
liebe Barbara2,
die Roten sind Sozialdemokraten, sie haben die Mehrheit natürlich behalten, aber die absolute Mehrheit verloren und müssen daher in der Stadtregierung eine Koalition eingehen. Grün ist grün, schwarz ist christlichsozial (haha) und liberal (gelb) hat bei uns keine Tradition, gibts nicht. Blau ist die Haider-Partei (die sich mal spaltete, sich inzwischen großteils wiedervereinigte): alte Deutschnationale, schlagende Burschenschafter (der feste Kern, da wird das in der Familie tradiert) und Glücksritter, Postensucher, Frustrierte, Protestwähler...
Wir trinken Assam, essen den ersten Panetone dieses Winters, es ist saukalt, aber sonnig. Wir bereden die Wahlen, wer die Marek erfunden hat, den Niedergang der Wiener ÖVP, die Zeiten unter Busek, die Streitereien darnach, die nachhaltigen Feindschaften der Christlichsozialen untereinander und daß die Wirtschaft eh keine Christlichsozialen braucht. Vor allem nicht in Wien. Ein-Personen-Firmen, Geschäftchen aller Art, Strukturvertrieb, Denke zwischen Telefonmarketing und bissl NLP. Das Klein-und Kleinstgewerbliche kennzeichnet nicht nur die Türken.
Wir beratschen daß es bei den Blauen zwei Grafen (Vater und Sohn) gibt und wie erstaunlich das ist, denn der Adel ist nicht deutschnational eingestellt. Deutschnational war das aufstrebende Kleinbürgertum, ein paar Leute des kleinen Militäradels zu Ende der Monarchie waren großdeutsch orientiert.
Die Arztordination im Parterre wird renoviert, das Wasser ist abgesperrt, kein Hinweis für wie lange. Also keine zweite Kanne Tee. Wäre ein Schweizer Paß ein beruhigendes Gefühl? Wir kennen Leute die schon immer einen hatten und solche die nach Haiders großem Wahlerfolg einen bekamen (nicht einfach). Die Blauen wollen bei den nächsten Wahlen auf Bundesebene Zweitstärkste werden. Wir holen inzwischen schon mal die Publikationen des Frankfurter Institutes für Sozialforschung hervor.
liebe Barbara2,
der Panetone ist ein italienischer Hefekuchen, wird in bunten Pappkartons verpackt verkauft, ist stark aromatisiert und natürlich kein bißchen bio. Und die erste Kanne Tee hatten wir glücklicherweise zubereitet bevor das Wasser abgesperrt worden war. - Österreich-Ungarn war bis 1918 ja ein Vielvölkerstaat mit vielen Sprachen und unterschiedlichen Religionen.Das kleine Österreich nach 1918 hatte nur noch kleine lokale Sprachminderheiten (Slowenisch in Kärnten und der Steiermark). Gegen Ende der Monarchie hatte es starke panslawistische nationale Bewegungen gegeben. Die Deutschnationalen betonten die Zugehörigkeit zur deutschen Sprache, Geschichte, "Schicksalsgemeinschaft". Daß es so etwas wie Österreich und eine österreichische Identität gäbe wird von den sich als deutsch empfindenden Österreichern bis heute bestritten. Die deutschtümelnden Studentenverbindungen entstanden um 1848, als es eine kleine bürgerliche Revolution in Wien gab. Emanzipation des Bürgertums, Ablehnung von Obrigkeit und autoritärer Staatsführung (Metternichs Polizeistaat)
Deutschtümelei, Rechtsradikalismus und Antisemitismus sind ein unentwirrbares Amalgam eingegangen.
Eigentlich dachten wir, das seien halt die 7-9% Rechte, die eine Demokratie
verkraften können muß. Aber die Effekte der Armutsmigration, des Kriminalitätstourismus und der Krise machen die Leute empfänglich für Hetzer.