Samstag, 30. Juli 2011

Freitag, 29. Juli 2011


Aber es gab natürlich auch schöne Begegnungen, mit Kindern und Jugendlichen, in dem Sommer als ich mit Gips und Krücken mit dem Hund nur bis in den Park konnte, wo sie mit dem Hund spielten und ein bißchen von sich erzählten. Da gab es türkische und tschetschenische Brüder die auf den kleinen Nachzügler-Bruder aufpaßten, so lieb und geschickt wie große Schwestern das sonst tun. Es gab Mädchen vom Balkan, die von ihren Schulplänen erzählten und die Gesellschaft der einen tat den anderen gut, denn muslimische Mädchen bleiben zu Hause, Mädchengesellschaft aber ist gut für Burschen, die durch die viel früher vernünftigen Mädchen von dummen Unternehmungen und Streichen abgehalten werden. Mehr Geschwister zu haben bedeutet mehr Erfahrung mit Teilen, Verantwortlichkeit und Konflikte schlichten und bedeutet nicht unbedingt Armut und Verwahrlosung, wie wir das gerne sehen.
Aber auch etliche freundliche Damen gab es immer wieder, die den Hund streichelten, von früher erzählten, als es hier noch eine Straßenbahnremise gab, Werkstätten, Gärtnereien zwischen den großen Gemeindebaukomplexen, statt des Parkes gegenüber einen Teich zum Schlittschuhfahren, von der Kriegs-und Nachkriegszeit, davon daß es hier viele kleine Gastgärten und Heurige gegeben haben soll, von denen nur noch ein schönes Restaurant mit Gastgarten, eines mit Wienerlieder-Abenden, ein Heuriger und ein, zwei Eckgasthäuser überlebt haben. Wie das ist, sein ganzes Leben im gleichen Bezirk gewohnt zu haben, mit der Familie im Nebenbezirk, kann ich mir gar nicht vorstellen. Daß die Veränderung der Umgebung schmerzt, aber schon. Die Gassen mit den einstöckigen kleinen Häusern sollten erhalten bleiben und Baulücken nur ensemblegerecht verbaubar sein, damit vom Charme der alten Vorstadt noch was bleibt.
Für politische Erfolge werden nicht Parkplätze und Verkehrsoptimierung entscheidend sein, sondern Gefühle der Sicherheit, der Beheimatung und sozialer Verträglichkeit.

„Neid ist der große Gleichmacher: Wenn er die Dinge nicht nach oben ausgleichen kann, gleicht er sie nach unten aus“
Dorothy Sayers, Krimiautorin

Donnerstag, 28. Juli 2011


Punjabi suit oder salwar kameez (weite Hose, seitlich geschlitzte lange, lose sitzende Tunika, zarter, farblich passender Schal der nach Belieben getragen werden kann) wird oft statt des indischen sari (der aus viel mehr und großteils frei arrangiertem Stoff, der aber auch leicht verrutschen kann, besteht) gewählt, weil im Alltag einfacher und praktischer. Er steht jungen und alten, dünnen, molligen und schwangeren Frauen, und weil er nicht eng sitzt, hält er im Sommer angenehm kühl.

Mittwoch, 27. Juli 2011





Eins der kleinen Häuser im Gässchen wurde von der Sikh-Gemeinde liebevoll renoviert und der Tempel (die Gurdwara), der jahrelang in einem Keller gewesen war, wird hierher übersiedeln. Noch sind die Anrainer sehr skeptisch, aber ich bin sicher, sie werden bald erkennen, daß dieser Zuzug das Gäßchen aufwertet. Die Sikhgemeinde (es gibt mittlerweile drei Gurdwaras in Wien) entstand, weil ab 1984 Sikh aus dem Punjab
vertrieben wurden und die Wiener Zeitungsverleger einen billigen push für den Vertrieb suchten. Die Sikh (erkennbar am Turban, die Frauen tragen oft noch punjabi suit) kamen als Zeitungskolporteure her, akzeptierten miserabelste Konditionen und keine Gewerkschaft half ihnen, nicht nur die Kronenzeitung profitierte von ihrer Arbeit, auch das linksliberale Profil. Die fleißigen und verläßlichen indischen Kolporteure standen bei jedem Wetter und bei jeder Temperatur an der Kreuzung und verkauften Zeitungen, trugen im Morgengrauen die Zeitung aus, so daß man sein Leibblatt zum Frühstück auf der Türmatte fand und mit diesem Service Abonnenten gehalten und neugewonnen werden konnten. Alles ermöglicht durch allerbilligste Arbeit von Menschen die nicht nur Arbeiter oder Handwerker (wer Indien kennt, weiß welche Künstler indische Handwerker sind) sondern oft Buchhalter und Studenten waren. Nicht einmal im Expedit wurde ihnen eine ihrer Ausbildung und Tüchtigkeit entsprechende Arbeit zugestanden. Die Männer (die Familien konnten ja erst später nachkommen) lebten in WGs in desolaten Bruchbuden, kochten gemeinsam, nur so konnten sie überhaupt durchkommen. Die Kinder dann aber studierten, die zweite Generation mit Mathematiklehrerinnen und Informatikern, ermöglichte die Renovierung dieses
kleinen Vorstadthauses, ein Schmuckstück für die kleine Gasse, in der es schon ein hübsch renoviertes Gewerbetreibendenhaus, die Druckerei, und eine nette Trafik am Eck gibt und die in den kleinen Kirchplatz mündet. Die Sikh - Gemeinde wird die Anrainer einladen und sich um gute Beziehungen bemühen und die Umgebung wird von diesem Zuzug sozial und atmosphärisch profitieren.

Dienstag, 26. Juli 2011


Inzwischen haben zahlreiche Rechtskundige aus Familien-und Freundeskreis die Wohnung und die Verhältnisse hier gesehen. Die Reaktionen der mit Mieterschutz Befassten waren eher unemotional, miese Buden und diverse Strategien sind schließlich ihr tägliches Brot. Man kennt seine Pappenheimer, weiß was zu erwarten ist und hat mich auch entsprechend vorgewarnt. Anders bei den, na sagen wir mal, Bürgerlichen. Man ist doch unangenehm berührt, umso mehr als man natürlich selbst gut wohnt, und sowas bisher noch nie aus der Nähe gesehen hat. Man vermietet teilweise selber, allerdings lebt man nicht vom Vermieten, es passiert halt so nebenher und man hängt davon auch nicht ab. Der Umgang mit den eigenen Mietern ist zivil, wenn man durch Umbauten etwa zwei volle Tage Wassersperre verursacht, entschuldigt man sich natürlich, schließlich können Mieter dafür einen Abzug von der MIete geltend machen, nie käme man auf die Idee, einem Mieter der nach dem voraussichtlichen Ende der Wassersperre fragt mit der Polizei zu drohen. Wo sind wir denn? Und daß das jemand aus der eigenen Partei, also das ist ja noch bedauerlicher...

Die Firma Casio, die Uhren mit einer Vielzahl von Zusatzfunktionen anbietet, hat auch eine für Muslime (mit Gebetszeiten und Kompaß der die Richtung Ost anzeigt) im Katalog. Ich müßte eigentlich nochmal nachsehen, ob diese auch eine Solaruhr ist.-
Die These Bassam Tibis, daß es nicht nur einen Islam, sondern deren eine Vielzahl (so wie bei den anderen großen Religionen auch) gibt, abhängig von historischen, politischen und sozialen Gegebenheiten, überfordert die Islamdämonisierer, die sich aus den historisierenden Giftküchen bedienen, natürlich. Muslime werden auch nur als Usurpatoren, als Eroberer, als demographische Explosion gesehen, es wird vergessen, daß z.B. 1947 die muslimischen Mittel- und Oberschichten aus Indien vertrieben und nach der Teilung in Pakistan angesiedelt wurden. Ebenso wird übersehen daß Tschetschenen und Inguscheten Opfer stalinistischer Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen waren, daß die russische Armee 1978 in Afghanistan einmarschierte und damals talib einfach nur Schüler hieß und daß die Asylanten dieser beiden Länder bei uns, in ganz schlechtem Ruf stehend, aus nun schon über eine Generation dauernden Kriegssituationen kommen. Aber, das muß man schon auch sagen, Zusammenleben ist nicht so leicht, Massenmigration rund um den Erdball kann nicht die Lösung aller Probleme sein und westliche Errungenschaften sollen erhalten bleiben.
In England und Frankreich, gibt es unter den früher eingewanderten Muslimen stark säkularisierte Gruppen, eine intellektuelle MIttelschicht, die sehr integriert ist. In Österreich und Norwegen ist (da keine Kolonien) das ganz anders, es gibt keine Erfahrung mit dem modernisierten Islam, es gibt nur das Aufeinanderprallen verschiedener Unterschichten. Dabei hätte Österreich doch Erfahrungen aus der Monarchie, die muslimischen Bosnier, deren Loyalität durch Sprach-und Religionsfreiheit gewonnen wurde. Aber leider haben wir mit der Migration auch den
südslawischen KOnflikt zwischen Orthodoxen und Muslimen (die auch schon in der Vor-Tito-Zeit liberal in der Religinsausübung waren) importiert, der von der Rechten in der Hoffnung auf Stimmengewinn funktionalisiert wird.

Montag, 25. Juli 2011


Wenn man sich das Propagandavideo des norwegischen Attentäters ansieht merkt man wieder wie gefährlich ahistorische Idealisierungen sind. Denn die realen Nachfolger der Ritterorden sind mittlerweile hochkomplexe Organisationen mit bedeutenden Aufgaben der Krankenversorgung; da man nicht um Aufnahme ansuchen kann, sondern vorgeschlagen werden muß, manche Leute halt nie vorgeschlagen werden würden und die veantwortlichen Funktionen im Orden den Lebensstil eines Mönches voraussetzen, gibt es bereits Imitate, auch mit historisierenden Funktionsnamen, auch mit sozialen Aufgabenstelungen und mit dem schönen Effekt der Selbstnobilitierung. Aber soll sein, Hauptsache doch: es wird geholfen.

Wenn man die gleiche Hunderasse führt, plaudert man üblicherweise ein wenig und erkundigt sich nach woher, Alter etc. des Hundes und lobt den Hund des anderen. Ich finde das immer sehr interessant und amüsiere mich, wenn Leute meinen Rüden, der etwas gedrungener und viel muskulöser ist als die meisten sehr dünnen, hochbeinigen Vizslas, prüfend streicheln ob er nicht doch vielleich bloß zu dick ist. Mein Hund kommt ganz nach seiner Mutter, nur mit dem breiteren Rüdenkopf, mit besonders guten jagdlichen Anlagen und immens viel stamina. Deswegen ist er auch - bei aller Leichtführigkeit und Freundlichkeit - ein anstrengender Hund und ich weiß mich verpflichtet ihm Bewegung und passende Tätigkeit zu bieten, was nicht leicht ist, in dieser Wohnlage, ohne Auto, berufstätig.
In der vorigen Wohnung im guten Bezirk hatte ich beim Gassigehen einen Jäger mit seiner Bracke kennengelernt, dann auch seine Frau, sie erzählten mir von ihren Jagdreisen, was sehr interessant war und ich wurde ins Revier eingeladen. Es waren ÖVPler reinsten Wassers, von der liebenswürdigen, kultivierten Art eben. Als sie hörten, daß ich nur hier was gefunden habe, schärften sie mir ein, ja auf den Hund achtzugeben, bedauerten unseren Wegzug.
Hier nun kriegt man den Hund gleicher Rasse ostentativ als exaKt gehorsam vorgeführt und nur mit Mühe und mehrmaligem Nachfragen überhaupt eine Antwort. Andrer Hieb andre Sitten. Und außerdem bin ich eine Frau. D, die so klein wie ich aber viel jünger und Forstmeisterin ist und über deren dominante und eigensinnige Hannoveraner Hündin, die meinen Jungrüden, als er sich nicht gleich ducken ließ, gebissen hatte, ich mich schon mal geärgert hatte, diese tüchtige und selbstbewußte Forstfrau und Jägerin hatte zwei Junghunde , Kinder der eigensinnigen Alten, im Training und das junge Weibchen, der Mutter sehr ähnlich, lief ihr im Wienerwald davon. D suchte verzweifelt, legte Decken aus, verständigte die Jagdaufsicht und die Revierinhaber der Gegend, um dann zu erfahren, daß sie sich ihren erschossenen Junghund im Kühlhaus abholen könne. Es hat aber dann doch ein Nachspiel im Jagdverband und gerichtlich gegeben. Denn: Hannoveraner sind selten, man sieht daß es ein Junghund ist, man lockt ihn an und schaut ihn sich an und stellt fest ob er bereits jagdlich trainiert wurde und dann verhält man sich kooperativ und schaut daß Hund und Herrl wieder zusammenkommen, wenn man kein brutaler Dummian ist, der einer kleinen Frau gern zeigt wer der Herr auf der Gemeindejagd ist.

Dienstag, 19. Juli 2011


Es ist wieder kälter, wir trinken indischen Tee und die dicken Silberlöffel hinterlassen beim Rühren in den mugs graue Linien. Also, wer einen Jagdhund nicht von einem Kampfhund unterscheiden kann, gehört sowieso aus der ÖVP ausgeschlossen, sagt der B, und ich ergänze, daß die Sozialdemokratie hingegen ihr Elektorat gebildet habe, also früher einmal halt, während die ÖVP-Unterschichten nach wie vor der selbstgenügsamen Mazeration überlassen bleiben. Noch ein bißchen Honig?Löffelklirren.
Wie der DSK halt Mutter und Tochter angegangen ist, so haben besenschwingende Damen eben Vater und Sohn erfreut. Aber früher konnte man damit umgehen, man wußte, daß sie dann zu Keckheiten neigen und sich gern war rausnehmen und man zeigte ihnen ihre Grenzen, auch duzte man sich selbstverständlich nicht mit ihnen. Losgeworden ist man sie, indem man sie mit einem Gesellen, Keiler o.ä. Unterläufel verheiratete.
Noch Tee?

diskrete Demarche

Der Wiener im allgemeinen mag kein Kopftuch und dies umso weniger je näher er selber dem Kopftuch noch ist (hat noch die Großmutter eins getragen? Kopftuchhasser; trug die Oma bereits einen Hut: etwas toleranter) das in den ländlichen Gebieten noch heute von älteren Frauen getragen wird. Xenophobie ist nicht nur die Haltung traditionell nationaler Kreise dies halt immer gibt, sondern auch jene eines bedeutenden Teiles der sozial erfolgreichen Klientele der Sozialdemokratie. Jene Leute, die eine Ausbildung oder einen früher ja noch möglichen Aufstieg im Job geschafft haben, in sehr geschützte halbstaatliche Bereiche, mit sehr guter Altersversorgung, die im Genossenschaftsbau und nicht mehr im Gemeindebau oder in den schäbigen Mietshäusern leben, die rund um die Welt fliegen und glauben sie zu kennen. Das ist die soziologische Schnittmenge zu rechts unter den Älteren. Der jüngere Anteil dieser Schnittmenge optiert aus problematischen Erfahrungen nach rechts: crashes mit ethnisch organisierten Banden, mit Kriminalität, tatsächliche oder so empfundene Diskriminierung in Schule und bei Berufseintritt.
In den frühen 8oern erlebte ich, wie zwei Pensionistinnen (sie trugen tatsächlich Kopftücher, es war im Frühling) als ein Schwarzafrikaner sie nach dem Weg fragte,
ihn beschimpften, Steine von der Straße aufhoben und ihm nachwarfen. Ich stellte sie zur Rede und drohte ihnen mit der Polizei, doch das war damals - vor der handy-Zeit -
nicht so einfach. Der angefeindete Schwarzafrikaner, den ich dann ansprach hatte ein britisches degree, war politischer Asylant, betreut von der evangelischen Kirche und
von Beruf Journalist. Im gleichen Jahr machte ich eine Reise nach Sardinien, eine Bildungsreise die uns in Landesinnere führte, weil wir prähistorische Bauten besichtigten. Und dort, in einem Bergdorf, sah ich im letzten Haus des Straßendorfes
das in einem Abstand zu den übrigen stand und sehr schäbig war, eine vielköpfige schwarzafrikanische Migrantenfamilie. So erreichten Migration und Globalisierung die letzten Winkel und ich fragte mich wie die Leute wohl damit zurecht kamen.
Durch die Gesellschaft, auch durch eine sozialrechtlich integrierte mit vielen Aufstiegschancen für alle, gehen immer noch viele potentielle Bruchlinien. Die sozialen werden nun von den ethnischen verdeckt und viel weniger wahrgenommen.

Montag, 18. Juli 2011


Jersey, früher der Unterwäsche, dem Sport und der Kinderkleidung (das Bleylekleidchen) vorbehalten, hat herkömmliche Textilien bereits überrundet. Und seit Lycra und Spandex mitverwirkt werden ist alles eng geworden. Hauteng. Das Spaghettitop und dazu die Radlerhose (knallbunt und auch gerne glänzend und/oder im animal print) ist die Sommeruniform der Unterschichtlerin, alle Alters- und Gewichtsklassen übergreifend und alle Nationalitäten umfassend. Auch ein nicht geringer Teil der jungen Muslimas hat zu einer erstaunlichen Kombination von Verhüllung und Exhibition gefunden: verhülltes Haupt zu Legggings, dazu langärmeliges hautenges T-shirt unterm Spaghettitop, oder knöchellangr enger Rock, der keinem die Katze im Sack andreht. Das luftig-beschwingte, nicht am body klebende und deswegen eben besser kühl haltende, Sommerkleid sieht man nur noch in Rückzugsgebieten des Bürgertums, auch in der Innenstadt überall schlechtsitzende, zu enge Shiftkleider. Elegant hingegen die ägyptische Muslima in ihrem langen Kleid mit Hijab in grege, wunderschön die Inderinnen in Sari und punjabi suit, elegant die ältere türkische Frau, die einen langen Prinzeßmantel mit Posamenteriebesatz in schwarz oder dunkelbraun für ihren Besuch in der Moschee rägt, dazu Pumps mit Schleifchen und ein hellseidenens Kopftuch mit schwarzem oder braunem Muster das ihre schönen Augen, die sie an eine große Familie vererbt hat, gut zur Geltung bringt. Muslimas, die zusammenzucken wenn ihnen im Sommer eine moderne Schwangere mit stolz enthülltem Bauch auf der Straße begegnet, kann ich verstehen, ich fühle mich dann auch immer an alte ethnologische Fotografien aus Afrika erinnert.

Sonntag, 17. Juli 2011



Am Sonntagmorgen, nach einer Samstagnacht voller Gekreisch und Geschrei, sehen wir aus dem Fenster, die abgestorbenen Bäume, den Müllbehälter, dessen Boden mit einem Schlag zum Aufspringen gebracht wurde. Auf dem Weg zur Frühstückseinladung dann lauter freundliche Leute, in der Straßenbahn erzählt eine Dame vom Familienhund und dessen erstaunlichen sozialen Talenten; als wir austeigen, treffen wir eine thailändische Dame mit Möpschen, die sich bedankt, weil ich das Hauferl von meinem Hund aufhebe, und ich denke beschämt an den Typus häßlicher Österreicher, der gern in ihr Land fährt um dort die Sau raushängen zu lassen, weils billig ist. Rundum Ruhe, Grün, Rücksichtnahme, Bemühen sich gegenseitig das Leben nicht unnötig zu erschweren. Man hat hier andere Möglichkeiten der Unterhaltung als Gehässigkeit, Verleumdung und Niedertracht.

Freitag, 15. Juli 2011


Da das Elektorat der Roten viel stärker von den Schwierigkeiten des Zusammenlebens betroffen ist, kommen diese unter Druck; ein Irrtum der roten Politiker meiner Generation war es, zu glauben, die Zuwanderer seien so wie die Perser, Chilenen und Kurden mit denen wir befreundet waren, Intellektuelle, die traditionell kochten und westlich dachten. Für Türken ist das Erlernen unsere Sprache besonders schwierig, weil die grammatikalischen Strukturen beider Sprachen so verschieden sind, daß türkische Funktionäre und Imame einen defensiven Zuhammenhalt forcieren würden, wurde lange nicht erkannt, auch daß kulturell selbstgenügsame Subkulturen entstehen würden, die kaum loyal zum Gastland sind. Viele Jugendliche, unzureichende Schulabschlüsse, keine Integration in den Arbeitsmarkt, Rumhängen, Wettlokale, Drogen - das sind die Ingredienzien der Banlieuisierung. Kleine Geschäftsleute die aufgeben müssen, nicht so billig anbieten können wie ethnische Lokale gehören auch zu den sozialen Verlierern und optieren rechts. Wer an Billigarbeit, Schwarzarbeit, Glücksspiel und überhöhten Mieten profitiert, predigt Toleranz. Aber auch da bröckeln Wählerstimmen ab: bei kleinen Beamten oder Angestellten, die ihre Kinder nicht in Pribvatschulen geben können, die sich für Wohnungen in schlechteren Gegenden verschuldet haben und nun sehen, daß Vandalismus und höhere Kriminalität dort die Lebensqualität beeinträchtigen. Zusätzliches Wählerpotential für Rechts kommt aus der Konkurrenz zwischen früher und später Eingewanderten und aus dem traditionellen Antiislamismus am Südbalkan und Kaukasus, und natürlich immer dann, wenn kulturell selbstgenügsame Milieus aufeinandertreffen.

Dort wo die Bahn den Bezirk durchschneidet und besonders unwirtlich und häßlich macht, gibt es noch ein kleines Haus und ein Geschäft mit Holzwaren. Sesselchen, Bottiche, Vogelhäuschen, Körbe in verschiedenen Flechttechniken, Puppenhausmöbel, Wiegen, duftende Zirbenschüsseln. Die Sachen, da zumeist in Westösterreich wo das Lohnniveau höher ist, erzeugt, sind nicht billig, es ist eben kein Ramsch aus einem Niedriglohnland. Immer wenn ich vorbeikomme muß ich in die Auslagen schauen, als Kind habe ich solche schönen Dinge von einem alten Holzknecht geschnitzt bekommen, ich liebe solchen bäuerlichen Hausrat und hab mir in dem Geschäft auch schon ein Körbchen und eine kleine Zirbenschüssel gekauft. Neben mir schaut heute eine etwa gleichaltrige Frau in die Auslagen, gekleidet wie eine Türkin, mit geblumtem Kopftuch, aber dazu hat sie noch ein kleineres Tuch als Gesichtsschleier. Ich sehe gleich, daß sie eine bosnische Bauernfrau ist und wahrscheinlich die nahegelegene, wahabitische Moschee besucht und spreche sie an. Und dann stehn wir zwei Landmädl und bestaunen und bereden die hübschen Sachen in der Auslage, sie kommt aus einer waldreichen Gegend, in der die Opas und Papas den kleinen Mädchen Puppengeschirr und Puppenmöbel bastelten. Von ihrer großen Familie ist sie allein übriggeblieben, die Wahabiten unterstützen sie ein bißchen, sonst könnte sie nicht überleben, deswegen auch der Gesichtsschleier, den vor dem großen Morden in Bosnien natürlich niemand trug.

Mittwoch, 13. Juli 2011


Wenn man im Sommer in Wiener Grünbereichen unterwegs ist, sieht man zunehmend mehr auf Parkbänken oder einfach im Gras schlafende Männer. Es sind keine studentischen Rucksacktouristen denen das Geld ausgegangen ist, sondern Leute vom Südbalkan, die für ein, zwei Wochen, naja, in Wien ein bißchen Geld machen wollen. Irgendwie. Auf dem Arbeitsstrich, wo sie vielleicht nicht gebraucht werden, oder um den Lohn gelinkt werden... Organisierte Kriminalität stellt in der Regel auch die Unterkunft (wie jener Taxifahrer, der Österreicher die in die Ferien flogen zum Flughafen fuhr und dann die Adresse der Urlauber an Einbrecherbanden weitergab...)






Vorstadtgasse: Werkstatt, moderne Fassade, Pornokino und evangelikale Gemeinde (hier treffen sich Schwarzafrikaner, aber auch weiße Lateinamerikaner, zu sonntäglichen Gottesdiensten, es gibt Nachhilfeunterricht für Kinder, offene Tage für die Anrainer, die das allerdings kaum zur Kenntnis nehmen) nebeneinander.

Dienstag, 12. Juli 2011



In der U-Bahn heute ein Mann der ein fröhlichklingendes Lied auf Bulgarisch zur Ziehharmonika singt, die Frau sammelt mit einem Joghurtbecher Spenden. Sie sehen nicht verelendet aus, sondern sauber und gutgenährt, wie Leute die aus dem Plattenbau kommen und sich so einen Aufenthalt in Wien verdienen. Zhifkov, immer die Nähe zu Moskau haltend, hatte von russischem Rohöl, das von Bulgarien raffiniert und auf den Markt gebracht wurde, profitiert. In den 8oern gab es sogar einen bulgarischen Computer. Ebenfalls in den 80ern eine strikte Bulgarisierung für Muslime, die bulgarische Namen annehmen mußten. Wie in allen Balkanstaaten gibt es aufgrund der osmanischen Eroberungen muslimische Gruppen, in Bulgarien etwa 10%, dazu noch 5% Roma. Die Muslime gehen als Arbeitsmigranten in die Türkei. Von der Rückkehr Simeons, der kaum Investoren für das Land anziehen konnte, sind die Leute enttäuscht, profitabel ist nur noch der Fremdenverkehr. Die Jugend genießt die neuen Freiheiten, es gibt eine kulturelle und eine Clubbingszene, aber vor allem sind die Leute mit Überleben beschäftigt, wer kann geht weg. Der EU-Beitritt hat den großen Infrastrukturinvestoren Profite gebracht, aber die alten wirtschaftlichen Strukturen sind implodiert und durch nichts ersetzt. Wie in den anderen postkommunistischen Staaten auch, entstehen mafiöse Gruppen, die alte Strukturen und Verbindungen nutzen, in Bulgarien sollen es die ehemaligen Sportler sein. Neben nationalistischen Verbänden (denen auch junge Frauen angehören und bei Aufzügen mitmaschieren) gibt es eine gewise Nostalgie, man fühlt sich eben vor allem Rußland verbunden, die Geschichte, die Sprache und Schrift, die Religion... Als Agrarland mit einer dünnen und jungen Bürgerschicht blieb das Land auch im 19.Jh für Europa peripher, es gibt das Theater von Hellmer ( wie überall am Balkan) aber kaum bürgerliche Traditionen.
Es gibt spekulative Käufe von Agrarland, den Versuch am Meer Ferienhäuser an Leute zu verkaufen, denen Spanien zu teuer ist; aber ein so armes und dadurch auch sozial unsicheres Land ist viel unattraktiver als etwa Griechenland oder die Türkei.

Montag, 11. Juli 2011



Wir kennen niemanden der ans Schwarze Meer zum Baden fährt; Wandern in den Rhodopen könnte man sich noch vorstellen, aber die Alpen sind uns lieber. Über die schlechte Situation der Bevölkerung weiß man Bescheid, ein großer Teil der Prostituierten in Wien und Berlin kommt von dort und es sind keine Roma, wie gern behauptet wird. Die transsexuellen Prostituierten in Spanien und Frankreich kommen aus Lateinamerika und die in Wien und Berlin von dort. Dort gibts offenbar, wie in Lateinamerika, Ärzte die alles machen. Aber es kommen auch viele Roma von dort zu uns. Kinder die zum Stehlen abgerichtet und dann vermietet werden; damit sie mit Leuten, die nicht ihre Eltern sind (und die ihren Eltern dafür was zahlen) nach Wien fahren dürfen, muß ein anwaltlicher Schrieb ausgestellt werden. Diese Anwälte wissen warum Kinder mit Fremden reisen. In Wien muß so ein Kind dann pro Tag 350,-€ abliefern, wird eingeschüchtert und mißhandelt und oft auch der Kinderprostitution zugeführt. Die Wiener "Drehscheibe" kümmert sich um diese Kinder, die , noch nicht strafmündig, von der Polizei erwischt werden. Oft sind diese Kinder Roma-Kinder; seit sechs Jahren befinden wir uns im von der EU ausgerufenen Dezennium der Roma, viel Geld fließt in das Land um die Situation der Roma zu verbessern, aber zu wenig davon dorthin, wo es hingehört. Wir wußten auch, daß es dort kein Gesetz gibt, das Tierquälerei verbietet, wußten von den vielen armen Straßenhunden, aber erst ein Bericht den wir heute (zusammen mit vielen tristen Bildern) aus Sofia bekamen, informierte uns, daß Hundehaltung unter Zhivkof (und Zhifkov regierte lang) verboten war. Nach 1989 holten die Leute sich dann Hunde, aber wegen der wirtschaftlichen Probleme setzten sie diese wieder auf der Straße aus, Streunerrudel bildeten sich.

Wien hat 2 Mio Bewohner, so viel wie zur Ringstrassenzeit, das bedeutet billige Arbeit und teuren Wohnraum. Slumlordism, Immoschummelei und Artverwandtes gedeihen. Die Internetsites ersetzen den Marktschreier, der verkaufte wenigstens noch einen funktionierenden Gurkenhobel. Die Urbanisierung bedeutet mühselige Zivilisierung immer neuer ländlicher Schichten, bald werden wieder Schilder mit "Spucken verboten" und Schablonen, mit denen man "Anpinkeln verboten" an die Hauswände sprühen kann, wie im Maghreb, zu kaufen sein.

Samstag, 9. Juli 2011


Immer wenn ich den B. besuche bleibe ich im Hauseingang ein bißchen stehen und laß das schöne Interieur, die Marmorvertäfelung, die Spiegel, das blankgepützte Messing und den sauberen Geruch eines gepflegten alten Bürgerhauses wohltuend auf mich wirken. Aber auch andre alte Häuser, auch wenn sie nicht so elegant ausgestattet sind wie dasjenige in dem der B. wohnt, sind sauber und ordentlich und empfangen den hochsommerlichen Besucher mit angenehmer Kühle. Das Haus in dem die K.s wohnen riecht besonders gut, es gibt eine Drogerie im Haus und es riecht nach Kräutertee,
Auf den Stiegenabsätzen stehen Pflanzen und Bäumchen.

Sommerzeit ist Cabriozeit. Und so sehen der Hund und ich täglich ältere Herren in schönen Cabrios, alle blitzblank und bestimmt sauteuer (keine VW-Polos mit Stoffdach)lediglich eines war klein und flach wie eine Art Muskatreibe. Nur einer dieser Herren hatte weibliche Begleitung, seine schüttere Bürstenfrisur war blond getönt, die Dame ebenfalls blond und viel, viel jünger. Alle anderen Cabriofahrer waren allein unterwegs, die meisten hatten besonders volles, welliges Jahr, schlohweiß, oder graumeliert. Keine einzige Glatze in einer Stichprobe von etwa 30 Herren 65plus. Hm. Wie fixiert Mann Toupets gegen die Tücken des Fahrtwinds?


Mittwoch, 6. Juli 2011


Nett inszeniert, sagt der B. als er sich das Filmchen, das auf der anderen Seite gedreht wurde, ansieht. Jetzt spielen also Blondinen die Hauptrollen. Ja, sag ich, wieder. Die armen Möps, sagt der B, gesunkenes Kulturgut wie der Nerz, aber wenigstens lebend. Und die wohnen da? Vermutlich der Genossenschaftsbau von dem aus man so nett das kleine Puff mit den Lämpchen sieht, gell? Das stört die Leute aber nicht, sag ich. Die zwei Moscheen im Gäßchen hingegen regen sie mächtig auf.



Also weißt, sagt der B., ich schätze diese erfrischende Improvisation! En plus, weißt, erinnerts mich aber partout an den Ruinenbrunnen in Schönbrunn! Kollossal elegant! Ganz recht sag ich, ich improvisier ja aus Armut, aber das ist reines l´art pour l´art. Hast du schön ghört wie der Richter beim "part of the game" entschieden hat, der lifeticker von der Kleinen Zeitung mußte ja auf Antrag vom Böhmdorfer eingestellt werden. Ja, a tüchtiger Verteidiger hat in Kärnten immer was zu tun.

Daß die "wertvollsten brands" auch noch ausgerechnet jene von nutzlosen und unnötigen Produkten sind, sagt schon was über unsere Kultur, die Glitzer und Putscher - schon für Kinder! - braucht.

Dienstag, 5. Juli 2011



Im Park gibt es für die Ferien eine Spielbetreuung, in der Blumengasse gabs ein gemeinschaftliches Strassenfest mit Musik, es wird weitergegärtnert und in diesem schön renovierten Haus, mit den Blumenkübeln am Tor, nach altwiener Art, hat sich ein Arzt niedergelassen. Leider ist es für junge Ärzte sehr, sehr schwer eine Krankenkassenpraxis zu bekommen. Daß das Schild "Bitte Einfahrt freihalten" an der Ecke bereits angebogen ist zeigt die hohe Vandalismusbereitschaft in der Gegend.

Nachdem der Sommer einsetzte hat sich in unorchideenhaftem Tempo und ganz unerwartet ein Ästchen mit sieben Blüten entwickelt.

Montag, 4. Juli 2011



Auch bei Kaisers wuchsen die Kinder selbstverständlich mit Hunden auf,
das Foto ist aus der Emigration, auch unter diesen Umständen gab es - selbstverständlich - einen Hund. Aber, sagt mein lieber B., gegen ein bisserl Bakschisch und guts Zureden werden sich schon welche finden, die gern bezeugen, daß dein Hund ein blutrünstiges Ungeheuer ist, und du selber auch.