Samstag, 27. August 2011






Zemlinsky Quartett, Dvorak

Sonntag, 21. August 2011




Frühstück im Garten, der Kreis ist kleiner, denn einige sind verreist, vor allem jene die in der Stadt wohnen. Aber ein Jurist, ein Strafrechtler, ist immer noch da und mahnt auf mich und den Hund gut aufzupassen, denn auch dort von wo man üblicherweise bürgerlichen common sense und Unterstützung im Notfall erwarten können müßte, gabs die ja nicht. Tja, in den Soziologiebüchern ist ja immer alles so einfach und glatt "Wertemuster, Habitusformen und Milieu - Kategorien", "Quartiersmanagement", "Invasions-Sukzessions-Zyklus" usw. aber mitten drin ? - Jedenfalls, die treuen Leser, dies halbwegs nett haben, sollten sich dessen, wenn dies und das sie mitunter doch ein wenig stören mag, bewußt sein: es geht schlimmer, deutlich schlimmer. Und zum Schluß (ja, jetzt ist Schluß) noch ein Lob all jenen Frauen, die hier Kinder, oft allein, großgezogen, sie nicht einfach auf die Straße geschickt haben, obwohl sie selber arbeiten gehen mußten, die glücklich über eine moderne, saubere Sozialwohnung waren und ihren Kindern eine Ausbildung ermöglicht haben die besser war als ihre eigene, die gespart und geknappst und sichs eingeteilt haben, denn es gab zwar leichter Arbeit als heute, aber schlechter bezahlt als die der Männer war sie immer, und mit Kindern war Aufstieg im Job auch sehr viel schwerer. Trotzdem hatten diese Frauen zu viel Selbstachtung (man kann natürlich auch sagen: Wertemuster) um sichs mit diversen Zuverdiensten zu erleichtern, wenn etwa wieder das Geld für den Kinderskikurs fehlte, Gelegenheiten dazu hätte es auch früher gegeben. Die Kinder wurden in eine brave Normalität sozialisiert, die heutzutage als fade kleinbürgerliche Angepaßtheit verachtet wird (oft von diesen Kindern selbst, die wenig Empathie für ihre Mütter aufbringen), ohne zu verstehen, welche Leistung dieses "arm aber sauber" eigentlich bedeutete und immer noch bedeutet.

Freitag, 19. August 2011


















In der Stadtzeitung "Falter" hab ich vom Guerillagarten Längenfeld gelesen und mach mich mit dem Hund zusammen auf die Suche, um ihn mir anzusehen. Dort, wo die U6 die U4 kreuzt, steht im Artikel, dort waren wir noch nie, dort ist es nämlich sehr, sehr häßlich, ein verwahrlostes Niemandsland, Drogengebiet sowieso, auf das man von der Stadtbahn aus hinuntersieht oder das man mit dem Auto umfährt. Also gehen wir durch die Wolfganggasse, vorbei an der gekachelten Pizzeria (auch meine Toilette ist solcherart gekachelt, offenbar der gleiche Künstler, meine Gäste haben das alle schon fotografiert) zum ehemaligen Boulevard des Proletariats, der an der Otto Wagner Brücke versandet, dort, verkehrsumtost (ohne Weitwinkel kann man es nicht richtig wiedergeben) ein erstes Gärtchen, für Schmetterlinge. Weiter, wo eine barocke Kapelle von ehemaligen Stadtgrenzen kündet, durch einen Park, in dem die Stadtverwaltung Hängematten anbringen ließ, in denen keine Yuppies chillen, nein, die Stadtverwaltung sieht sich sogar mal genötigt den Zeigefinger zu erheben, wir queren die Stadtbahnstation, Otto Wagner, nicht alle seine Stationsgebäude wurden abgerissen, und nähern uns einer begrünten Fläche, auf der ich eigentlich das "Längenfeld" vermuten würde, da wäre doch ungenutzter Platz. Eine Gegend in der Lagerhäuser florieren, die man zu Fuß ungern quert, aber es gibt auch einen gut frequentierten Radweg, wir gehen unter der Statbahnbrücke, auch Otto Wagner, Denkmalschutz, durch und da, aha, Kürbisblüten, da muß es sein, hier neben der U4, hinter einem Skaterplatz mit viel Graffitti, da ist es also, das bißchen Grün. So wenig! Aber, man muß den jungen Leuten, die sich so viel Mühe gemacht haben, wirklich sehr dankbar sein, sie haben die bio-Erde sicherlich mit dem Rad hingebracht, im nächsten Jahr wird das Gärtchen wohl größer werden. Und die Gegend insgesamt ist auch nicht mehr ganz so grauslich wie früher, natürlich viel zu viel Verkehr, Lärm, Abgase, aber immerhin entrümpelt und begrünt, bepflanzt, gehegt vom Stadtgartenamt. Danke Stadtgartenamt!




Andernorts meint man ja, daß Kulturen nicht clashen, und bisher erlebte ich das ja auch eher so, man glitt eben aneinander vorbei, vermied Berührungen und damit etwaige Reibungen. Aber hier clashts: Vorstadtgrind trifft auf bürgerliches Stammland, mit Rotlichtreklame verklebter Leerstand neben der Apotheke, diesem kräuterduftenden Hort von Aufklärung, Hygiene, Gutverdienen, kurzum Bürgerlichkeit. Und was wird da in der Apotheke beworben: ein harmlos-altmodisches Hopfenpräparat, früher hieß das doch Hovaletten, übrigens graphisch nett gestaltet, find ich, ein wenig kreidengestrichelter Pollock und das schöne Madonnenblau, Hovaletten hatten alle Damen zu Haus, für den Fall der Fälle, Ärger, Sorgen, Migräneattacken, das Wort Streß war noch nicht gebräuchlich, aber geben tats ihn schon. Und die ländlichen Damen griffen auch zum Hopfen, in Form eines abendlichen Glases dunkles Bier (gern mit einem Löffel Zucker drin). Dem dunklen Bier, vor allem dem alkoholfreien Malzbier, sagte man Gutes für stillende Mütter und für die Größe des Busens im allgemeinen nach, was ja sicher stimmt, wenn man sich die Brüste der Biertrinker über ihren Bierbäuchen ansieht, Hopfen enthält eben irgendein östrogenverwandtes Dings. Heutzutage duften die Apotheken, die nicht mehr nach Heiligen, sondern oft irgendwas mit wellness heißen, nur noch selten nach Kräutern und auch der Kundenbezug hat sich geändert, wie ich bei meinem letzten Apothekenbesuch (nicht hier) feststellte, als eine Kundin etwas für juckende, gerötete Augen und Trockenheitsgefühl verlangte und sich dabei beidhändig die Augen rieb. Früher hätte der Apotheker gesagt: Bitte nicht die Augen reiben, wir greifen ja ständig schmutzige Sachen an, gell, und die Bindehäute infizieren sich leicht. Und dann hätte er ihr das Flascherl mit den Augentropfen verkauft, und vermutlich nur dies eine Flascherl, wenn die Kundin, der inzwischen das mütterliche "Hände weg vom Gsicht!" wieder eingefallen wäre, sich dann auch dran gehalten hatte. Aber inzwischen gehts ja nicht mehr um Hausverstand und einen nett gebrachten Gratistipp, sondern um sales und Frequenz. Wenn der Patient nix weiß und auch beim Arzt nix verstanden hat, und dagegen helfen auch sprachenkundige Vorzimmerdamen nix, wenn sie barsch und uninteressiert sind, was andererseits nicht verwundert, gehört ihre Berufsgruppe doch zu den schlechtbezahlten, aber - da weißbemantelt! - prestigehebenden. Machtanix, wenn die Leute sich nicht auskennen, wenns wieder weh tut, kommen sie halt wieder, hebt die Frequenz.

Donnerstag, 18. August 2011



Die treuen Leser kennen ja das "Smrt Faschismu!" mit Sichel&Hammer. Seit Jahren unverändert wurde es nun übermalt, upgedatet, in blau, das serbische Kreuz und das U der Ustaschen dazugesprayt.(Bild zum Vergrößern anklicken) Etwas spät, nachdem Unitarismus, Dritter Weg und Bratstvo i Jedinstvo doch schon länger her sind. Außerdem ist das historische Äquivalent zum serbischen Kreuz das Schachbrett. Junge Sprayer waren das nicht, soviel steht fest. Junge Sprayer nämlich machen ihre Arkana kunstvoll und mit sehr viel Schwung, üben ihre Zeichen die einem Sultanssiegel gleichen, in den Schulheften, um dann beim nächtlichen Sprayen, in prickelnder Gefahr des Erwischtwerdens, schnell und perfekt zu sein.


Der Gebietsbetreuung, die rasch geantwortet hatte, waren das brachliegende Grundstück und die Situation am Migazziplatz auch schon aufgefallen, aber das Grundstück ist im Privatbesitz und einer Zwischennutzung als Gemeinschaftsgarten nicht zugänglich, - tja, schade. Im angrenzenden Bezirk hat die Gebietsbetreuung auch ein Gemeinschaftsgärtchen initiiert und betreut auch den von allen Altersgruppen stark frequentierten kleinen Park am Bacherplatz.

Mittwoch, 17. August 2011




Eine Zwischennutzung (vor der Verbauung) des Grundstückes am Migazziplatz als Gemeinschaftsgarten für alle Anrainer wär doch was! Es gibt ja schon eine Art Pilotprojekt im Bezirk, die Wolfganggasse. Auch die Gebietsbetreuung wäre ein Ansprechpartner. Es gibt auch in anderen Bezirken ähnliche Projekte. Zwar ist die Bedeutung von Hausmeisterinnen für das gedeihliche Zusammenleben im Gemeindebau schon erkannt worden, es gibt Schulungen und ein Berufsbild, daß unter den Hausmeisterinnen, die das Leben und die Probleme an der Basis wirklich gut kennen und die über große soziale Kompetenzen verfügen müssen, politische Talente schlummern, wurde aber noch nicht erkannt. Da der Partei alle Basisorganisationen abhanden kamen, in denen politische Talente sich früher manifestieren und bewähren konnten, gibts ungenügende Verankerung und Probleme bei der Neurekrutierung von politischem Personal. Also: auch mal Mentoring für politische Talente von der Basis andenken!

Montag, 15. August 2011



Kriminalität ist ortstreu, das weiß jeder Polizist, sie braucht das richtige Mischungsverhältnis von Ignorieren, Dulden und opportunistischem Nutznießen um sich festzusetzen, auch das weiß jeder Polizist. In den guten Gegenden, am Rudolfsplatz, hinter der Karlskirche, wehren sich die bürgerlichen Anrainer, man wohnt gut und man will da auch weiterhin gut wohnen, man will nicht mit all den unschönen Nebenerscheinungen des Drogenelends und der damit verbundenen Beschaffungskriminalität konfrontiert sein. Man klagt erfolgreich eine drogenfreie Schutzzone um die Privatschule ein, man verlangt Umbau und Umzäunung von Spielplätzen, man nimmt seine politischen Vertreter in die Pflicht, man läßt sich nicht abwimmeln, gibt nicht nach und man resigniert nicht. Aber in der Vorstadt ? In der Vorstadt ist man argumentationsschwach, abwimmel- und einschüchterbar, zwar motschkert man und ärgert sich, resigniert dann aber doch und gibt halt bei den Wahlen eine Proteststimme ab.



Grün überwucherte Stadtbrache, auf der ein verfallenes einstöckiges Vorstadthaus gestanden hatte, das brannte, Obdachlose hatten darin genächtigt, die Ruine wurde abgerissen, was mit dem Baugrund geschieht ist noch unklar. Am besten wäre die ensemblegerechte Verbauung mit geförderten Wohnungen so wie schon auf der anderen Seite des Gäßchens das zum Kirchenportal führt, symmetrisch, nicht zu hoch, idealerweise mit einem Angebot für Kinder im Erdgeschoß, ein Lerncafe oder so etwas in der Art. Bis dahin aber könnte man das Grundstück als Gemeinschaftsgarten nutzen, alle Anrainer könnten mitmachen, einander dabei kennenlernen, denn die Nachbarschaft ist ziemlich heterogen. Gemeindebauten mit alten einheimischen Bewohnern, mit kinderreichen Migrantenfamilien, Leute die Wohnungen im Eigentum haben und mittelschichtiger sind, die katholische Pfarre, die Sikh, die Schwarzafrikaner, die im Gäschen ein Lokal haben, wo man afrikanisch essen kann, ein Treffpunkt für viele Afrikaner und eine große Sorge für die Anrainer, weil am Kirchplatz und im Gässchen stark gedealt wird.

Sonntag, 14. August 2011


Aus dem Vertrag mobben lassen, möglich, sagt der Doktor Doppel-Name, dem ich die Geschichte des armen Ladenbesitzers, dem immer wieder nachts Unrat vor die Tür gelegt wird erzähle, oder vielleicht hat er Schulden, aber dann kommen eher die Typen mit dem Pitbull, haben mir die Kinder, die grad Gerichtsjahr machen, erzählt, selber, - große alte Innenstadtkanzlei, - hat man mit sowas ja nicht zu tun. Oder aber Schutzgelderpressung, hm? Nein, sag ich, Schutzgeld wird doch nur dort erpreßt wo gut verdient wird, so ein Laden bringt doch kaum die Miete.

Samstag, 13. August 2011


Das machen Sie aber schön, sag ich zu dem Mann, einem Migranten, der am Morgen den Gehsteig vor seinem Laden eifrig putzt. Muss ich ja, sagt er unglücklich und erzählt mir, daß immer wieder nachts Fäkalien vor sein Geschäft, und nur vor seines, in dieser Straße voller kleiner migrantischer Läden geworfen werden. Haben Sie mit wem Probleme, frag ich, aber nein sagt er, ich glaub jemand will mein Geschäft, weil ich mal erzählt hab, daß die Miete etwas billiger ist. Ich geb ihm gleich ein paar Tipps, schließlich bin ich mittlerweile ja ungewollt Expertin für solche Sachen geworden und frag noch nach dem Hauseigentümer, ein neuer Mieter würde auch eine Erhöhung der Miete für den bringen, ist Ihnen das klar? Gut, daß du ihn drauf hingewiesen hast, sagt der B dann als ich ihm davon erzähle, denn rausmobben lassen ist eine durchaus übliche Praxis.

Freitag, 12. August 2011


Der britische Pensionist wurde schon jahrelang aggressiv gemobbt, man pinkelte ihm vor die Haustür, warf Dreck auf die Straße davor, zündete ihm dann im Schutz der Massenszenen das Haus an und als er versuchte, das Feuer zu löschen, wurde er vermutlich erschlagen.

Hoppa, sagt der B, da wär so ein Funke: Mann im weiteren Verlauf einer polizeilichen Amtshandlung gestorben, in Paris und London brennen dann die Autos, mindestens, und in Berlin auch. Aber Vorarlberg ist anders, Gottseidank. Und London? Schon kommt aus dem Radio der political spin: Vertreter aller Schichten, nicht bloß dieser eine Grundschullehrer, nein Studenten, gar Millionärstöchter, seien dabei gewesen, ein neuer Pariser Mai, sozusagen. 68 wurde nicht geplündert! Denkt wer an die Leute, die für ihre kleinen Läden hart gearbeitet haben, die weiterhin mit den Gelegenheitskriminellen Tür an Tür werden leben müssen?

Nicht nur, daß zu uns allen noch nie eine Hausmeisterin halts Maul du Arschloch gesagt hat, wirft die D. ein, hätte uns gegenüber auch kein Vermieter das irgendwie kleinzureden versucht, und kein Akademiker sich mit ihr gegen uns solidarisiert, solche Akademiker kennen wir nämlich nicht und wir wollen sie auch in Zukunft nicht kennenlernen.

Donnerstag, 11. August 2011


Exemplarische soziale Exterritorialität, sagt der B, den Rest schreibst du nicht, jedenfalls nicht hier, später dann, soziologisch ist es ja ganz interessant, auch wenn man sich das und diese Figuren nie ausgesucht hätte. Aber jetzt sind sie da und jetzt werden sie analysiert, z. B. der Späher, so was lernt man doch in einem besseren Bezirk und in unserer Art Leben sonst nicht kennen, gut, dealer sieht man schon überall, und Apotheken in denen substituiert wird vermeidet man, wir gehen nur zu Ärzten mit denen wir bekannt oder verwandt sind, in Ordinationen mit Biedermeiermöbeln, noch nie hat eine Hausmeisterin zu uns halts Maul gesagt, nicht wahr, ist doch alles neu und furchtbar interessant.

Eine jüngere und kritischere tschechische Historikergeneration sieht die Vertreibungen endlich anders. Meine Generation hat sie nur immer als gerechtfertigt gesehen. Ich habe eine ganze Reihe Vertriebener gekannt, Ärzte, Techniker, einen Mathematiker, sie wurden bei uns sehr erfolgreich, sie hatten sehr harte Jahre zu überstehen, aber sie erreichten eigentlich doch wieder die verlorengegangene soziale Position. Und ich kenne auch Leute, die als Kinder die Vertreibung erlebten, auf dem langen Todesmarsch beide Eltern sterben sahen, dann wurden die Geschwister getrennt, sie hatten Glück und kamen in liebevolle und wohlhabende, aber doch auch verständnislose neue Umgebungen, die Geschwistergruppe wurde aufgeteilt, mehr als ein Kind wollte man sich in den schweren Jahren nicht zumuten. Und auch Mütter, die mit ihren Kindern geflohen waren, haben erzählt wie sie sich und die Kleinkinder knapp vorm Verhungern bewahrten. Eine dieser Frauen ging sofort weiter nach Westösterreich, wo nichts zerbombt war und wo sie Arbeit in einer Fabrik finden konnte, ihre drei Kinder hat sie allein aufgezogen. Alle drei Kinder sind wohlgeraten. Warum konnten diese Menschen das und warum können das Leute jetzt, mit ungleich größerer sozialer Unterstützung die sie nun bei uns bekommen, nicht?

Die Dekade der herzlosen Kreislerstochter hat alle britishness ausradiert, die Teepausen, die vielen Streiks, das beste Gesundheitssystem nach 45, die eleganten und behaglichen Riten der city. Nach einer Ayurvedakur sah sie - obwohl so unsympathisch - aus wie the legendary english rose. Nun ist sie dement, die Folgen des ungesunden Lebens der Wohlhabenden von damals. Heute nehmen sie schon alle anti-ox und detoxen zweimal jährlich. Schon damals gab es Unruhen, viele Obdachlose, Akademikerarbeitslosigkeit, massenhaft Zuwanderung, heruntergekommene Schulen und Gewalt und Kleinkriminalität in den Straßen. Die tube war gefährlich, manche Viertel sollte man meiden. Inzwischen die telecom, dotcom, finance und immoblase deflationiert, immer misere Teiljobs, aber eine neue MIgrantenwelle aus Polen, dazwischen noch das irische Wunder,Privatisierung so gut wie aller öffentlichen Güter, mehr Armut, noch mehr Kriminalität, die Überwachung des öffentlichen Raumes, Ausverkauf der nationalen Symbole an fremdes Geld, dann die komischen Blairs,
die zur Schau gestellte Privatheit, die Beraterei für alles und jedes, die unverschämte Zugreiferei, die begann erst damals.

Komm, du schrecklicher, schrecklicher Bluthund, sagt die D, schneidet mit dem silbernen Buttermesser ein Stück Käse ab und gibts meinem Hund. Eine Ururgroßmutter der D ist vom Amerling gemalt worden, nicht dieses Bild, aber die hübsche D sieht der Dame auf dem Bild oben ähnlich, obwohl sie natürlich keine Biedermeierfrisur trägt. Als ich bei dir im Haus war, erzählt sie uns, bin ich aus Versehen auf eins dieser stinkenden Dinger im düster-schummrigen, unverputzten Hausflur getreten, na echt gutbürgerlich, dabei zeigt sie uns den Stinkefinger, fuchtelt dazu mit dem Buttermesser und wackelt im Sitzen mit dem Popo, aber es gelingt ihr einfach nicht ordinär zu wirken und wir lachen bis der Hund mitbellt. Wenn bei meinem Vater wer an der Ordination geläutet hätte, mit Gips und Krücken und, na, den wegschicken: letztklassig. Aber wenn man dann merkt, es wird happig, versucht man noch gschwind freundliche Nasenlöcher zu machen, gell, sagt der Jurist, - in jeder besseren Familie gibts mindestens einen Juristen, - und wenn das nix nützt, dann, na, gutbürgerlich ist eben anders. Zum Mokka kommt noch die A dazu und packt mir Geschenke aus der Apotheke ein, auch Medikamente für den armen Hund, danke sag ich, danke, ich hab ja noch genug, darf ichs weiterverschenken falls ichs nicht verbrauchen kann, du darfst sagt sie.