Sonntag, 31. Oktober 2010



Canova, Klassizismus

liebe Barbara2,
einfach Kürbis schälen und schnetzeln (Sorte Butternuss paßt gut)und mit Basmatireis zusammen kochen, Butter und Tamari dazu (foolproof und schnell, risotto macht man mit eigenem Reis den ich nicht mag, ich verwende für alles wenig Gewürzte Basmati und für schärfer gewürzte Gemüsecurries Langkorn)und vielleicht geriebenen Käse (harten Schafkäse, pecorino) dazu.
liebe Maurulam,
geht Ihr da zusammen auf den Friedhof, oder hörst Du einfach zu, wenn sie erzählt?

Der im umbauten Bereich gelegene nahe Friedhof zieht Vandalen an.

aus der Berliner Sammlung, Foto von HJ Syberberg

Samstag, 30. Oktober 2010


Der Maler ist Burne-Jones,ich bin aber nicht ganz sicher, auf jeden Fall ein Präraffaelit. Es ist warm, sonnig, die Blätter sind wunderbar gelb und bunt. Der Hund hat glücklich gespielt, große Äste apportiert und sich im Laub gewälzt. Das Essen war farblich passend: Kürbisrisotto.Als Lektüre hab ich mir einen großen Klassizismuswälzer vorgenommen, wie unterschiedlich Klassizismus in Dänemark oder Portugal aussieht! Im Radio belcanto,ich höre aber auch gerne Schönberg. (Hier wird man mit der zweiten Wiener Schule durchaus vertraut.)

PS: das Treibhauto wurde abgebaut, nur ein paar traurige Tomatenstauden sind noch zu sehen.

Dienstag, 26. Oktober 2010


liebe Maurulam,
a knights farewell!
Wiederkehr heißt auf türkisch döndü (es ist auch ein Mädchenname: Döndü)

PS: das Runde am Kopf der Dame ist nicht das Ohr selbst, sondern Schmuck.
Zum Ende nochmal Burne-Jones.

liebe Barbara2,
obs das Treibhauto noch gibt weiß ich nicht, weil ich schon länger nicht durch diese
Straße gegangen bin, weil die Umgebung so wenig ansprechend ist versuche ich die Gassi-Gänge zu variieren.

Donnerstag, 21. Oktober 2010


letztes "winkewinke" für Barbara und Maurulam: es wird in Wien eine rot-grüne Koalition in der Stadtregierung geben und hier der Text zum Bild "Lumpenmilliardäre".

liebe Barbara2,
ich fürchte ich habe die Plinsen gelöscht, tut mir leid! - Die rot-grüne Stadtregierung finde ich gut; allerdings darf man auch zu den 27% Rechtswählern nicht den argumentativen Kontakt verlieren. Hinter den Grünen steht ein großes sympathisierendes Expertenmilieu, dadurch kann es wirklich zu neuen Impulsen und Lösungen (Stadtplanung, Verkehr, Umwelt, Soziales, Ökonomie) kommen. In den westlichen Bundesländern gibt es bereits schwarz-grüne Koalitionen (z.B.:in Oberösterreich in der Landesregierung, in Graz auf Stadtebene). Umweltbewußtsein, Universalismus - dahinter kann man heutzutage politisch nicht mehr zurück.
liebe Maurulam,
naja, wir Österreicher imitieren in vielem die BRD, es werden ja auch viel bio-Produkte importiert, Reformhäuser in der BRD waren immer viel besser sortiert,
-- im Westen wird viel Ski gefahren, die Arbeiterbewegung der ersten Republik hat die Leute in den Wienerwald und in die Berge gebracht, es gibt heute noch rote und schwarze Sportklubs und Alpinvereine. Mittelschicht joggt im Wienerwald, Unterschichtkinder in Wien wachsen gänzlich naturfern auf, kommen nie raus ins Grüne, kennen Pflanzen und Tiere nicht - ein Jammer!Die Schule kann die familiäre Sozialisation ergänzen aber nicht völlig ersetzen, trotzdem sollte da noch mehr gemacht werden. -- München, Paris, Barcelona sind rot-grün regiert, alles Städte mit viel Kulturtradition und vielen gebildeten jungen Bewohnern.
Alles Liebe und Gute für Dich, Maurulämmchen!
liebe Barbara2,
diese schwarz-grünen Kooperationen bei uns gehen besser als erwartet (es gibt ja Gemeinsamkeiten mit konservativen Tugenden, z.B. Nachhaltigkeitsdenken, katholischer Universalismus);grob und ungenau gesprochen kann man sagen daß der Osten rot und der Westen schwarz ist und die aufgeweckteren Kinder alle bei den Grünen landen.
Nein, kein Treibhauto-Bild mehr!

Mittwoch, 20. Oktober 2010




Ein bißchen ländlicher Herbst kommt durch einen slowakischen Berufsjäger, der mir Bilder seiner Abschüsse zeigt; darunter Mufflons aus der Tatra. Er ist auch Meisterschütze, so sollte es sein, jeder Jäger muß auch Sportschütze sein und ständig trainieren. Er bekommt Wildpret von den Gästen, die nur Trophäe und Filetstücke wollen und kocht Ragouts aus Hirschherz und Lunge. Wildgulyas mit Polenta und dazu Barriquewein, zum Nachtisch böhmische Liwanzen, mag ich auch. Wenn es korrekt und selbstgeschossen ist darf man es auch essen. - When in Rome do as the Romans do, haben wir in der Kinderstube gelernt. Endlich, sagt B., hast du eingesehen daß Freundlichkeit in diesem Soziotop unangebracht ist und grüßt auch nicht mehr und wenn dich wieder wer fragt wann du ausziehst gib ihm die Karte vom Anwalt; von dort ruft man gern zurück.
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Liebe Barbara2,
damit endets hier. Zum Trost gibts noch das Rezept für die Liwanzen.

Dienstag, 19. Oktober 2010



In der Stadt eine Stuttgarter Dame vom Hasenbergl getroffen, natürlich Gegnerin des Bahnhofsumbaues. Der Bahnhof hat schon was Düsteres, präfaschistische Architektur eben, aber ich kenne keine Stadt mit einem großen Park um den Bahnhof, außer Stuttgart, das ist einmalig. Geologen fürchten ein Absinken des Untergrundes und Konsequenzen wie in Köln. Ich erinnere mich an die schöne granitene Gehsteigpflasterung in Teilen Stuttgarts, viel beständiger und eleganter als die Asphalttrottoirs in Wien. Und das ebenfalls düstere große ethnologische Museum mit der großen reichhaltigen Südamerika-Abteilung. - Es ist schon spätherbstlich. Politisch tut sich einiges, das wir besprechen, wir essen milden Demeter-Blauschimmelkäse mit frischen Nüssen und Birnen und trinken dazu Passito. Ich mag die in Wien üblich gewordenen Riedelgläser nicht, wir trinken aus Lobmeyrgläsern. Du bräuchtest einen Kamin, meint B. und lacht. Freunde in der Innenstadt haben einen Kamin im Wohnzimmer, mit gußeisernen Skulpturen der Frühmoderne rundherum. Bei meiner Tante gab es eigene Samtbänkchen für die Dackel, die gern vorm Feuer in der Wärme lagen. Hier gibts Wärmflaschen, dicke Sochen und ein altes kupfernes Thermophor, das A. ausgegraben hat und eine geerbte Kaschmirdecke für den Hund. Und noch ein Glas Passito, dazu steinharte Mandelbäckerei von der der Hund, er hat die richtigen Zähne dafür, auch abbekommt.

liebe Barbara2,
für gentrification müssen auch Lage und Haussubstanz besser sein; es gibt hier zwar viel Infrastruktur(aber keine Schulen für Mittelschichtskinder) und man ist mit Bus und U-Bahn rasch in der Stadt, aber es ist eine traditionell arme Gegend mit häßlichen Häusern (Mietskasernen, kleine Wohnungen, nur die alten großen Gemeindebauten sind architektonisch interessant)und die kleinen alten, einstöckigen Häuser mit Innenhöfen, die für Familien eventuell attraktiv wären haben schlechte Bausubstanz, man sieht zwar auch da Aufstockungen (2-Zimmer-Vorsorgewohnungen) und in Baulücken (wenn zu Desolates abgerissen wird) baut man Genossenschaftshäuser; zwei,drei davon architektonisch ganz nett.
Im benachbarten Bezirk, der schon weiter stadteinwärts liegt, ist das schon anders. Auch da viele Migranten, migrantische Geschäfte, noch etwas Prostitution in Gassenlokalen, aber viel viel bessere Bausubstanz, schöne große Altbauwohnungen und
ein gut saniertes altes Kernviertel In dem Bezirk wohnen auch viele sozialdemokratische Politiker meiner Generation, es wird mehr saniert, es gibt mehr Ärzte und Therapeuten,Architekten, Bioläden, aber immer noch Vandalismus. Ein Anwalt, der auch eine Immobude betreibt hat seine Türschilder für Kanzlei und Immobude bezeichnenderweise aus Stahl machen lassen, unkaputtbar. Hübsche, moderne Glasschilder in der gleichen Straße sind alle schon angeschlagen...

Montag, 18. Oktober 2010


Der arme Hund, in dieser ignoranten, schmuddeligen und feindseeligen Umgebung, sagt der Besucher, der gekommen ist die Wohnung anzusehen. Die Wiener Unterschicht ist hundefreundlich, aber die migrantische Unterschicht leider nicht. Das Los der Hunde in den südlichen Balkanländern ist sehr traurig. Bulgarien hat nicht mal ein Gesetz gegen Tierquälerei.

Sonntag, 17. Oktober 2010


Hier fährt man keine rosagoldenen Mercedes und die weißen Porsches auch nur in den weniger guten Lagen. Doch, doch wir estimierens, den fight zwischen fein und halbfein.


Ein Zuschlag zur Richtwertmiete weil hier "gentrification absolut nicht zu befürchten ist" wär doch auch noch was, nicht wahr, sagt B.
liebe Barbara2,
der Tischlerladen schließt leider. Und gentrification heißt das Viertel saniert werden und die Mittelschicht einzieht. Die sind aber eher keine Besucher von Massagesalons und Imbißstuben.


Vorm Haus ein rose-goldfarbener schwerer s-Klasse Mercedes, nagelneu. Sibirischer Bubentraum, sagt B. Daneben ein - nicht so neuer - weißer Porsche. Hier ist die Gegend für gebrauchte Mercedes, BMWs (bei den Morden heuer war der Fluchtwagen immer ein BMW) und Geländewagen. Wir erinnern uns an Ls Vater der den Sohn, der nur Zahnarzt geworden war (eine Schande in einer Ärztedynastie) bat den ordinären roten Porsche doch bitte hinter der Scheune zu parken.

Samstag, 16. Oktober 2010







Noch ein bißchen "schönes Wien" für Barbara2.
PS: ein Junitag.

liebe Barbara2,
da die Deutschtümelei ein offenbar so schwer zu verstehender Begriff ist, ein Beispiel: das erste Deutschtümeln traf mich mit zehn, als mich eine Frau in weißer Bluse, gemustertem weitem Baumwollrock und weißen Söckchen zu Schuhen mit etwas Absatz ansprach und erklärte, das Ding in meinem Geigenkasten sei eine Geige, keine Violine, auch habe man Haarschneider und nicht Friseur zu sagen. Die Franzosen, ebenso wie die Italiener seien Feinde, die Amis sowieso. Nun war das eine konservative Umgebung; Kaugummikauen war unerwünscht, Leute die Jazz am Klavier spielen konnten waren selten, Dirndlkleider normal, aber weiße Socken zu Stöckelschuhen das Erkennungszeichen für ewige Nazissen, diesen look hatten sie aus ihrer BDM-Zeit beibehalten. Als ich meiner Mutter davon erzählte fragte sie sofort nach den weißen Socken.

Freitag, 15. Oktober 2010




Wir essen Käse, Nüsse, Birnen und trinken dazu leichten burgenländischen Rotwein, ein Modewein.Der Käse ist junger österreichischer Hartkäse, nicht zu aromatisch. Käsewürfel zu Rotwein sind mir noch von der konservativen Redaktion in Erinnerung. Die Käsewürfel waren camouflage, denn es ging um den Rotwein, ohne den nix ging, keine Ideen, kein Schwung, kein eingehaltener Termin. Die Herren tranken, ich aß den Käse, trotz dieser idealen Verteilung hats dann nicht geklappt. Gut geklappt hats später, als ich dann schmeichelhafte Vergleiche mit Noelle-Neumann zu hören bekam.
Wir trinken also diesen eigentlich zu dünnen und zu blassen überbeschwatzten Rotwein und überlegen warum uns die konservative Agonie in Wien überhaupt beschäftigt. Schließlich beobachten wir auch rot und grün äußerst kritisch. Aber mit größerer Distanz, von Vertretern der entrechteten Klasse erwarten wir keine ästhetischen revelations, höchstens eine fähige Architektenjury für Bauaufgaben und um Himmelswillen keine Zara Hadid mehr bitteschön. Wir erwarten auch keine moralischen Gewissenserforschungen, keinen fürsorglichen Paternalismus. Wir sind dem Etikett bürgerlich aufgesessen, soziologisch kommen doch da wie dort alle aus der gleichen Lade, stellen wir schlußendlich fest.

liebe Barbara2,
ja, es gibt so geerbte politische Identitäten, einerseits, aber in meiner Generation eben auch viele Brüche mit den politischen Traditionen der Eltern. In meiner Generation gibt es (bei Qualifizierten) wenig Arbeitslosigkeit, viele wurden doch Beamte. Erbengeneration und Prekariat betrifft Jüngere. Es gibt aber prekär arbeitende Erben (denen tut das nicht weh, jedenfalls noch nicht).



Marek sieht man nun erstmals mit geschlossenem Schnabel (wo wir doch schon ihre Molaren und ihr Gaumensegel so gut kennen, wie eine - witzige - Kommentatorin schrieb). Und sie hat schon gelernt: jetzt am grünen Zweig festkrallen, aussitzen und das wird sich finanziell bezahlt machen. Die Partei aber schäumt, sammelt Unterschriften, fürchtet Verrat (Schufte denken eben so)und säubert. Tja, wenn man Intelligenzen aus dem Strasser-Kabinett engagiert, muß man mit den Konsequenzen leben. Nicht jede Hochbegabung ist nach Brüssel weitervermittelbar. Und Frau Papagei, pardon Frau Pastell, mit 70 in Mareks Trüppchen berufen, hat, wie wir lesen können, wohl dank ihrer Farbenpracht, einen alten Gimpel beerbt. Als die jungen Mütter wegen der Hebammenmisere im AKH vorm Rathaus demonstrierten, hat sie sich gleich dazugesellt. Aber die Sympathien waren durchaus einseitig. Wenigstens wissen wir jetzt mit wem Frau Marek die Stilberatung ("Motto: nicht bloß Holz vor der Hütte, sondern auch um den Hals präsentieren!) teilte. Die gebüldeten bürgerlichen Kommentatoren schreiben : "Difficilem est, satiram non scribere!" Aber so ist es halt mit den gebüldeten Bürgerlichen, es heißt "Difficil´est satiram non scribere".

Donnerstag, 14. Oktober 2010


www.gegen-unrecht.at
www.purplesheep.at

Ein paar Gassen weiter hat ein noch junger Hausbesitzer ein zweistöckiges altes Meidlinger Haus saniert und den von Abschiebung bedrohten Asylanten gewidmet.
In meinem Wohnhaus habe ich zwei nächtliche Fahndungen nach untergetauchten illegalen Asylanten erlebt (B. sagt Illegale seien doch die idealen Mieter für solche abgehausten Buden: die regen sich bestimmt nie auf, ducken sich vor den Hausmeistern, beeinspruchen die überteuerte Miete nicht und sind froh daß sie geduldet werden.)
liebe Barbara2, Du hast recht, Untergetauchte (illegale) Asylanten haben nur Geld wenn sie kriminell sind. Während der Asylantrag bearbeitet wird gibt es Unterhalt (sehr wenig) und ein Arbeitsverbot (außer für Prostituierte; das ist tatsächlich so).
Aber der Vater der letzten abgeschobenen Familie hatte bereits offiziell gearbeitet.
es gibt da offenbar Ausnahmeregelungen. Übrigens gibt es traurige Migrationstraditionen, so kamen schon vor hundert Jahren Frauen aus Galizien und Weißrußland durch Schlepper und Agenten vermittelt als Prostituierte nach Europa,aber auch Amerika, Indien, die Türkei. Meist wurde ihnen anständige Arbeit im Haushalt etc. versprochen.
Weil es so viel öffentliche Empörung wegen des letzten Abschiebefalles (zwei kleine Mädchen, Mutter im Spital) gab wird am Gesetz nun nachgebessert, alle Abschiebefälle mit Kindern müssen nochmal vor Gericht verhandelt werden.

liebe Maurulam,
die blaue blaue Aare! Die Berge!
Eigentlich ist Wien ein schmuddeliges Karpatenberlin, so vom Westen her betrachtet.
Nein, sagr B., es gibt sehr schöne Gegenden in Wien, nur hier, Klein-Minsk ist karpato-
balkansko-slumsko.

liebe Barbara2,
das Bild ist Bern mit der blauen Aare! Die Aare ist sauber, man kann drin schwimmen.

Meine Freunde nennen das Haus in dem ich in Wien lebe Klein-Minsk.

liebe Barbara2,
warum gibts bei uns keine Liberalen? Weil das Bürgertum ökonomisch und ideologisch zu schwach gewesen ist; Adel und Kirche waren stärker.Weiter unten habe ich schon gesagt daß Liberalismus bei uns zu stark mit Deutschtümelei amalgamiert war. Lediglich in den Wissenschaften und den Künsten gab es einen Liberalismus: der Wiener Kreis in der Philosophie (Carnap, Wittgenstein), Freud und die Psychoanalyse, die Wiener Werkstätten, die als Gründer, Finanziers und Auftraggeber das reiche jüdische Bürgertum hatten, das zwar in der Entfaltung eines eleganten Lebensstiles mit dem Adel wetteiferte aber ihn nicht (wie die Kleinbürger mit den roten Pufftapeten die sie in der Oper gesehen haben und die sie für feudal halten)imitierte sondern ein Eigenes , Neues, verbunden mit künstlerischen und sozialen Reformbewegungen suchte.

Die Schwarzen wollen den Integrationstadtrat. Das soll dann wohl nach dem Capo-Prinzip wie hier bei Dir in Klein-Minsk funktionieren, meint B.

Dienstag, 12. Oktober 2010


Abends trinken wir indischen Tee und essen dazu große hauchdünne, mit Spinat, minzeblättern und weißem Käse gefüllte Omeletts vom türkischen Bäcker. Wir lesen die
rechtskonservativen blogs (Hayekianer und Konsorten)zu den Wiener Wahlen. Den einen Autor habe ich zuletzt bei einem Vortrag Heiner Geisslers in Wien getroffen. Obwohl er etwa so alt ist wie ich selber kam er mir immer uralt vor. Selbstverständlich kann er nicht aufhören zu schreiben und Einfluß nehmen zu wollen; eine kleine Schaar eitler Kommentatoren (pensionierte Beamte und Lehrerinnen vermutlich) sekundiert Beiträgen die beinahe schon rührend an der Realität und dem unumkehrbaren mainstream vorbeigehen. Es gibt Wortschöpfungen wie "liberalkonservativ" und "ordnungsliberal" zu lesen; was um Himmelswillen soll das sein, wenn nicht Euphemismen für ziemlich platten Rechtskonservativismus.
Auf der Straße heute eine Bemerkung gehört: "aber die Tschechen (die letzte große Einwanderergruppe in Wien, allerdings vor hundert Jahren, da schwoll die Wiener Bevölkerung auch so stark an wie jetzt) konnten ja schon alle Deutsch". Was natürlich nicht stimmt. Die deutsche Minderheit in Tschechien kam zum Studium nach Wien, sprach das gute Prager Deutsch, und kehrte wieder heim. Die eigentlichen tschechischen Migranten sprachen so wenig und schlecht Deutsch, und das über zwei Generationen, wie die heutigen türkischen Immigranten.Die Sprach-und Schulpolitik der Monarchie war sehr liberal, tschechische Schulen waren erlaubt, Zweisprachigkeit anerkannt. Bei den Vertretern der Deutschnationalen ist dieses Phänomen der verleugnenden Überassimilation häufig: Großeltern Immigranten oder Angehörige einer verachteten Sprachminorität, Eltern im mühsamen und prekären sozialen Aufstieg und der Enkel dann etwa ein Odilo Globocnik.

liebe Barbara2,
die Roten sind Sozialdemokraten, sie haben die Mehrheit natürlich behalten, aber die absolute Mehrheit verloren und müssen daher in der Stadtregierung eine Koalition eingehen. Grün ist grün, schwarz ist christlichsozial (haha) und liberal (gelb) hat bei uns keine Tradition, gibts nicht. Blau ist die Haider-Partei (die sich mal spaltete, sich inzwischen großteils wiedervereinigte): alte Deutschnationale, schlagende Burschenschafter (der feste Kern, da wird das in der Familie tradiert) und Glücksritter, Postensucher, Frustrierte, Protestwähler...
Wir trinken Assam, essen den ersten Panetone dieses Winters, es ist saukalt, aber sonnig. Wir bereden die Wahlen, wer die Marek erfunden hat, den Niedergang der Wiener ÖVP, die Zeiten unter Busek, die Streitereien darnach, die nachhaltigen Feindschaften der Christlichsozialen untereinander und daß die Wirtschaft eh keine Christlichsozialen braucht. Vor allem nicht in Wien. Ein-Personen-Firmen, Geschäftchen aller Art, Strukturvertrieb, Denke zwischen Telefonmarketing und bissl NLP. Das Klein-und Kleinstgewerbliche kennzeichnet nicht nur die Türken.
Wir beratschen daß es bei den Blauen zwei Grafen (Vater und Sohn) gibt und wie erstaunlich das ist, denn der Adel ist nicht deutschnational eingestellt. Deutschnational war das aufstrebende Kleinbürgertum, ein paar Leute des kleinen Militäradels zu Ende der Monarchie waren großdeutsch orientiert.
Die Arztordination im Parterre wird renoviert, das Wasser ist abgesperrt, kein Hinweis für wie lange. Also keine zweite Kanne Tee. Wäre ein Schweizer Paß ein beruhigendes Gefühl? Wir kennen Leute die schon immer einen hatten und solche die nach Haiders großem Wahlerfolg einen bekamen (nicht einfach). Die Blauen wollen bei den nächsten Wahlen auf Bundesebene Zweitstärkste werden. Wir holen inzwischen schon mal die Publikationen des Frankfurter Institutes für Sozialforschung hervor.

liebe Barbara2,
der Panetone ist ein italienischer Hefekuchen, wird in bunten Pappkartons verpackt verkauft, ist stark aromatisiert und natürlich kein bißchen bio. Und die erste Kanne Tee hatten wir glücklicherweise zubereitet bevor das Wasser abgesperrt worden war. - Österreich-Ungarn war bis 1918 ja ein Vielvölkerstaat mit vielen Sprachen und unterschiedlichen Religionen.Das kleine Österreich nach 1918 hatte nur noch kleine lokale Sprachminderheiten (Slowenisch in Kärnten und der Steiermark). Gegen Ende der Monarchie hatte es starke panslawistische nationale Bewegungen gegeben. Die Deutschnationalen betonten die Zugehörigkeit zur deutschen Sprache, Geschichte, "Schicksalsgemeinschaft". Daß es so etwas wie Österreich und eine österreichische Identität gäbe wird von den sich als deutsch empfindenden Österreichern bis heute bestritten. Die deutschtümelnden Studentenverbindungen entstanden um 1848, als es eine kleine bürgerliche Revolution in Wien gab. Emanzipation des Bürgertums, Ablehnung von Obrigkeit und autoritärer Staatsführung (Metternichs Polizeistaat)
Deutschtümelei, Rechtsradikalismus und Antisemitismus sind ein unentwirrbares Amalgam eingegangen.
Eigentlich dachten wir, das seien halt die 7-9% Rechte, die eine Demokratie
verkraften können muß. Aber die Effekte der Armutsmigration, des Kriminalitätstourismus und der Krise machen die Leute empfänglich für Hetzer.

Sonntag, 10. Oktober 2010


Die Wiener Wahlen gingen leider so aus wie vermutet: die Blauen haben 12% dazugewonnen. (Natürlich sind da Protest und Denkzettelwähler dabei, aber die größten Stimmenanteile haben die Blauen in den Arbeiterbezirken, von Menschen, die ohne die Roten viel viel schlechter (ohne billige Wohnung, ohne soziale Absicherung)leben würden. Auch die erste Migrantengeneration (vor allem antimuslimisch gesinnte Serben, um die Strache warb) verdankt Integration, Absicherung und Chance dem roten Wien. Aber so ist das eben mit der Irrationalität. Die Blauen haben also soviele Stimmen (27%)wie unter Haider und dazu eine verbesserte personelle Struktur im Hintergrund, werden aber in der Stadtregierung in der Opposition bleiben müssen. Die Konservativen haben auch in den bürgerlichen Bezirken Stimmen (-6%)verloren, ihr Wahlkampf war inhaltlich miserabel, inkonsistent. Auch die Grünen haben Stimmen (-3%)verloren.

Donnerstag, 7. Oktober 2010



Wir reden nochmal über die bevorstehende Wahl in Wien. Van der Bellen, das hätte Charme gehabt, da hat der Thurnher ja recht. Alle meine Geschwister und Verwandten
hätten ihn gewählt, Marek wählt ja keiner, aber die Vassiliakou auch nicht. Naja, sag ich, die ÖVP hat halt gar keinen Nachwuchs, die Bezirksgerontokraten sind selbst den Döblinger Regimentern schon über, jeder zivilisierte und vernünftige Mensch ist Grün gegenüber aufgeschlossen, mit dem Professor kann man sich über Parteigrenzen hinweg identifizieren. Außerdem wählen Großbürger rot; Wien hat eine lange und kontinuierliche soziale Tradition die sozialen Frieden sichert; man will keine Aufschaukelungen und man braucht auch keine Änderungen die Verarmung und Radikalisierung nach sich ziehen, man hat genug und man hat es gut angelegt. Fürs Asoziale sind die newcomer und die social climber.

liebe Barbara2,
die Konservativen haben keine vorzeigbaren qualifizierten Frauen, außer der Wissenschaftsministerin, die habilitierte Juristin ist; im ersten Bezirk von Wien, in dem reiche Leute wohnen, und die Konservativen viele Stimmen bekommen findet sich keine der dort aufgewachsenen Anwältinnen etc.. die für die Konservativen in die Bezirksvertretung gehen möchte.Es finden sich nur Leute die Aufstieg über polit. Ämter suchen und natürlich nie wieder vom Trog weichen und keinerlei Distanz zur Partei einnehmen können.
Wir besprechen immer diese spezielle soziolog. Situation Wiens und die Veränderung bei den Konservativen, die wir in unserer Jugend ganz anders gekannt haben, damals waren die konservativen Kandidaten Lehrer, Beamte, jedenfalls bildungsbürgerlich orientiert. Das hat sich völlig verändert, deswegen B.s Refrain von der Fußpflegerpartei.




Unproduktiv, dumm, unethisch und ärgerlich: die Zwangsabschiebung bereits integrierter Kinder, während Straffällige sich mühelos über die Grenzen bewegen.
Womit man sich beschäftigen sollte: Epigenetik. (liebe Barbara2, ich weiß Du brauchst dazu keinen link!) Und was zu lesen lohnt: Erzählungen aus der "edition exil".

liebe Barbara2,
es sind einfach so Kommentare zum Tagesgeschehen. In der Nähe ist ein Haus für Leute die von Abschiebung bedroht sind, das sind zur Zeit vor allem Kosovaren, die herkamen als im Kosovo eine Kriegs/Nachkriegssituation war und die sich gut eingelebt haben; weil die Situation im Kosovo als geklärt und friedlich gilt werden die Asylansuchen (nach jahrelangen Amtswegen) abgelehnt. Heute wurden wieder 2 Kinder mit dem Vater zwangsabgeschoben, die Mutter ist im Spital und noch hier. Alle können gut Deutsch und sind unbescholten. Diese Leute sind integriert und die Abschiebung abzulehnen! Ein Problem sind die Kriminaltouristen da für eine Reihe von Balkanstaaten Visafreiheit besteht. Kriminelle Organisationen schleusen ihre Leute als Asylansucher ein (dadurch bekommen sie Aufenthaltsrecht und Unterhalt bis über ihren Antrag entschieden ist, das dauert Jahre und ist durch anwaltliche Eingaben noch verlängerbar). Den "grünen Gutmenschen" wird vorgeworfen daß ihre Anwälte solche Verfahren hinauszögern, aber unter Juristen weiß man natürlich auch welche Winkeladvokaten die Kriminellen betreuen.

Epigenetik finde ich interessant, weil ich auf der Uni noch getrichtert bekam daß es keine Veränderungen zwischen zwei Generationen im Erbgut gäbe, nur ganz ganz langsame Anpassungen, jetzt ist ein populärwissenschaftliches Buch dazu erschienen und das Thema somit auch bis zu mir durchgedrungen...

Mittwoch, 6. Oktober 2010


So, sagt der erfahrene Jurist, und jetzt erklär ich dir noch die Gschicht mit dem sadistischen Phantasma. Zu den Dominas gehen die Erfolgreichen und Mächtigen um in der situativen Umkehr mehr oder überhaupt Lust zu empfinden. Abgewiesene stalken und phantasieren sich ein Machtverhältnis zu den Gestalkten, sozial und gesellschaftlich Unsichere und Unterlegene suchen die überlegene Rolle in einem Lehrer-Schüler Bezug (der englisch radebrechende ältere Mann mit der Asiatin beim Hofer, sie geht zügig die Regale ab und schaut was sie braucht und will,ihr Blick und ihre Bewegungen sind zielsicher, dann geht sie zu ihm zurück, knickt in der Haltung sichtlich ein und fragt devot ob sie die Sachen nehmen und in den Einkaufswagen tun darf, er beredet in seinem grotesken Englisch jedes einzelne Stück und erlaubt oder erlaubt nicht) und eine Variante davon ist der Pygmalion-Komplex.
Im sadistischen Phantasma phantasieren sich rachsüchtige Abgewiesene in eine Dominanzposition und erleben starke Lustgefühle. Der Abweisende wird verfolgt und gleichzeitig zu entwerten versucht, unabhängig von dessen Reaktionen. Ignorieren und Ausweichen werden zu masochistischer Zustimmung uminterpretiert, die für den Verfolger zerstörerische narzißtische Kränkung der Zurückweisung, der Ablehnung, des fehlenden Interesses wird mit aller Gewalt verleugnet.
"Und willst du nicht mein Kumpel sein, dann schlag ich dir den Schädel ein."


Eigentlich, also eigentlich, sagt B. bin ich für die Marek´sche Arbeitspflicht. Der Hausmeister zum Beispiel müsste dann Red Bull-Dosen im Park sammeln anstatt das Kommen und Gehen von Gästen im Haus zu verfolgen. Oh, sag ich, der hat retiriert, die Besitzer haben ihn zurückgepfiffen. Die sind Juristen und wissen daher was andere Juristen raten. Außerdem wäre er sicher mit einer blumigen Diagnose arbeitsunfähig geschrieben, schließlich wird er hier gebraucht. Solche Häuser bringen gute Rendite, aber die ständige Gefahr des Vandalismus. Na und die Gäste der erlesenen Imbißstube nebenan, übrigens haben wir wieder einen rauskommen und an die Hausmauer pinkeln gesehen (Imbißstuben brauchen keine Toilette für die Gäste, irgendwohin aber muß das Bier das sie dort konsumieren; sie erleichtern sich meist im Toreingang des gegenüberliegenden Gemeindebaus, manchmal erwischt die Polizei einen). Die Marek´sche Arbeitspflicht greift da nicht, die Tschecheranten und Tschecherantinnen sind alle arbeitsunfähig, mit dem Subproletariat machen einzig die Tschecherlwirtn ein Geschäft, ansonsten sind sie unproduktiv und nur als Mob für Mobbing, Späherdienste und Randale zu gebrauchen. Bei der Arbeitspflicht zahlen diejenigen die was können und die eigentlich arbeiten wollen drauf und spezifische Betriebe profitieren.
Aber vorderhand gehts ohnehin nur um eine light-Version, an deren Organisation dann
parteinahe Träger verdienen.

Die Verantwortlichen geben so eine Pressemitteilung heraus.
Ich habe gestern mit einem Schulkollegen, der Montanist ist, auch sein Vater war Montanist, telefoniert und ihn befragt. Es gibt im südöstlichen Donauraum noch mehr solcher Laugendepots.

liebe Barbara2,
Montanisten sind die Absolventen der Montanistischen Hochschule (für Bergbau, Petrotechnik, Paläontologie etc..)

"Ich will ein Kind von dir!" kriegt der regierende Bürgermeister (er verteidigt die Absolute) eher nicht zu hören. Letzte Wahlkampftage und er macht der Jugend auch ein Werbegeschenk: er plädiert für eine Volksabstimmung über die Aufhebung der Wehrpflicht. Die Forderung nach einem Berufsheer ist uralt und taucht immer wieder auf (und ab).Der Viktor Adler -Markt im zehnten Hieb (Bezirk) heißt nach dem jüdischen Arzt und Sozialdemokraten der sich um die tschechischen Ziegelarbeiter die am Wiener Berg in Erdhöhlen vegetieren mussten kümmerte. Jetzt ist der Wiener Berg ein Naherholungsgebiet mit Teichen, das ich für Hundespaziergänge meide. Zu viel Dreck, zu viele Scherben, zu viele Kampfhunde, zu viele Kriminaltouristen, zu viele kleinkalibrige Patronen auf der Kinderwiese. immer wenn ich den Victor Adler-Weg nahm fiel mir die Geschichte, in der der Kaiser dem alten Dr. Adler (sein Sohn hatte während des Krieges den Ministerpräsidenten Stürgkh erschossen) das Auto leiht, ein.
Und die Grünen? Och, die Grünen. Die Wettanbieter haben das mit 1:50 (bzw. 6facher Einsatz bei mehr als 16%)richtig quantifiziert.

Dienstag, 5. Oktober 2010


Und dann hat er gedacht, ich stell sie als depperte Alte hin, die sich für Buddhismus und Esoterik interessiert, net wahr, sagt B. Ich lache und erzähle ihm von dem Papiermachebuddha, ein riesiger Buddha, richtiger Touristenkitsch, an der Oberfläche mit irgendwelchem Glitzerzeugs bestreut, den ich höflich bewundert habe. Ich habe damals kurz überlegt ob ich auf den Buddha klopfen soll, das Pappegeräusch hätte mit dem Geschwätz (so kostbar, so teuer) herrlich kontrastiert. Aber ich habs nicht gemacht. Schon ganz früh habe ich viele wunderbare Buddhaköpfe in Zürich gesehen, in der Villa Wesendonck und bei Händlern und einem Sammler.

Im Frühjahr hat die bürgerliche Kandidatin die alten rechten Deppen aus dem schwarzen Akademikerbund (der vor allem aus kleinen Ingenieuren besteht)geschmissen und gezeigt daß man mitihr koalieren kann. Sie nennt sich gern stählerner Kolibri. Aber es ist ja völlig egal wer kandidiert, Bürgerliche machen es nicht mehr (im ersten Bezirk zum Beispiel ist keine gebildete junge Frau bereit anzutreten) und so etwas wie einen persönlichen inhaltlichen Beitrag gibt es auch nicht mehr. Persönlichkeitswahlen sind vorbei.



Wir betrachten die hp vom Wiener Seniorenbund, vor allem die Fotos und die Dame rechts, die nach einer langen papageienbunten Phase nun in eine pastellfarbene eingetreten ist. Partei für Fußpfleger, sagt B. Wie ich hat B. bis zur Matura Rote nur aus der Zeitung gekannt,aber die Neuen Schwarzen sind sooo anders. Vulgär, sagt B. Seeehr vulgär, sag ich. Ästhetisch unterm Hund, unwählbar. Rote dürfen häßlich sein, aber Bürgerliche nicht. Das heißt Bauernbündler schon, Bauernbündler sind immer schiach (außer Südtirolern, ach der Silvio Magnago! aber der Khol is a net schön); der alte Krainer war schön schiach, während der Sohn nur schiach ist. Wir gedenken kurz einer Dame die bei uns nur per aspera ad astra heißt und lachen.