Montag, 9. April 2012


Ostern ist so schrecklich kurz geworden. Nicht nur daß hier niemand die Karwoche kennt und Ostern nur durch die Schokohasen beim Aldi, der neben den ethnischen Läden auch noch frequentiert wird, und die freie Schulwoche ein Begriff für die Jungen ist, der Ostersamstag ist ein ganz gewöhnlicher Shoppingsamstag geworden. Im Wienerwald flitzen die Kaninchen, der Bärlauch stinkt und der Hund untersucht die Hasensassen, der B. und ich trinken Fastentee, von dem ja noch so viel übrig ist, wir nehmen keine der in unserer Generation üblichen Lammvariationen an Schnickschnack der gehobenen Gastronomie oder aus der eigenen high tech Küche zu uns (die geneigten Leser kennen ja meine Slumküche, die Vormieter, eine türkische Familie mit kleinen Kindern, wurden delogiert und hinterließen verärgert nicht nur die bedrückenden Spuren ihrer Armut, sondern auch reichlich Dreck) wir arbeiten einfach durch und zwischendurch lesen wir dies und das und wundern uns kein bißchen. Die Remarginalisierten ziehen durch Europa, der postkommunistische Nationalismus und Rassismus gedeihen, während die Nomenklatura samt Anhang Anschluß an unsere Korruptionisten suchte und fand. Am Nachmittag hören wir dann die dramatisierte Kapuzinergruft im Radio, trinken wieder Fastentee und essen dazu - der Mensch ist halt ambivalent - jeder eine Tafel Schokolade aux amandes, die Küche bleibt kalt.

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