Donnerstag, 31. März 2011



Die Küche die ich hier vorfand war so, daß mit Putzen nichts auszurichten war, man hätte den den ganzen Krempel herausreißen müssen, dazu aber hatte ich keine Zeit.
Unter der Spüle hing diese Textilie, die ich dann beließ, ein kulturelles Zeichen, florales Dekor mit art deco Elementen, ein türkischer Wandbehang in interessanter, elaborierter Webtechnik. Die sehr arme Familie, die sich hier nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten einzurichten versuchte, und die dann delogiert wurde, kann ich mir gut vorstellen, ich habe oft mit solchen Menschen beruflichen Kontakt.

Mittwoch, 30. März 2011


La Grande Deculturation - partout, partout

Dienstag, 29. März 2011

Montag, 28. März 2011


Man kann schließlich nie genug vom öffentlichen Geld abkriegen. - Vitamin D, das die Apotheken hier so vorsichtig abgeben, wird gerade klinisch getestet und scheint sich als Ersatz für die verschiedenen Grippeimpfungen zu bewähren. Ein simples, billiges Produkt, das auch Schleimhautaffektionen im Mund-Rachenraum ganz schnell zum Abheilen bringt.- Und woran ich sonst noch erinnert werde, obwohls hier keine reizenden Häuschen gibt und das einzig Qualitätvolle die herausgerissenen und durch Fliesen ersetzten Parkettböden sind, ist Renaus Camus ironische Anleitung "Comment massacrer efficacement une maison de campagne en dix-huit lecons"

Sonntag, 27. März 2011



Alle 10 Jahre hat Wien sich verändert, nachkriegsgrau und ziemlich schmuddelig war es noch zu Beginn der 70er, in denen so viele Strukturen aufgebrochen und Neuerungen ermöglicht wurden. Die 80er brachten künstlerische Internationalisierung, ein insgesamt besseres Durchschnittseinkommen und eine starke Anhebung von Lebens -und Wohnstandards. Billige polnische Arbeitskräfte haben die graue Nachkriegsstadt mit den Zimmer-Küche-Klo-am Gang-Wohnungen renoviert. Die 9oer brachten den Fall des eisernen Vorhanges, eine euphorische politische Stimmung und dann die Balkankriege,
deren Opfern die Leute hier eigentlich gern und großzügig halfen. Die Zehnerjahre brachten Stagnation der Durchschnittseinkommen, Spekulationsgewinne, völligen Legitimationsverlust der Politiker, und Einwanderung die vom Arbeitsmarkt nicht mehr absorbiert wird, mit allen Folgeproblemen.
(auf dem Foto, aus der FAZ, Kafkas Lieblingsschwester Ottla mit ihren Töchtern, Sommerhaus in der Tatra, 30er, nur eine Tochter überlebte)


Ohne Stadtgartenamt (das nun auch andere, ursprünglich als Grünstreifen gemeinte, Flächen reinigt, mit Erde versieht und bepflanzt) wär da nichts. Im Park gibts für die Kinder jetzt auch Spielbetreuung, sehr gut!, hoffentlich den ganzen Sommer hindurch, wenn manche Kinder nicht aus dem Bezirk rauskommen und sich selbst überlassen sind. Das Lokal gegenüber wartet auf einen neuen Betreiber, der letzte hat im vorigen Jahr neu angefangen, wenn ich mich recht erinnere. - Man kann den Wert der oft geschmähten Gratiszeitungen aus der U-Bahn gar nicht hoch genug ansetzten, was Integration betrifft. Das Zeug wird mitgenommen, gelesen, besprochen und es bringt den Leuten einen westlichen point of view nahe, Frauenrechte, Umweltschutz, etc. Andre österreichische Medien werden kaum konsumiert, lediglich Radiostationen mit viel Musik und Verkehrsmeldungen werden von den Berufsfahrern gehört. Eine Gratiszeitung für junge Migranten, vor allem Werbemittel für Banken, Kleidung und Elektronik, wendet sich an die beruflich integrierte zweite Generation und thematisiert deren spezielles Identitätsgefühl; links-grün-umweltschützerische Themen kommen kaum je vor; eher lifestyle, Konsum, Familienkultur, eine ironische Abgrenzung von der ersten, der Elterngeneration.

Samstag, 26. März 2011



Die internationalen Reedereien meiden die Bucht von Tokio und die Gewässer davor. Vermutlich nicht aus Hysterie und Obskurantismus. - In den Nachrichten wird verschwiegen daß radioaktive Strahlung additiv wirkt und daß unterschiedliche Materialien sie unterschiedlich stark resorbieren, speichern und abgeben. Im oberösterreichischen Granit/Gneisgebiet ist die Erdstrahlung von Natur aus ständig etwas erhöht und die Mortalität durch Krebs ebenfalls. - Der Einsatz von Radium in der Medizin war in der Zwischenkriegszeit sehr modern, nicht nur Krebsgewebe und Tumore, auch Rachenmandeln wurde durch Radiumbestrahlung entfernt. Mit schlimmen Nachwirkungen für die Patienten.

Donnerstag, 24. März 2011


Wie war denn das früher, fragen der B. und ich uns. In jeder Familie gab es Hausbesitz, auch Miethäuser. Allerdings in Gegenden die in Immokeilerspeak AAA genannt werden. Schließlich wohnte man auch selbst dort. Die Häuser, ich erinnere mich auch an ein Eckhaus, hatten weitaus weniger Mieter weil die Wohnungen viel größer waren. Die Mieter waren nicht notwendigerweise weniger wohlhabend als die Hausbesitzer; in bevorzugten Gegenden konnte eben nicht mehr gekauft, sondern nur gemietet oder ein Hausanteil erworben werden. Es gab so gut wie keine Fluktuation, kaum offene Konflikte und überwiegend soziokulturelle Homogenität. Das Miethaus war kein Renditeobjekt, sondern eine Last, denn es mußte erhalten werden, Kriegsschäden und Folgeschäden der Kriegsschäden mußten repariert werden, dafür es gab zwar Förderungen, aber die Mieteinnahmen waren völlig unerheblich. Als Kind hörte ich von alten Leuten soviel sorgenvolles Gerede über Renovierungen und Kosten, daß ich das Miethaus zwischen Gicht und Rheuma einreihte. Natürlich gab es auch häßliche, heruntergekommene Miethäuser in tristen Gegenden, mit kleinen Wohnungen, wie hier, aber wir kannten niemanden dem so ein Haus gehörte.

Die Gugelhupfform hinterließen türkische Vormieter, die delogiert wurden. Sie hinterließen auch sonst so einiges, u.a. ein phantastisch mit Kachelsplittern gekacheltes Klosett. - Eine Kultur des gemeinsamen öffentlichen Raumes müßte wieder zum Aufleben gebracht werden! Das wäre eine große mediale und politische Kampagne wert und würde auch die Zuwanderer kulturell besser einbinden. Strassen und Parks gehören allen, sind der Sorgfalt aller anvertraut und sollten von allen genauso sorgsam wie eigener Besitz behandelt werden. Community gardening ist ein Impuls.
Politisch aber gings in den letzten Jahren in Richtung restloser Privatisierung aller Gemeingüter.

Kleopatra ist tot, aber der Lidstrich lebt!

Montag, 21. März 2011





Der sehr gemäßigte Expressionismus der österreichischen Zwischenkriegsmalerei, der sich bis in die 50er hinzieht, weil da einige seiner Vertreter dann an den Akademien
lehrten, ist natürlich schwach gegen die großen deutschen Expressionisten. Viele Bilder kannte man, sie hingen bei Eltern von Freunden. Große Reisen und das Leben von der Malerei war dieser Generation zwischen den Kriegen nicht möglich, eine ganze Reihe von ihnen zog sich - schon um zu überleben - aufs Land und in ein bäuerliches Leben zurück. So auch Leopold Birstinger, der auch der katholischen Neulandbewegung
(nicht zu verwechseln mit der straff national orientierten evangelischen) angehörte.

Wir sind erstaunt darüber wie gut Faistauer Inkarnat, Masse und Schwere malte. Dabei haben wir lange unter einem großen Faistauer gefrühstückt, Dame im blauen Kleid, eines der vielen Portraits seiner Frau. Wir kannten natürlich auch die Salzburger Fresken, er galt uns aber immer nur als Ständestaatmaler, wir haben nie richtig hingesehen.


Die Blättchen kommen! Ein Specht klopft Löcher in die Styroporverschalung einer Hausfassade, keine Maden wie in morschen Stämmen sind da zu finden. In der Zeitschriftenecke vom BILLA hingegen finde ich bereits drei verschiedene dicke Magazine die das Landleben preisen. - Die selbstgezogenen Orchideenblüten sind weiß, obwohl die Pflanze, als ich sie kaufte, rosa blühte.

Sonntag, 20. März 2011


Tokyo freeters

Zu meiner Zeit, da haben Politikerkinder noch lange Haare getragen und sich für den Vater geniert, Posten und sogar Erbschaften wurden leichtherzig ausgeschlagen; es war allerdings leichter als heute, man konnte immer selber irgendeinen Job finden und den Alten beweisen, daß man von ihnen unabhängig ist. Heute heißen die Alternativen Prekariat oder dynastische Karriere.

ex-Innenminister und MEP Strasser spricht...

Freitag, 18. März 2011


Cuno Amiet, 1905

Mittwoch, 16. März 2011


Die AUA-Flieger kommen fast leer in Wien an, offenbar fliehen die Menschen nicht, und verlassen Wien mit Japanern, die zu ihren Familien heimkehren um ihnen beizustehen. Dennoch könnte es japanische Touristen oder Studenten geben, die in Europa gestrandet sind und nicht mehr zurück können, weil sie aus den schwer verwüsteten Gebieten kommen, für sie werden Gastunterkünfte organisiert, wer Platz hat kann sich hier melden.


Naja, sagt der B., Foersterlieseln schauen sich den Kopf der armen Katze halt genau an, kein Schnabelhieb, nicht von Krähen ausgebuddelt und verschleppt, auch nicht vom Stadtfuchs angenagt, auf der Hundewiese ausgelegt. Von Ungustln die einen Katzenkadaver fleddern. Das war eine erwachsene, aber noch eher junge, weibliche Katze mit dem typischen kleineren Kopf des Weibchens.
Übrigens hat das Unterschriftensammeln für die Kündigung meines Mietvertrages nichts genützt, immer noch wohne ich da. Scheint nicht allen zu gefallen, sagt die Juristin.


Während vorm Haus die vom Stadtgartenamt gepflanzten Tulpen austreiben werden die angeschlagenen Scheiben des Gewerbeparterres von innen mit Karton befestigt.

Dienstag, 15. März 2011


Die deutsche Regierung wird aufgrund der Bürgerproteste stark unter Druck geraten,
aber wirds so gut ausgehen wie in der FAZ? - Und hier Alexander Kluge.

Montag, 14. März 2011


Polina Semionova als Bajadere


Wir trinken japanischen Tee, essen Kuchen aus der türkischen Bäckerei (die Stücke doppelt so groß und halb so teuer wie bei den Wiener Großbäckern mit den vielen Filialen) in der man vom Laden aus nach hinten sehen und die Frauen beim Zubereiten von Keksen und Baclava beobachten kann, wir lesen NYT, und bereden dann die Tatsache daß Deutschkurse nun finanziell weit weniger gefördert werden. Im Allgemeinen werden fast alle Deutschkurse vom AMS (Arbeitsamt) gezahlt, nur die für au pairs und Abendkurse für bereits hier arbeitende Mittelschichtler und deren sowieso bildungsbeflissenen Anhang werden von den Kursteilnehmern selbst finanziert. Um frisch hergeheirateten unqualifizierten Frauen und Männern einen besseren Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, wurde bisher auch ihnen, die noch kein Anrecht auf AMS-Bezug erworben hatten, nicht nur der Kurs, sondern auch 430 Euro monatlich zusätzlich gezahlt; dazu konnten sie auch geringfügig arbeiten und hatten neben dem Deutschkurs so um die 800 Euro. Viele junge Frauen haben diese Kurse besucht und oft recht schnell gelernt, allerdings hatten sie in den Familien, wo nur türkisch gesprochen und ferngesehen wurde keinerlei Sprachpraxis, die kam erst über die Kinder, wenn diese den Kindergarten besuchten. Hergeheiratete Männer vermeiden diese Kurse, beginnen bei türkischen Arbeitgebern zu jobben und verlassen sich auf die hier geborene deutschsprechende Ehefrau. Wichtig ist ihnen nur der Führerschein, für den man aber eigentlich vernünftigerweise auch etwas Deutsch (für Konfliktfälle) können sollte. Sobald Kinder da sind und ihnen klar wird, daß österreichische Arbeitgeber korrekter und zumeist auch besser zahlen, aber Deutschkenntnisse verlangen können, weil das Arbeitskräfteangebot sehr üppig ist, kommen die Probleme. Auch ihre Abhängigkeit von der Ehefrau, die alle Behördenwege, Schul-und Arztangelegenheiten checken muß und die sich in allem hier viel besser auskennt, konfligiert mit der traditionell dominanten Rolle des Ehemanns und führt zu großen Spannungen.


"der Stadtforscher Hartmut Häußermann über "soziale Ghettos" und "Leck-Mich-Am-Arsch"-Haltung"

Tokio ist zu groß für eine Evakuierung, und Japan zu klein, wohin und wie sollte man 30 Mio Menschen evakuieren? Der mittlere Meiler wird durchbrennen, die Philippinen, als gäbe es dort nicht schon genug Probleme, werden die erste Wolke abbekommen, wir werden Dorsch, alles für sushi und getrocknete Algen vom Einkaufszettel streichen und bedauern nie in Japan gewesen zu sein. Die Euratom-Debatte wird trotz ungenügender Anzahl von Unterchriften wieder in Gang kommen und die tschechischen Uraltmeiler werden nicht genehmigt werden. Von Tschernobyl bekam Weißrußland, das praktischerweise einen Diktator hat, das Meiste ab; Ukrainer wissen insgesamt weniger über die Katastrophe als wir und wieder wird der Plan erwogen Atommeiler in solch informationspolitisch günstigeren Gebieten anzusiedeln. Atomindustrie und bauliche Nebengewerbe (all der Beton!) werden mehr für Lobbyisten aufwenden müssen.

Sonntag, 13. März 2011

Samstag, 12. März 2011


Angesichts der Geschehnisse in Japan können wir nicht umhin uns daran zu erinnern „Vom Standpunkt des Schutzes der Umwelt sind AKWs die idealsten..." naja, es ist halt a so a Sache mit dem Lobbying, wie man bei Strasser sieht, während die Hahn-Diss duchzugehen scheint. Zwar sind wir im Allgemeinen auch der Burger-Ansicht, der Ernst Jünger zitierte "der Verfolger verdient unsre Aufmerksamkeit, nicht der Verfolgte"; aber Hahn galt halt als der Intellektuelle seiner Generation. Wobei man wieder sagen muß, daß man in der ÖVP schnell und gänzlich schuldlos in den Verruf der Intellektualität geraten kann.

Mittwoch, 9. März 2011


die vergessenen Frauen, Nachtrag zum 8.März




Blauer Himmel, Sonnenschein und Cirruswölkchen machen Fernweh!
Über den Schneider, der sich ein Gärtchen im öffentlichen Raum befestigt hat, freut man sich, vermutlich ist er kein Hundefreund und wollte vor allem kein Gassiplatzl vor seinem Geschäft. Aber immerhin, er hat sein Revier ästhetisch markiert, bravo!
Auch die Aromatherapeuten, ein für die Gegend ganz untypisches Gewerbe, schmücken ihren Eingang mit Grün. Leider ist die soziale Basis für solche Läden hier sehr klein. Hoffentlich gehts heuer mit der Blumenstrasse weiter, die Zwiebeln vom Vorjahr jedenfalls treiben schon aus.

Sonntag, 6. März 2011





Die städtische kompensatorische Reinlichkeitserziehung ist ziemlich erfolglos