

Handwerkliche und kommerzielle Dienstleistungen ethnisieren sich (die türkische Bäckerei, der tadschikisch-bucharische Schuster und Schlüsselfräser, die chinesische Boutique, der Zeitungskolporteur aus dem Punjab ) ebenso die Halbwelt (die Prostituierten die auf der Straße und jene die in Studios arbeiten, und jene die beim escort service werken, die streetrunner und Drogenverkäufer, die Ausspäher und die Fachleute für Bankomatensprengung und für Überfälle auf Juweliere, etc) - so wie um 1900 die Ammen aus der Slowakei, die Schuster aus Ungarn und die Schneider und Köchinnen aus Böhmen kamen. Aber auch die akademischen Dienstleistungen sind in der Vorstadt besonders. Der Anwalt tritt niederschwellig und schlicht folkloristisch als "Verein für Hilfe auf", das Honorar kann abgestottert werden, gratis wie bei echten Hilfsorgnisationen sind Beratung und Vertretung nicht. Auch KOnsumentenschützer die mehr kosten als die Mitgliedsbeiträge des Vereines für Konsumentenschutz werben weniger mit Hilfe bei verpatzten Urlauben als mit solcher bei Ratenzahlungen, drohenden Exekutionen usw. Bevor die Nachbarn überhaupt eingezogen waren, suchte schon der Exekutor nach ihnen, erzählt eine Bekannte, die ebenfalls hier in der Vorstadt haust. Nur Apotheken und Ordinationen sind überall in der Stadt gleich, für sie gilt überall der gleiche Standard und für grindige Nachbarschaft in der Vorstadt können sie nichts. Bei den Ordinationen allerdings gibt es auch Ausreißer, die an die Armenärzte Celine und Döblin (die von nichtbezahlten Honoraren und nicht vom sicheren Kassenvertrag lebten) und den diskreten Dermatologen hinterm Bahnhof gemahnen. Aber es gibt auch Ärzte die sich bewußt bemühen gerade ihrer ärmeren Klientele eine freundliche Umgebung, freundliche und mehrsprachige Mitarbeiter, Aufklärung und Information zu bieten, wie der nahe Kinderazt und jene Ärztin, die ein Frauengesundheitsprojekt mitinitiierte.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.