte, eh von der Bank vorgenommen werden müßte. Nach dem wohlerzogenen Hund verlangen ja immer die Ungezogenen.

Freitag, 17. Juni 2011


Sie hatte mit dem Mann den Betrieb aufgebaut, Kinder großgezogen, sie waren wohlhabend, ziemlich wohlhabend sogar. Drei Jahre hatte sie um ihren Mann gekämpft, wir hatten sie abmagern, immer blonder und immer unglücklicher werden gesehen. Die Kinder hatten auf einem Ehevertrag bestanden, die andre hätte erst nach zehnjähriger Ehe Erbansprüche und sie hatte eingewilligt, es war ihr um die Heirat gegangen und sie würde ihn schon rechtzeitig zu verschiedenen Schenkungen bewegen können. Kennengelernt hatten sie sich auf irgendeiner Modemesse, diese Frauen sind entweder unglücklich verunglückte Ballerinnen, oder Musikerinnen oder Tanzpädagoginnen und bei irgendwas mit Mode gelandet, vor allem ältere Geschäftsleute sind gefährdet. Aber nicht nur die. Der Sohn einer Freundin, ich kenne die Leute schon ewig, war Bettnässer gewesen, ein schwieriges Kind, dann aber ein glänzender Student, sehr erfolgreich, ein Nerd. Seine Freunde (ebenfalls Kinder von Freunden) hatten gesagt die Frau sei bei einer Fete aufgetaucht und keiner habe sie gekannt, sie sei halt mit ihm nach Haus und gleich bei ihm eingezogen, Sport sei ihr ein Greuel, seither joggt er auch nicht mehr mit Freunden, sie habe irgendwas mit Wirtschaft studiert, sagt er. Den Eltern, die sich selbstverständlich diskret zurückhalten, habe er gesagt er werde heiraten und das ginge sie nichts an, aber schon gar nichts. Gesehen haben sie die Frau noch nicht. Die A. und ich haben ihn als Baby manchmal gesittet und wir rufen ihn an und sagen daß wir ein Computerproblem haben und gleich vorbeikommen und auch was zu Essen mitbringen, die A., die X, die dort studiert hat wo die Frau herkommt und die Sprache kann und ich. Im Vorzimmer eine Vuitton-Tasche, eine echte häßlliche. Die Frau, naja, fahrig, feindseelig, wir fragen sie wie es ihr bei uns gefällt und nach ihren Studien, Sprachen kann sie keine, hier an der Uni hat sie nichts gemacht, später sagt uns die X. zu Hause hat die wohl auch nicht studiert.

Eine bildhübsche Frau, mollig, reizvoll und grundgut, dochdoch das geht gut zusammen, war sie gewesen, 40 Jahre verheiratet, jeden Tag hatte der Mann ihr noch gesagt ich liebe dich. Und dann das! Sie hatten gerade die ersten Enkelkinder bekommen und Gottseidank waren die Kinder jetzt ganz auf ihrer Seite. Weil er immer alles mit ihr besprach und dran so gewöhnt war, erzählte er ihr auch, daß die andre so hysterisch sei, viel weine, wegen jeder Kleinigkeit, daß ihre Freunde ihm sehr komisch vorkämen, sie sprächen vor ihm dann immer nur in ihrer Sprache, aber, er kenne sich ja selbst nicht mehr, sie täte ihm auch so leid. Und Sparbücher hätte sie ihm gezeigt, mit hohen Einlagen, sie habe selbst was, wolle ihn nicht des Geldes wegen heiraten, aber heiraten, heiraten unbedingt. Diese Sparbücher scheinen in der Szene mehrfach Verwendung zu finden, zum Vorzeigen, lachte der Anwalt, wo es kein politisches Asyl (mehr) gibt muß eben geheiratet werden.

Donnerstag, 16. Juni 2011


Today is Bloom`s day!

"[t]he last word (human, all too human) is left to Penelope."

"...I was a Flower of the mountain yes when I put the rose in my hair like the Andalusian girls used or shall I wear a red yes and how he kissed me under the Moorish wall and I thought well as well him as another and then I asked him with my eyes to ask again yes and then he asked me would I yes to say yes my mountain flower and first I put my arms around him yes and drew him down to me so he could feel my breasts all perfume yes and his heart was going like mad and yes I said yes I will Yes. "

Und hier die Molly gelesen von Edith Clever.

Dienstag, 14. Juni 2011


Neinein, sagt die A,, sie war nicht ordinär aufgemacht, das nicht, nein. Schließlich hatte sie beim Warten auf Kunden im Innenstadtcafe, ihr wißt schon, genug Zeit die berufstätigen Frauen in der City und deren Stil zu beobachten. Aber sie war halt arg unbescheiden, penetrant und unsachlich; das Kind soll ein großer international agierender Geschäftsmann werden, so in der Art. Wir sitzen im Eissalon, im besten natürlich, ein Freund wohnt auch in diesem Haus, aus den Söhnen der dort Essenden wird sowieso was, und auf Kunden wartende Damen würden dort erkannt und nicht geduldet werden, im übrigen hat man aus Rücksicht auf die bereits Wartenden schnell zu essen. Alles fürs Kind halt, eine Mutter Courage also, nehmen wir sie als Mutter Courage, schließlich sind wir Feministinnen, sagt die B. und wir lachen.

Den Wutbürger gibts nicht nur in Stuttgart (wo er, zumeist akademisch und pensioniert, von der Polizei vom Platz getragen wird) sondern auch bei uns. Auch bei uns zumeist akademisch und pensioniert, koordiniert von einer 70jährigen Journalistin, die zuerst aus der Presse rausgeschmissen und dann wieder zur Presse zurückgeholt wurde, setzt er sich fürs Allgemeinwohl ein, gemäß pfingstlicher Fürbitten an den Heiligen Geist "erleuchte diejenigen, die unsre Zukunft planen".
Erleuchtung und Einsicht für Erwerbsbürger denen ausschließlich ums Vorwärtskommen ihrer Brut und das Gedeihen und Hochkommen ihrer Sippe zutun ist, darf wohl nicht mal nach Katastrophen erwartet werden.

Donnerstag, 9. Juni 2011


"wie Goethe" sagt der FAZ-Test, famoser Test!

Dienstag, 7. Juni 2011


Na, es gibt doch einen Unterschied zwischen Hietzing und Meidling: in Hietzing lässt man morden. - Die Katakomben unterm Dom sollte man auch schließen.

Montag, 6. Juni 2011


Mein Gott, sagte das Ärzteehepaar (in vierter Generation Ärzte) das ich gestern hergebeten hatte, als es meine Wohnung besah und sich ein Bild von der Situation hier machte, wer hat Dir denn das vermittelt?

Abends dann essen wir zuerst den gesunden Kefir, dann aber doch Himbeerschokolade und probieren zuguterletzt den versekteten Sauerwein einer Domäne die immerhin fast 1000 Jahre im gleichen Besitz ist.Die Flasche hab ich beim Aldi gefunden; billigst. Dazu hören wir Brahms, dann eine CD mit Vogelstimmen die ich samt einem Bestimmungsbüchlein für alle Kinder der Verwandtschaft gekauft habe und lesen flüsternd die Nachrichten: oho, andre Länder, andre Sitten, Kontrahenten gefoltert, verstümmelt und in Kalk in Fässer eingelegt gefunden...ach ja, auch in Hietzing kann man erstaunliche Nachbarn haben.

Danke, sag ich leise zu meinen Gästen und serviere das Bio-Eis aus dem Pappbecher zum Kaffee, danke, daß Ihr da seid! Dann nestle ich das Micro aus meinem Büstenhalter und laß mich in den Sessel fallen. Heute war wieder so ein netter Montagvormittag im Haus: die - sowieso immer schmuddelige - Matte im Lift mit irgendwas Stinkendem & Fäkalischem & Fauligem vollgesogen Behauptet wird dann, es sei mein Hund gewesen.

Donnerstag, 2. Juni 2011


Außer Bonität wünschen sich Vermieter auch ein "Mieterzeugnis". Also bei Bonität schaun wir erstmal ins Grundbuch und sehen, was schon der Bank gehört und wir verstehn natürlich daß es nett wär, wenn Betriebskostenabrechnungen nicht mehr beeinsprücht werden würden, finden aber es sei nett genug, wenn der Auftragnehmer für die - korrekt aus der Reserve gezahlte - Reparatur auch das bescheidene Hausherrnhäuschen repariert hat, das ist ja schließlich eh viel zu schwierig nachzuweisen.