Samstag, 30. April 2011


Partizipatorisch-identifikatorisches Genießen des perfekten Übergangsritus, ähnlich wie ein Opernbesuch. Schwerstarbeit aller Darsteller. Der Riesenrock der von der gemoldeten Corsage getragen werden muß, das bißchen Spitze gegen die Kathedralenkälte gegen die erfahrene Hochzeitsgäste Kleid mit Mantel tragen. Aber auch die kleinen Hochzeiten sind durch die Erwartung des Feierlichen, Festlichen gekennzeichnet, und man ist überrascht wenn man andres zu sehen bekommt. Vor ein paar Wochen hatte ich in einem Amtsgebäude, in dem auch standesamtlich geheiratet werden kann, zu tun und traf am Vormittag auf ein offensichtlich betrunken streitendes Hochzeitspaar in mittleren Jahren mit Trauzeugen und einigen Begleitern(ein Nerz blieb mir in Erinnerung, jaja der Nerz das abgesunkene Statussymbol) die auch schon etwas vorgeheizt hatten; es waren Einheimische und das Standesamt eines besseren Bezirkes.

Donnerstag, 28. April 2011



für JC
Heute fiel mir Friedl Kubelka ein, ihre Jahresportraits wieder ansehen.

Mittwoch, 27. April 2011



Nachdem der Frühling mit fortissimo eingesetzt hatte und fast alles zugleich blühte,
ebbt die Schönheit hier wieder ab; die lila Tulpen blühen noch auf, das frische Grün längs der Straße verstaubt und ein heißer Sommer mit Lärm und Smog steht bevor. Inzwischen habe ich realisiert daß es drei Neugeborene im Haus gibt. Der Lift ist sehr klein, umständlich zu bedienen und die Leute schleppen die Kinderwägen über die Stiegen, kein Platz, zu schmuddelig und auch ein mit Radschloß gesicherter Kinderwagen könnte schnell weggetragen werden. Dem jungen türkischen Paar neben mir habe ich gesagt sie könnten den Wagen vor meiner Wohnungstür stehen lassen, obwohl sie für die Kündigung meines Mietvertrages unterschrieben haben. Wie kann man nur, sagt mein lieber B., in so einer Bude. Oh sag ich, dieses Licht, Luft, Sonne für Kinder - Paradigma ist aber arg mittelschichtig, sei nicht so borniert mein Lieber, nur weil du nicht von der Unterschicht lebst.

Donnerstag, 21. April 2011


Zu den behaglichen Entwicklungen der Geschichte gehört, daß man heutzutage als Armenarzt durchaus wohlhabend werden kann, während man in früheren Zeiten wohlhabend sein mußte um Arme zu behandeln. Zwei solcher Armenärzte soll hier gedacht werden. Sie kommen aus ganz verschiedenen sozialen Ecken und werden vermutlich sehr selten gemeinsam erwähnt. Der eine ist der jüdische Arzt Viktor Adler, der die tschechischen Ziegeleiarbeiter die im Süden Wiens unter elenden Bedingungen arbeiteten und lebten, behandelte und der einer der großen Väter der österreichischen Arbeiterbewegung ist. Der andere ist Ladislaus Batthyány-Strattmann, ein zutiefst frommer ungarischer Aristokrat und Arzt, der in Kittsee und in Körmend Krankenhäuser für die Armen einrichtete und sie dort behandelte.


Die Blüten, im Blattschaft verborgen, sind schon zu erkennen





Die fleischlosen Religionen sind einfach sympathischer - aber die Musik!

Dienstag, 19. April 2011


der niedliche, neuernannte Integrationsstaatssekretär kommt aus Meidling!

Montag, 18. April 2011


Wie altvaterisch, sagt die C, wenigstens ist der Knicks schon ausgestorben. Also, wir haben noch geknickst, sagen A. und ich, und wir haben trotzdem das Kapital gelesen, das ganze, auch den bekannt schwierigen zweiten Band.

Eiserne Personalreserve aus NÖ, Styledesaster, furchtbar!, HPM ein Defraudant? Wir braten Baybykartoffeln in der großen Gußeisenpfanne und verbrauchen vorm Sommerbeginn das restliche rote Palmkernöl, HPM hat ganz allein, nix fils du papa, keine Partei, eine deutsche Journalistenkarriere hingelegt, wurde als Aufputz hergebeten und hat die kleinen Nehmereien von Leuten dies nicht nötig hätten aufgedeckt. Deren Haß und Rachsucht war ihm sicher, blöd wär er wenn er ihnen tatsächlich Angriffspunkte gäbe. HPMs Schnarrestimme ist gräßlich, aber für einen Betrüger halten wir ihn nicht. Die Spesenfreundinnen, sagt mein Gast, die gar nicht immer nur jung und knusprig sein müssen, sag ich, ist das nicht grauerpanthergerecht, und an einen toyboy erinnern wir uns auch noch, gendergerecht.

Erdbeeren im April? Nein, obwohl sogar im Bioladen schon welche angeboten werden. Nach den Erstfreuden der Tiefkühlkost in den 70ern bietet man Gästen keine grünen Erdbeeren an, genauso wie man ihnen keine Microwellengeschichten serviert, das tun nur Damen die auch ihren Gschamsterer in verschämtem Dienstmädldeutsch "mei Bekannta" nennen, obwohl doch eh ein jeder weiß, daß er weniger ihr Freund, als den sie ihn simpel vorstellen könnten, sondern vielmehr ihr Zubrot ist.

Samstag, 16. April 2011


Unter der Fuchtel des guten Geschmacks aufgewachsen hab ich eine anarchische Vorliebe für buntes Plastik entwickelt, aber nicht von Alessi, nein, auch auf einer Tupperwareparty war ich noch nie. Mich faszinieren bunte Schüsseln und Eimer, wie man sie in afrikanischen Dörfern und in indischen Haushalten finden kann, obwohl ich natürlich weiß daß sie regionales Handwerk und traditionelle Behältnisse verdrängt haben und außerdem unter gefährlichen Bedingungen erzeugt werden und nicht verrotten. Dennoch, neben Edelstahl, Holz und Gußeisen findet sich bei mir immer buntes Plastik und ich gehe auch in 1-Euro-shops und sehe mir ihre Waren an, schau einmal im Jahr zum Kik und stelle fest, je weniger Natur, desto mehr Dekoartikel auch in diesen Läden, ja sogar das rosenbedruckte Blechschäufelchen hat es vom shop des National Trust über den Kafferöster bis in die Niederungen des Kik geschafft, um 1,99. Und da die hygienischen Verhältnisse hier ja indischen nicht so ganz unähnlich sind, erleichtern mir einige Plastikwannen das Leben.

Donnerstag, 14. April 2011

Mittwoch, 13. April 2011


Es ist beträchtlich kälter, frisch sagt man dazu auf dem Lande, und es ist tatsächlich erfrischend draußen, die Luft wie Champagner, irgendwer mäht schon das neue Gras und es duftet. Jedes Jahr kaufe ich beim Aldi diese bemalten Eier, denke dran für wie wenig Geld die Frauen und wahrscheinlich auch Kinder sie wohl in Heimarbeit bemalt haben mögen. Der B. und ich gehen spazieren und bereden die Tagesgeschehnisse, Der Kanzler geht, naja Streß wegessen ist genauso ungesund wie Streß wegtrinken, die Wiener ÖVP versucht einen relaunch, die Bürger sind längst längst über alle Berge. Jedenfalls in Wien. Bürger, sagt der B., Bürger wär man gern, aber diese Leute sind doch nicht einmal bildungsfernes Erwerbsbürgertum. Abends ruft dann der Anwalt an und fragt nach einem soziologischen Term für Leute
die sich ganz ehrpusselig geben und ihren Mob vorschicken. Naja, mir fallen nur historische Beispiele ein: das alte Rom, die aufkommenden Nazis, die Arisierungen über Strohmänner, und die Zustande in Ägypten unter Mubarak wo man auch in jeder
schummrigen Imbißbude einen Schlägertrupp heuern konnte.

Haruki Murakami, schubladisiert als "phantastischer Realismus" verarbeitet in manchem diese ständige Bedrohung durch Naturkatastrophen, mit der in Japan schon immer gelebt wird

Sonntag, 10. April 2011



für Barbara 1 & 2

Wir sitzen im Cafe und reden, dann sitzen wir vorm Cafe und füttern die entzückenden frechen Stadtspatzen und dann sitzen wir wieder drin und essen noch einen Apfelstrudel, das haben wir, am gleichen Ort, schon vor dreissig Jahren so gemacht, das Cafe war damals noch nicht renoviert und es gab noch eine Garderobiere, und eigentlich wars viel viel schöner, damals. Das hast du eben nicht gekannt, sagt der B., Handel mit Waren aller Art, a klans Cafe, ein großes Auto, auf die Firma geschrieben, ein Konkurs, a Detektei, Finanzvertrieb, man nennt sich Unternehmer, man ist selbständig. Auch das ist ÖVP, nicht nur Sektionschefs, Generäle, Großbauern, Sägewerksbesitzer, Primare, Gymnasialdirektoren, Dekane und Kreuzordensdamen.

Wesenskerne in Verfassungen


Japanische Kirschen blühen im Gemeindebau ums Eck. In den 50ern und 60ern wurden die japanischen Kirschbäume bei uns modern und in vielen öffentlichen Parkanlagen, aber auch in privaten Gärten gepflanzt. Viele Fenster in dem Bau, in dem viele ältere Leute wohnen, und dessen vorderer Teil von einer sehr freundlichen, überaus fleißigen Hausmeisterin, die wir ofters treffen, wenn sie regelmäßig den Gehsteig rund um ihren Bau kehrt, betreut wird, blinken frisch geputzt, dahinter gehegte Topfpflanzen und frisch gewaschene Gardinen. Die Zweige bewegten sich im Wind, deswegen die Unschärfen.

Noch blühen sie ja erst, die Apfelbäume, aber der Flieder fängt auch schon an und die Kastanienblätter sind schon da! Ein wundervoller Frühling, heuer. Zu Gast bei Freunden, in der Veranda, bei Linzertorte und Kaffee. Nächste Woche, allerdings, wirds wieder kalt.

Donnerstag, 7. April 2011





Die Stadt Wien hat großen Frühjahrsputz gemacht, die Parks gereinigt, ja sogar hier am Haus wurden endlich die zerschlagenen Kellerfenster ersetzt; die Lilien gewinnen an Höhe und die Abendwolken sind rosig gebändert, einen schönen Morgen verheißend. Es ist die beste Zeit in Wien, die Veilchen sind heuer so üppig wie schon lange, lange nicht, heuer blühen sie sogar auf Vorstadtbrachen, wo noch nie welche zu sehen waren.

nun eine Präsidentin für den Kosovo

Dienstag, 5. April 2011


auch in dieser Branche wird hochmotiviert und eifrig um die Auftragsvergabe gekämpft

Net amal ignoriern, sagt mein lieber B., dem ich den Anwaltsbrief den ich heut im Postkastl gefunden habe, gemailt hab. Net amal ignoriern, hoffentlich war der Anwalt recht teuer. Und dann gibts eine Einladung zum Demel (oje, da kann ich nicht in meiner Vorstadtkluft hin und muß was raussuchen) und viele, viele Tipps und auch ein paar Geschichten, halb pikant, halb politisch.

Sonntag, 3. April 2011

Samstag, 2. April 2011


Es scheint in Japan zur Zeit ungewöhnlich kalt zu sein, denn üblicherweise beginnt Anfang April die Kirschblüte.

Freitag, 1. April 2011


Unter all den schrecklichen Dingen die wir bisher aus Japan erfahren haben berührt uns die Nachricht, daß etwa tausend Tote in der Nähe des AKW Fukushima nicht begraben werden können, die Körper sind zu stark kontaminiert, zu unserem Erstaunen besonders stark. Sogar die Opfer der Kriegsverbrecher werden in Massengräbern verscharrt, schon um die Morde zu verstecken. Bestatten, Antigonenpflicht unserer Kultur.

Tschau srce, hatte B. zur Perle gesagt, so nicht, und sie rausgeschmissen, als er in sein Büro kam und sie lauthals telefonierend und den Inhalt seiner Schreibtischladen sichtend und referierend, soweit sie das konnte, vorfand. Tja, Personal. Hast Du das Silber nachgezählt und Deine Manschettenknöpfe, fragen wir.

RWE reicht Klage gegen das deutsche AKW-Moratorium ein, die EU erlaubt den Import verstrahlter Nahrungsmittel unter Rückgriff auf Katastrophenbestimmungen und an der amerikanischen Westküste finden sich bereits erhöhte Werte: Fukushima ist ganz nah, die Welt ist unsere gemeinsame Welt.
Dazu ein gescheiter Artikel aus der FAZ. Unkultivierte Konservative hab ich ja erst sehr spät in meinem Leben kennengelernt, ich hatte wirklich Glück.